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Documenta 13 : Ein Hund mit rosafarbenem Bein

Etwas unüberbrückbar Fernes

Die Documenta 13 ist mehr als die Illustration der viel kritisierten irrlichternden Animismusthesen ihrer Macher; sie zu sehen lohnt sich wegen der Entschlossenheit, mit der hier der Kanon der klassischen Moderne umgeschrieben und auch um die Namen vergessener Malerinnen erweitert wird, etwa um die grünstichig expressiven Halbabstraktionen der Kanadierin Emily Carr aus den späten zwanziger Jahren und die kunstvollen Schattenspiele von Nalini Malani. Sie ist sehenswert wegen der vielen kleinen Holzpavillons in den Auen, in denen sich die Bandbreite aktueller künstlerischer Weltsichten und Obsessionen entfaltet - zum Beispiel bei Gareth Moore (F.A.Z. vom 4.Juni), der hier eine Art kunstvolles „Walden“ aus Abfällen des Parks errichtet hat, in dem er seit Monaten lebt.

Ein Teil der Documenta findet in Afghanistan statt; Francis Alÿs war dort und hat zarte, kleine Gemälde mitgebracht, Tacita Dean zeigt die phantastische großformatige Kreidezeichnung eines imaginären Hindukusch, in der Traumvorstellungen von Bergromantik ebenso präsent sind wie das militärische Trauma, das sich mit den Bergen verbindet. Im Fridericianum wird ein Bild gezeigt, das eine leere Landschaft darstellt. Gemalt hat es Mohammad Asefi. Er übermalte, als die Taliban an die Macht kamen, unter dem Vorwand, die Bilder zu restaurieren, die menschlichen Figuren in zahllosen Gemälden des Kabuler Kunstmuseums, um sie vor der Zerstörung zu retten. Hier war die recovery identisch mit dem etymologisch verwandten französischen recouvrir, das Bergen mit dem Verbergen: Die Kunst konnte überleben, weil sie ihren wichtigsten Gegenstand unsichtbar machte. Auch dieses Bild gehört zu den Dingen, die in dieser Ausstellung etwas unüberbrückbar Fernes fassbar werden lassen, von dem man sich trotz vieler Fernsehbilder kaum ein Bild machen konnte.

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