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Documenta mit zweitem Standbein : Exportweltmeister Deutschland geht nach Athen

  • -Aktualisiert am

Der Plan für 2017 steht: Die documenta 14 wird erstmals nicht nur in Kassel stattfinden, sondern auch in Athen. Eine Kunsthalle nach deutschem Vorbild gibt es dort bereits.

          Es ist selten der Fall, dass ein Wort aus der deutschen Sprache auch international Karriere macht: „Zeitgeist“ zählt zu den wenigen Gewinnern, die es ins Englische geschafft haben, „Kindergarten“ gehört auch dazu, oder „Fahrvergnügen“. Nun dürfen wir Exportweltmeister, die alles in alle Welt verkaufen können, außer die umständlichen Bezeichnungen dafür, doch einen weiteren kleinen Triumph verkünden: Der Begriff „Kunsthalle“ hat es ins Griechische geschafft! „Kunsthalle Athena“ steht in Athen ganz offiziell über einer der schönsten und originellsten Kunstinstitutionen der Stadt.

          Dazu gleich mehr, denn es kommt noch besser: Wie nun bekannt wurde, wird die documenta 14, die 2017 eröffnet, neben Kassel einen zweiten Schauplatz einführen - Athen. Die griechische Hauptstadt, heißt es in der Pressemitteilung, werde „zum gleichberechtigten Ausstellungsort“. Und weiter: „Die documenta wird damit ihre unangefochtene Position als Gastgeberin zugunsten einer anderen Rolle ruhenlassen: der Rolle des Gastes in Athen.“

          „Von Athen lernen“ lautet das Motto des documenta-Leiters Adam Szymczyk. Zu seinem Team gehört auch die griechische Kuratorin und Schriftstellerin Marina Fokidis, die das Magazin „South as a State of Mind“ gründete und 2010 ebenjene „Kunsthalle Athena“, als Reaktion auf die Krise. Die kleine Institution zog in das Obergeschoss eines leerstehenden Hauses im Stadtteil Metaxourgeio, der selbst im krisengebeutelten Athen als Krisenherd gilt. In diesem Teil des historischen Zentrums wohnen vor allem Migranten, das Rotlichtviertel befindet sich dort.

          Kunst in Krisenzeiten

          Wer in diesem Sommer die Kunsthalle Athena besuchte, traf auf eine feinfühlige Ausstellung, in deren Zentrum ein deutsches Schicksal stand: Der Künstler Socratis Socratous zeigte auf der Terrasse einen filigranen Hochsitz, er war dem deutschen Arbeitslosen Hans-Peter Z. gewidmet, der sich 2008 auf einem Hochsitz in Niedersachsen zu Tode gehungert hatte. Für einen Augenblick verkehrten sich die Rollen. Das Opfer der Krise kam dieses Mal aus Deutschland. Und die Griechen fühlten mit.

          Als an diesem Abend die Sonne in der immer noch erschütternd schönen Stadt unterging, rief Jürgen Walter, der Staatssekretär aus Baden-Württemberg, der eigentlich nach Athen gekommen war, um zwei kykladische Skulpturen aus Karlsruhe zurückzugeben, begeistert auf Schwäbisch: „Kunschthalle!“. „Chunstchalle!“, bestätigte Marina Fokidis glücklich mit griechischem Akzent und erklärte, dass man Deutschland um die Vielzahl seiner Kunstinstitutionen beneide und aus diesem Grund den Namen gewählt habe.

          „In Krisenzeiten“, sagt Fokidis gegenüber dieser Zeitung, „hat es die Kultur häufig schwer, Geldgeber zu finden. Die documenta gibt uns allen Hoffnung, weiterzumachen.“ Auf die documenta 14 darf man sich aber auch in Deutschland freuen.

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