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Die wichtigsten Kunstbiennale-Pavillons : Goldene Löwen und mehr

  • -Aktualisiert am

Angola hat auf der Biennale in Venedig den Goldenen Löwen für den besten Länderpavillon erhalten. Und was zeigen die restlichen Länder? Sinkende Städte, Goldregen und humorvolle Wandgemälde.

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          Die Gewinner der Goldenen Löwen auf der Kunstbiennale von Venedig stehen fest: Die Jury zeichnete Tino Sehgal als besten Künstler und Angola für den besten Länderpavillon aus: Der Künstler und Fotograf Edson Chargas, der als Bildredakteur bei der Zeitung „Expansão“ arbeitet, beschäftigt sich mit ungenutzten Objekten wie alten Stühlen und erzählt durch sie die Geschichte seiner Heimatstadt Luanda. Und sonst?

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Deutschland und Frankreich haben zur Jubiläumsfeier der Elyséeverträge die Pavillons getauscht, für Deutschland dürfen der Chinese Ai Weiwei, die Inderin Dayanita Singh, der Südafrikaner Santu Mofokeng und der Filmemacher Romuald Karmakar deshalb im französischen Pavillon beweisen, dass nationale Kategorien keine Rolle für die Kunstwelt und Kuratorin Susanne Gaensheimer spielen, was man auch schon wusste: War kritisch gedacht, ist eine schön inszenierte Ausstellung geworden, die einen sanft gähnenden Löwen für gediegen-professionelle Langeweile verdient hätte.

          Dänemark verrät da mehr über die Gegenwart und China – mit einem beeindruckenden Film von Jesper Just, der im Nachbau eines ganzen Pariser Stadtviertels in China gedreht wurde.

          Russland dreht durch: Was im Kopf der Organisatoren dieses Pavillons los war, möchte man lieber nicht wissen. Ihn dürfen im Erdgeschoss nur Frauen betreten, die dort mit Goldstücken überschüttet werden, auf denen „Danae“ steht. Sollte vielleicht ein ironischer Kommentar zu Russlands Sexismus-Eldorado-Image sein, widerlegt diesen Ruf eher nicht. Chile überlässt seinen Raum Alfredo Jaars Riesenmodell einer Stadt, die in regelmäßigen Abständen im Wasser versinkt.

          Großbritannien stellt mit Abstand den lustigsten Pavillon: Der Turner-Prize-Gewinner Jeremy Deller hat Wandgemälde in Auftrag gegeben, auf denen der Geländewagen von Prinz Harry geklaut und die Yacht eines kunstsammelnden Oligarchen versenkt wird. Ein schönes Café gibt es auch. Amerika lässt von Sarah Sze Alltagsdinge bedeutungsvoll auftürmen, Ergebnis sehr langweilig.

          Für Brasilien führt der Künstler Odires Mlászho vor, was man mit Büchern machen kann, die man nicht lesen möchte – zum Beispiel mit einem deutschen Wörterbuch. Portugal wird von der Künstlerin Joana Vasconcelos vertreten, die ein Schiff vor den Giardini ankern lässt. Außen ist es mit Fliesen verkleidet, innen wartet eine Landschaft aus Stoff und Licht. Für Belgien hat die Künstlerin Berlinde De Bruyckere Baumstämme nachgießen lassen, die wie riesiges Treibgut im Pavillon liegen. Der Raum ist abgedunkelt. Wer das großartige Kinderbuch „Etwas von den Wurzelkindern“ nicht kennt, kann hier ausprobieren, wie es ist, eines zu sein.

          Kein Pavillon, aber sehenswert ist der ehemalige Showroom des Schreibmaschinenherstellers Olivetti an der Piazza San Marco 101. Armin Linke hat hier fotografiert, das atemberaubende Design untermalt eine Soundinstallation mit dem klassischen Tippgeräusch.

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