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Dresdner Gemäldegalerie : Es werde licht!

Die schönsten Frauen Dresdens

Die bekanntesten Dresdner Antiken aber ergänzte erst sein Sohn, August III., dem die Stadt kunsthistorisch noch mehr verdankt als dem Vater. Er kaufte 1736 die drei sogenannten Herkulanerinnen: drei 1711 in Herculaneum ausgegrabene lebensgroße Frauenskulpturen aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert, deren Eleganz und Bearbeitungssorgfalt ihresgleichen suchen. Winckelmann schmolz vor ihnen dahin. Gemeinsam mit der Sixtinischen Madonna bilden sie das Quartett der schönsten Frauen von Dresden, und nun ist es erstmals auf Dauer im selben Haus vereint. Wobei die Hierarchie zwischen Gottesmutter und römischen Bürgerinnen dadurch gewahrt bleibt, dass die Herkulanerinnen ein Stockwerk tiefer untergebracht sind, dafür aber nunmehr genau unter der Sixtina.

In der Sempergalerie: Die drei sogenannten Herkulanerinnen, 1711 in Herculaneum ausgegrabene lebensgroße Frauenskulpturen aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert.

Das kann man natürlich nicht unmittelbar erkennen, aber auch solche unsichtbaren Bezüge gehören zur Dramaturgie des neuen Rundgangs durch die Sempergalerie, der Schritt auf Tritt das neue Konzept des seit 2016 amtierenden Direktors Stephan Koja deutlich macht. Als er aus Wien nach Dresden kam, war die Sempergalerie bereits seit drei Jahren im Umbau, deshalb zu großen Teilen geschlossen, nur die wichtigsten Gemälde wurden in wechselnden Interimspräsentationen gezeigt. Koja hatte aber vor sich, wovon jeder Museumsdirektor träumt: die Möglichkeit zum komplett neuen Arrangement der Bestände. Die mit der alten Galerie vertrauten Besucher sollten staunen.

Das werden sie, aber nicht, weil hier zwanghaft originell agiert worden wäre, sondern weil Koja die traditionell dichte Hängung beibehielt, dafür aber die Konstellationen veränderte. Die Sixtina etwa wechselte die Seite und zog vom Ende der Saalflucht im rechten Gebäudeflügel an die entsprechende Stelle im linken um. Damit bleibt sie Blickfang für jeden, der die Gemäldesammlung über die Tribuna betritt, den zentralen oktogonalen Kuppelsaal im ersten Obergeschoss. Bis 2013 war dieser Raum eine reine Durchschleusestation, ausgemalt in einer Farbe, die Koja despektierlich als „schweinchenrosa“ bezeichnet. Im Einklang mit historischen Befunden ließ er die Tribuna zurückhaltender streichen und plazierte vier spätbarocke italienische Büsten im antiken Stil zwischen die von hier in alle Richtungen abgehenden Treppen – erstes Zeichen für die jetzt konsequent betriebene Integration der Bildhauerkunst in die Gemäldesammlung. Denn „nur“ 120 Werke aus der Dresdner Skulpturensammlung stehen unten im Antikensaal. Eine ähnlich große Zahl von Werken ist auf die verschiedenen Räume der Gemäldegalerie in den beiden Obergeschossen verteilt – inklusive des neuen Museumscafés „Algarotti“, benannt nach dem italienischen Kunstagenten Augusts III.

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