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Abstrakte Kunst in Frankfurt : Die Freiheit von Blau, Weiß und Grün

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Ersehnte Freiheit: Das Frankfurter Museum Giersch feiert die abstrakte Kunst der fünfziger Jahre. Die Ausstellung zeigt das enorme Spektrum der Nachkriegskunst.

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          An Beachtung hat es Bernard Schultze (1915 bis 2005), einem der bahnbrechenden ungegenständlichen Künstler seiner Generation, nie gefehlt: Seine Bilder und plastischen Werke sind in Museen präsent, zudem in Galerien oder Sonderschauen zu sehen. Auch die epochemachende, als „Quadriga“ bezeichnete Ausstellung in der Frankfurter Zimmergalerie Franck, wo die selbsternannten „Neuexpressionisten“ Schultze, K.O. Götz, Otto Greis und Heinz Kreutz im Dezember 1952 Furore als Wegbereiter des Informel machten, ist in die deutsche Kunstgeschichte eingegangen und wurde in großartigen Rückblicken gewürdigt. Gleichwohl ist es verdienstvoll zu nennen, wenn die „Quadriga“ jetzt in Frankfurt einen Schwerpunkt der Ausstellung „Ersehnte Freiheit. Abstraktion in den 1950er Jahren“ im Museum Giersch der Goethe-Universität bildet.

          In einer Art Ausstellung in der Ausstellung ist jedem der vier Künstler ein eigener Raum mit typischen und oft sehr reizvollen Werken gewidmet. Als vielleicht schönstes Gemälde kann hier die 1961 entstandene „Blaue Polyphonie“ von Heinz Kreutz gelten, der im Dezember 2016 als letzter der vier „Quadriga“-Maler gestorben ist.

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          In einer relativ kleinen Auswahl, mit wunderbaren Leihgaben aus bedeutenden Museen, wird in Frankfurt das enorme Spektrum abstrakter Kunst gezeigt. Abstrakte Gemälde von Willi Baumeister machen neben figurativen Bildern von Karl Hofer den Anfang: ein anschaulicher Hinweis auf die Schau „Das Menschenbild unserer Zeit“ auf der Mathildenhöhe in Darmstadt von 1950 und damit zugleich auf das erste „Darmstädter Gespräch“, bei dem über die Bedeutung der modernen Kunst und deren konträre Ausdrucksformen, ob gegenständlich oder ungegenständlich, heftig gestritten wurde.

          Geistige Gemeinschaft einer neuen Kunst

          In der Ausstellungsankündigung heißt es, in der vielbeschworenen „Stunde null“, die vom Wunsch nach einem völligen Neubeginn bestimmt gewesen sei, „galt die Abstraktion als freiheitlich und entsprach dem Selbstverständnis der 1949 gegründeten Bundesrepublik“. Das wäre natürlich schön gewesen, allerdings liefert die Ausstellung selbst mit den berühmten „Fotonotizen, documenta 2“ des jungen Hans Haacke von 1959 den Gegenbeweis: Dort wird die völlige Ratlosigkeit von Ehepaaren, Familien, zwei Burschenschaftlern oder einer Nonne sichtbar, die vor den abstrakten Bildern stehen.

          Neben der „Quadriga“ werden zwei Künstlergruppen im engeren Sinn vorgestellt: „junger westen“ nannten sich mehrere junge Künstler aus Nordrhein-Westfalen, die im Jahr 1947 ihre Werke zum ersten Mal in Recklinghausen zeigten. Dazu gehörte auch Emil Schumacher, der hier mit seinem höchst eindrucksvollen blutroten Gemälde „Sodom“ von 1957 und mehreren Tastobjekten vertreten ist. In jenem Jahr malte auch Gerhard Hoehme „Isthmus / Isthmisches Bild“, und zwei Jahre darauf entstand sein besonders anziehendes großformatiges Gemälde mit collagierten Papierstreifen „Hommage à Mozart / Hymne an Mozart“.

          „Zen-Gruppe ist gut, Ankauf Hannover noch besser“, schrieb Willi Baumeister 1950 an den Kunstkritiker Will Grohmann und meinte damit wahrscheinlich das Gemälde „Zwei Weltalter III“, das damals vom Niedersächsischen Landesmuseum erworben worden war. Baumeister gehörte mit Rolf Cavael, Gerhard Fietz, Rupprecht Geiger, Brigitte Matschinsky-Denninghoff und Fritz Winter zur „Gruppe der Gegenstandslosen“, die im Juli 1949 in der Münchner Galerie Otto Stangl gegründet wurde und sich bald darauf für den Namen „ZEN 49“ entschied. Initiator war John Thwaites, der damalige britische Konsul in der bayerischen Landeshauptstadt, der aus seiner Passion für die Kunst der Gegenwart später zum renommierten Kunstkritiker avancierte. Zu den Höhepunkten der Gruppe zählen zwei bald nach 1960 entstandene große, fast monochrome Gemälde von Rupprecht Geiger und Fritz Winters dynamische Komposition „Vor Weiß-Grün“ von 1952. Als geistige Gemeinschaft verstanden sich diese Künstler, die sich für eine neue Kunst in Deutschland einsetzten und für ihre abstrakten Werke endlich mehr Verständnis und Anerkennung beim breiten Publikum finden wollten.

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