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Dresdner Gemäldegalerie : Es werde licht!

So hat man sie noch nie gesehen: Die Dresdner Antikensammlung wird in dem schon von Gottfried Semper für Bildhauerwerke gedachten Saal zur Augenweide. Bild: H.C. Krass/ SKD

Nach sieben Jahren technischer Modernisierung und Restaurierung öffnet die Sempergalerie in Dresden wieder. Das Publikum erwartet eine Schule des Sehens, die Raum bietet, um Kunstgeschichte zu erfahren.

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          „Platz für den großen Raffael!“ Das soll August III. ausgerufen haben, als die von ihm erworbene Sixtinische Madonna 1754 in seiner Residenzstadt Dresden eintraf, um in die kurfürstliche Kunstsammlung integriert zu werden: Der wohlbeleibte König machte sich klein vor dem von ihm langersehnten Ankauf. Hundert Jahre später malte kein Geringerer als Adolph Menzel die emblematische Szene, in der August seinen Thron für das Bild zur Seite räumt. Da war die Sixtina längst zum berühmtesten Bild der Dresdner Galerie geworden, und das ist sie bis heute geblieben – als eines der wenigen Gemälde, die jeder erkennt. Den Platz, den August für sie einforderte, hat sie in den Herzen der ganzen Welt.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Und sie selbst ist denn auch das Herzstück der Bildersammlung in der Sempergalerie, einem eigens für diese von Gottfried Semper konzipierten Bau, der in seinen Raumfolgen stilbildend wurde für die moderne Museumsarchitektur. In ihm wird seit 1854 eine der drei wichtigsten deutschen Altmeistersammlungen (neben München und Berlin) aufbewahrt. Wenn eine solche Kollektion ganz neu gruppiert wird, ist das eine Sensation.

          Fast planmäßige Eröffnung

          Von morgen Abend an kann man diese Sensation besichtigen, denn nach sieben Jahren technischer Modernisierung und Restaurierung öffnet die Sempergalerie wieder: ganz planmäßig, was den Kostenrahmen angeht (fünfzig Millionen Euro) und immerhin fast planmäßig hinsichtlich des Termins. Ursprünglich wurde der Dezember 2019 angepeilt, aber die Schwierigkeiten beim rechtzeitigen Abschluss der Arbeiten an den im benachbarten Schloss rekonstruierten Paraderäumen mögen Warnung gewesen sein. Und sonst hätte auch der Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe vom 25.November die Eröffnung überschattet. Nun hat Dresden morgen endlich wieder Grund zum Feiern.

          Noch mehr aber gilt das für die Besucher, denn ihnen wird fortan wieder etwas geboten, was in Vergessenheit geraten war. Semper hatte seinerzeit viel mehr im Sinn gehabt als ein normales Museum: eine Schule des Sehens, und dazu gehörte auch die Konfrontation des Publikums mit den Meisterwerken der antiken Bildhauerkunst, die für viele Gemälde der Renaissance und des Barocks wichtige Vorlagen abgegeben hatten. Deshalb wurde 1854 im Erdgeschoss des Galeriegebäudes für sie ein eigener, von beiden Seiten lichtdurchfluteter Saal eingerichtet, auf dass die Plastizität der Standbilder durch Sonneneinfall belebt werde. Gefüllt wurde er dann mit der riesigen Gipsabgusssammlung von Anton Raphael Mengs, die der ehemalige Dresdner Oberhofmaler in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts zusammengetragen hatte. Doch diese Nutzung hatte nur bis 1881 Bestand; dann wurden die Gipse ausgeräumt, und die Schausammlung der Rüstkammer zog in den Saal. Fortan war das ehedem so helle Erdgeschoss ein nach außen abgeschotteter Raum.

          Bis jetzt. Denn nach 139 Jahren kehrt morgen die Bildhauerkunst in die Sempergalerie zurück, und zwar dank des Umzugs der Rüstkammer ins Residenzschloss genau an jenen Ort, für den sich Semper seine berückende Lichtregie hatte einfallen lassen. Die man nun im neubenannten „Antikensaal“ wieder genießen kann, denn dessen breite Fensterfronten zu Theatertplatz und Zwinger-Innenhof hin sind gänzlich unverhängt. Das mit dem Tagesverlauf wandernde Sonnenlicht, das am Nachmittag den Saal geradezu flutet, bescheint aber nicht mehr Gipsabgüsse – die werden alsbald, prachtvoll restauriert, im Erdgeschoss des angrenzenden „Deutschen Pavillons“ ausgestellt –, sondern Originale: die überreiche Dresdner Antikensammlung, begründet durch August den Starken in den Jahren 1723 bis 1733, als er die zwei römischen Kollektionen der Adelsfamilien Chigi und Alberti erwarb.

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