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„Die Sixtinische Madonna“ in Dresden : Macht Platz dem großen Raffael!

  • -Aktualisiert am

Altarbild, Kunstikone, Keksdose: In Dresden werden Entstehung und Nachruhm der Sixtinischen Madonna gezeigt. Vor allem aber zeigt man das weltberühmte Bild im neuen Goldrahmen.

          Als die Sixtinische Madonna zum Papstbesuch im letzten Jahr mit der Madonna di Foligno konfrontiert wurde, machte sie keine gute Figur. Die aus dem Vatikan angereiste Raffael-Madonna, fast gleichzeitig gemalt wie die Sixtina, war frisch restauriert und sah in ihrer kunterbunten Farbenpracht aus, als hätte sie gerade eben das Atelier des Malergenies verlassen. Der Sixtina dagegen merkte man plötzlich an, wie gealtert sie war. Was tun? Sollte man auch sie kosmetisch verjüngen und ihre Firnisschichten entfernen? Die Dresdner Restauratoren entschieden sich gegen ein modisches lifting, und ihr Konservatismus verdient Respekt. Restaurierungen ohne Risiko gibt es nicht. Das Beibehalten der alten Firnisschicht bedeutete freilich, das leicht angegraute Aussehen der Sixtina in Kauf zu nehmen. Kunsthändler nennen Grafiken, die so aussehen, „unfrisch“ - etwas unfrisch war nun auch die Sixtina.

          Doch welche Überraschung: Wer jetzt nach Dresden kommt, wo der fünfhundertste Geburtstag von Deutschlands berühmtestem Gemälde mit einer intelligenten Ausstellung gefeiert wird, könnte meinen, die Sixtina sei doch ein bisschen aufgefrischt worden, so strahlend sieht sie plötzlich aus, nicht bunt, aber hell. Doch es wurde nicht restauriert, die Verjüngung kam ganz natürlich zustande, sie verdankt sich dem Geschenk, das man ihr zum fünfhundertsten Geburtstag machte: dem neuen Rahmen samt neuer Verglasung; der letzte Rahmen enthielt auch grünlich-graue Töne, selbst in der Verglasung, heißt es, sei ein grünlicher Ton gewesen.

          Das Modell der über die Wolken schreitenden Sixtinischen Madonna

          Die Ausstellung hat sich viel vorgenommen. Von der Entstehung des Bildes 1512 bis zur Medienkarriere der beiden Putten zu Füßen der Madonna wird nichts ausgelassen. Jedes Kapitel ist mit Leihgaben aus aller Welt hervorragend illustriert. Und nicht nur das. Der neue Rahmen, nach historischen Vorbildern handgeschnitzt und mit Blattgold auf Hochglanz gebracht, gibt dem Bild etwas von seiner religiösen Dimension zurück. Mit seiner Tabernakelform ist er Vorbildern des sechzehnten Jahrhunderts nachempfunden und erinnert daran, dass die Sixtinia ursprünglich ein Altarbild war. Papst Julius II. hatte es der Kirche San Sisto in Piacenza geschenkt, als Anerkennung für den Beitritt der Stadt zum Kirchenstaat.

          Man hat sich im Zwinger wohlweislich gehütet, eine Ausstellungsarchitektur aufzubauen, die den Kirchenraum von San Sisto nachzubilden versucht. Aber der erste Ausstellungsraum ist in einen Mittelgang und zwei schmalere Seitengänge aufgeteilt, was zwar an eine dreischiffige Basilika erinnert, aber nur das, mehr nicht. So wird der Besucher dezent und geschickt von den Vergleichsstücken in den Seitenschiffen, darunter herrlichen Raffael-Zeichnungen, immer wieder zum Hauptereignis gelenkt - der an der Stirnwand im neuen Rahmen strahlenden Madonna.

          Ganz nah bei ihr hängt die sogenannte „Donna Velata“, die Dame mit dem Schleier, aus dem Palazzo Pitti. Es ist eines der besten Raffael-Porträts, wenn nicht das beste überhaupt, und die mit Abstand kostbarste Leihgabe der Schau. Von Leonardo, der die seelische Tiefendimension der Mona Lisa durch die Abgründe der Landschaft hinter ihr angedeutet hatte, übernimmt Raffael diese Symboldramaturgie, geht aber, wie mit einem Zoom, näher an die Figur und lässt vermittels der Faltenstrudel ihres Kleides die Leidenschaftlichkeit der Unbekannten ahnen. Wenn wir hinüberblicken zur Sixtina, kann kein Zweifel sein, dass die Velata auch das Modell der über die Wolken schreitenden Sixtinischen Madonna war. Diese beiden Bilder nebeneinander, das ist das Hauptereignis der Ausstellung und lohnt allein schon die Fahrt nach Dresden.

          Bis zum Schluss Widerstände gegen den Verkauf des Bildes

          Giorgio Vasari hatte in seiner Raffael-Biographie von 1550 für die Sixtina ganze zwei Zeilen übrig, die, wenn auch voll des Lobes, vermuten lassen, dass er das Bild nie gesehen hat. Im Gegensatz zu so vielen anderen Hauptwerken Raffaels gab es auch keine Kupferstich-Reproduktion der Sixtina, und die großen Pilgerwege ebenso wie der Kulturtourismus der Grand Tour machten um das norditalienische Piacenza einen Bogen. So schlief die herrliche Madonna fast zweieinhalb Jahrhunderte einen kunsthistorischen Dornröschenschlaf, bis die Sammelleidenschaft eines deutschen Fürsten sie aufweckte und schließlich weltberühmt machte.

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