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Diebstahl in Pompeji : Liegt ein Fluch auf geraubten antiken Funden?

Überreste des früheren Forums im Archäologischen Park Pompeji. Bild: dpa

Die Rache der alten Römer: Reihenweise Diebe, die einst Artefakte aus Pompeji gestohlen haben, schicken ihr Raubgut reumütig zurück. Die Zerstörung machen sie damit nicht rückgängig.

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          Dass man nicht einfach alles an sich nehmen soll, was man findet, lernen Märchenfreunde bereits in „1001 Nacht“. Dort wird die Geschichte eines Fischers erzählt, der nach allerlei Ärger – darunter ein toter Esel im mühsam ans Land gezogenen Netz – eine Antiquität aus dem Meer holt, nämlich „eine langhalsige Flasche aus Messing, die mit etwas angefüllt war; die Öffnung war mit einem Bleiverschluss versiegelt, und dieser trug das Siegel unseres Herrn Salomo, des Sohnes Davids“ – eine Antiquität also von unschätzbarem Wert, mehr als 1800 Jahre alt. Der Fischer geht nicht etwa zur lokalen Antikenbehörde, damit der Fund fachgerecht versorgt wird, sondern bricht das Siegel eigenhändig und erlebt sein blaues Wunder.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Immerhin kommt er aus der Sache noch halbwegs unbeschadet heraus, anders als der Antiquitätenfreund in Prosper Mérimées Novelle „Die Venus von Ille“, der einer auf seinem Grundstück gefundenen weiblichen Bronzestatue leichtfertig einen Ring an den Finger steckt – an seinem Hochzeitsmorgen findet man ihn tot in seinem Bett, offenkundig erdrückt von etwas sehr Schwerem. Dass jedenfalls auch realen Antiken ein Fluch anhaften kann, der den Finder trifft, glauben phantasievolle Gemüter mit Blick auf das Schicksal der Entdecker von Tutanchamuns bis dahin ungestörtem Grab.

          Knapp hundert Jahre später berichtet die Antikenverwaltung von Pompeji über moderne Diebe, die in den Ruinen der versunkenen und wieder ausgegrabenen Stadt Mosaiksteine und Ähnliches an sich genommen haben und das nun zu bereuen scheinen. Dabei spielt offensichtlich nicht in erster Linie die Einsicht in den unermesslichen Schaden, den sie damit angerichtet haben, eine Rolle, sondern schlechte Erfahrungen, die sie anschließend gemacht haben und die sie ihren Missetaten zuschreiben. So schickte eine 36 Jahre alte Kanadierin einige vor 15 Jahren in Pompeji geraubte Steine zurück und schrieb dazu, sie sei nach dem Diebstahl lebensgefährlich erkrankt. Auch eine Witwe meldete sich und schickte ein Artefakt aus Pompeji zurück, das ihr Mann noch im Koffer gehabt habe, als er einem Herzinfarkt erlegen sei. Inzwischen ist in Pompeji ein ganzer Bereich für zurückgegebenes Raubgut reserviert. Man wird ihn nicht ohne Erbitterung betrachten: weil auch bei zurückgegebenen Artefakten der Fundzusammenhang zerstört ist. Und weil man vermuten muss, dass eine Vielzahl von den gestohlenen Schätzen eben nicht zurückgegeben worden ist.

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