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Die teuersten Kunstwerke in deutschen Auktionen 2013 : Ein bisschen Expression muss immer wieder sein

  • -Aktualisiert am

Es gab einmal ein Jahr, da teilten sich die Villa Grisebach in Berlin und Lempertz in Köln die Top Ten untereinander auf. Das scheint Geschichte zu sein. Ein Blick auf die höchsten diesjährigen Zuschläge zeigt ein verändertes Bild. Neben fünf etablierten Auktionshäusern, alle aus dem Süden des Landes, taucht ein bislang unbekannter Name auf – aus dem Internet.

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          Etwas ist anders, etwas ist neu in diesem Jahr. Es fällt nur auf den zweiten Blick auf: Rang 3 der Spitzenzuschläge bei Auktionen belegt diesmal ein Aquarell von Egon Schiele, das nicht in einem der bekannten Auktionshäuser Deutschlands versteigert wurde. Es handelt sich aber auch nicht um ein kleines Haus, das nur ab und an einen Coup landet. Vielmehr tritt hier ein neuer Spieler auf dem Auktionsmarkt in seine Rechte: „Auctionata“ ist ein Online-Versteigerer, der seine Veranstaltungen live im Internet überträgt. In der Geschäftsstelle in Berlin kann man den Auktionen allerdings doch noch persönlich beiwohnen. 2013 veranstaltete Auctionata insgesamt 35 Online-Live-Versteigerungen und spricht von einer durchschnittlichen Verkaufsquote von rund siebzig Prozent. Schieles Zeichnung ist mit einem Zuschlag bei 1,5 Millionen Euro ein Ausreißer dort. Trotzdem kann sich die Bilanz des Anbieters sehen lassen; er hat nach eigenen Angaben den Umsatz in diesem Jahr verzehnfacht und plant, 2014 in den amerikanischen Markt einzusteigen. Mit zwölf Millionen Euro liegt die Firma freilich weit hinter den großen Häusern. Bei Auctionata arbeiten mittlerweile 140 Mitarbeiter.

          1. Kaiserliche Doucai-Kanne, China, unterglasurblaue Sechszeichen-Siegelschriftmarke Yongzheng, 18. Jahrhundert, Porzellan, 13,3 Zentimeter hoch: Zuschlag bei 2,8 Millionen Euro (Taxe 800.000/1,2 Millionen Euro) am 8. Mai bei Nagel in Stuttgart
          1. Kaiserliche Doucai-Kanne, China, unterglasurblaue Sechszeichen-Siegelschriftmarke Yongzheng, 18. Jahrhundert, Porzellan, 13,3 Zentimeter hoch: Zuschlag bei 2,8 Millionen Euro (Taxe 800.000/1,2 Millionen Euro) am 8. Mai bei Nagel in Stuttgart : Bild: Nagel


          140 Mitarbeiter? Davon ist das Stuttgarter Auktionshaus Nagel weit entfernt. Doch dort wurde das teuerste Los des Jahres versteigert (Rang 1). Was ist das Besondere an der dreizehn Zentimeter kleinen Doucai-Porzellan-Kanne mit ihrer zarten Bemalung aus dem China des 18.Jahrhunderts, die einem chinesischen Bieter 2,8 Millionen Euro wert war? Sie ist extrem selten, und so wurden mit Aufgeld sogar 3,73 Millionen Euro bezahlt. Eingeliefert hatte das Porzellan ein rheinischer Privatsammler, der es 1984 bei Sotheby’s in London für umgerechnet 45.000 Mark erworben hatte. Nagel beendet das Jahr 2013 mit einem Umsatz von 48,5 Millionen Euro. Das einzige Werk eines Gegenwartskünstlers in den deutschen Top Ten kommt ebenfalls aus China – von Zeng Fanzhi. Das ungewöhnliche Format aus der Serie „Mask“ von 2000 brachte Lempertz in Köln 900.000 Euro, obwohl die Schätzung bei einer bis 1,2Millionen Euro gelegen hatte. Lempertz hat an vier Versteigerungsorten – Köln, Berlin, Brüssel und Monaco – 2013 einen Gesamtumsatz von 56,5 Millionen Euro verzeichnet.

          3. Egon Schiele, „Reclining Woman“ von 1916, Aquarell, 48 mal 31,6 cm: Zuschlag bei 1,5 Millionen Euro (Taxe 1,6/2 Millionen) am 21. Juni bei Auctionata im Internet
          3. Egon Schiele, „Reclining Woman“ von 1916, Aquarell, 48 mal 31,6 cm: Zuschlag bei 1,5 Millionen Euro (Taxe 1,6/2 Millionen) am 21. Juni bei Auctionata im Internet : Bild: Auctionata


          Überraschend erfolgreich schließt Ketterer in München die Saison ab. Gleich drei Mal schafft es das Auktionshaus, das unter anderen Karl Schmidt-Rottluff und Max Pechstein anbietet, in die Top-Ten-Liste. Auf Rang 4 stehen Schmidt-Rottluffs „Zwei mit Katzen spielende Mädchen“ von 1907. Man muss erwähnen, dass der Käufer für seine 1,45 Millionen Euro gleich zwei Bilder erworben hat: Auf der Rückseite des Gemäldes verbirgt sich ein „Frauen- und Männerkopf“ aus dem Jahr 1924. Eine massive Steigerung erlebte Max Pechsteins „Lotte mit Kopftuch“, um 1919 entstanden: Geschätzt auf 580.000 Euro, steht das Bild nun auf Rang 9 mit einem Zuschlag bei 950.000 Euro. Pechstein war noch einmal für Ketterer erfolgreich: Sein „Schrei am Meer“ von 1912 hat mit 1,25Millionen Euro Rang 5 belegt. Das Gesamtergebnis für Ketterer ist daher – wenig überraschend – ein Rekord: 38 Millionen Euro stehen zu Buche.

          4. Karl Schmidt-Rottluff, „Zwei mit Katzen spielende Mädchen“, 1907, Öl auf Lw., 56 mal 57 cm (mit verso, siehe nächste Abbildung): Zuschlag bei 1,45 Millionen Euro (Taxe 900.000/1,2 Millionen) am 8. Juni bei Ketterer in München
          4. Karl Schmidt-Rottluff, „Zwei mit Katzen spielende Mädchen“, 1907, Öl auf Lw., 56 mal 57 cm (mit verso, siehe nächste Abbildung): Zuschlag bei 1,45 Millionen Euro (Taxe 900.000/1,2 Millionen) am 8. Juni bei Ketterer in München : Bild: ketterer


          Mit nur zwei Auktionswochen im Jahr verzeichnet die Berliner Villa Grisebach 46,5 Millionen Euro Umsatz, obwohl nur drei Werke Top-Ten-Höchstpreise erzielten. Rang 2 gehört Karl Schmidt-Rottluffs „Watt bei Ebbe“ von 1912 mit einem Zuschlag bei 2,3 Millionen Euro. Schmidt-Rottluff hat das Jahr damit im Verein mit der chinesischen Kanne und einem chinesischen Gegenwartskünstler regiert. Auf Rang10 steht seine farbenstarke „Landschaft mit Leuchtturm und Windmühle“ von 1920, die im Mai bei der Villa Grisebach angeboten wurde und mit einem Zuschlag bei 800.000 Euro die Spitzenliste abschließt.

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