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Freundschaft mit Max Beckmann : Dann nimm eine Handvoll Sterne

  • -Aktualisiert am

„Vorstadtmorgen“: Beckmanns Blatt 4 zu Lili von Braunbehrens „Stadtnacht“ Bild: Stefan Behrens/Sprengel Museum (1965)/bpk/VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Die Dichterin Lili von Braunbehrens inspirierte Max Beckmann zu sieben Lithographien. Es sind Dokumente einer besonderen Künstlerfreundschaft.

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          Das Städel Museum, zurzeit coronabedingt geschlossen, präsentiert noch bis 29. August seine aktuelle Ausstellung „Städels Beckmann, Beckmanns Städel. Die Jahre in Frankfurt“.

          In diesem Zusammenhang scheint es angezeigt, an eine Frau zu erinnern, die zu seinem engsten Frankfurter Freundeskreis zählte und die ihn mit ihren Versen zu sieben Lithographien inspirierte. Sie starb im Oktober 1982 und wird von Literaturkritikern zu den „Sternen dritter Größe“ gerechnet, jenen Menschen also, die im Schatten berühmter Persönlichkeiten stehen und von denen es viel zu wenig Biographien und Lebensgeschichten gibt.

          „Plötzlich stand ein Mann in Schwarz vor mir“

          Lili von Braunbehrens, als Dichterin, Muse und „Herzensfreundin“ von Max Beckmann heute fast vergessen, war nicht nur ein Stern dritter Größe, sondern ein künstlerischer Fixstern ihrer Zeit. Sie selbst hatte eine Affinität zu Sternen und hat sich in ihren poetischen Werken immer wieder mit ihnen beschäftigt. Ein Gedichtband von ihr trägt den Titel „Hat der Mond dich betrogen, nimm eine Handvoll Sterne“, und ihre berühmte „Stadtnacht“, 1920 im Piper Verlag, München, erschienen, enthält gleich eine ganze Sammlung seltsam beklemmender Großstadt-Mondnacht- und Sternentexte, die von Beckmann illustriert wurden. Jedes der damals gedruckten sechshundert nummerierten Exemplare ist heute eine Rarität und gilt nicht nur wegen der herausragenden grafischen Zyklen Beckmanns als künstlerische Kostbarkeit. Auch in literarischen Kreisen haben die Stücke Seltenheitswert, zeigen sie sich doch in Form und Aussage als ein treffendes Dokument der Lyrik des deutschen Expressionismus als einer der wichtigsten kulturellen Antikriegsbewegungen jener Zeit.

          Lili von Braunbehrens war 21 Jahre alt und fast blind, als sie im Kriegswinter 1915 nach Frankfurt kam und bei einer abendlichen Feier im Ratskeller dem Maler Max Beckmann begegnete. „Plötzlich stand ein Mann in Schwarz vor mir“, notierte sie später einmal, und dieser Mann mit der dunklen, akzentuierten Stimme faszinierte sie sofort. In schwärmerischer Verehrung nannte sie ihn „Meister“, und der Meister ermunterte sie von Anfang an: „Schreiben Sie, Lili, schreiben Sie, und legen Sie jede Woche ein Ei, und bringen Sie es mir.“

          Als Dankeschön und Anreiz schenkte er ihr teures Parfüm, und die junge Frau, die romantische Verse von Farben, Klängen und Licht schrieb, später aber auch aufmüpfige wie experimentelle, und die Gesang studierte, folgte dem Künstler bald als „Suchende“ auf dem Weg zur Wahrheit“ – ein Pfad, von dem die zarte Lili bis zum Lebensende nicht abweichen sollte.

          Unter Mühen auf eine Blindentafel geschrieben

          Der Vater der jungen Künstlerin, Major Fritz von Braunbehrens, war verantwortlich für die Rekrutierung von Wehrpflichtigen und galt in Frankfurt als ein mächtiger und wichtiger Mann. Er war es auch, der sich 1917 maßgeblich für die Entlassung des kranken und psychisch angeschlagenen Sanitätssoldaten Beckmann aus dem Kriegsdienst eingesetzt hatte. Mit seiner Frau Wanda und der Tochter Lili lebte er in der Burnitzstraße 69. Die Familie war gut bekannt mit dem Maler Ugi Battenberg und dessen Frau Fridel, und die wiederum zählten zum engen Freundeskreis von Beckmann, den sie in ihr Haus in der Schweizer Straße 3 aufnahmen und dem sie auch das Atelier im Obergeschoss zur Verfügung stellten, das Max Beckmann bis 1933 beibehalten hat.

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