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Die Bauwerke Sep Rufs : Wir Deutschen bauten ganz anders

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Wer im Glashaus sitzt, braucht Steine nicht zu scheuen: München würdigt die so modernen wie schönen Bauten des Architekten Sep Ruf, der nach 1945 das Gesicht der Stadt bewahrte - und der Republik ein neues gab.

          Nach den Bombennächten des März 1944 ragte in Frankfurt ein romanischer Wohnturm über die Schutthaufen der Altstadt. Er war zum Vorschein gekommen, als Feuer die umstehenden Fachwerkhäuser niedergebrannt hatten. 1948 genügte die Notiz einer Trümmerkommission, durch die Südwand laufe ein armdicker Riss, um das kostbare Denkmal kurzerhand zu sprengen. Heute packt jeden Frankfurter der Neid, wenn er daran denkt, dass im selben Jahr München eine Bausperre über seine zertrümmerte Altstadt verhängte, um Vorgänge wie die Barbarei am Main zu verhindern. Der umsichtige Beschluss bewirkte, dass der kriegsversehrte Renaissanceturm der Münchner „Herzog-Max-Burg“, eines Stadtschlosses der Wittelsbacher, 1952 nicht entsorgt, sondern in eine Neubaugruppe einbezogen wurde.

          Für beides, die neuen Gebäude wie den Turm, war (gemeinsam mit Theo Pabst) der Architekt Sep Ruf zuständig. Manche werden sich noch an den Architekten des 1963 als „armselige Glaskiste“ verhöhnten Bonner Kanzlerbungalows erinnern. Dass er alles andere war als ein radikaler Glaskistenmann, dass er nicht die damals als allein seligmachend geltende Konfrontation von Alt und Neu betrieb, sondern deren Kombination, beweist nun eine Ausstellung des Architekturmuseums der TU München in der Pinakothek der Moderne.

          Wahrhaft modern und bestechend schön

          Es waren die Fanatiker der Moderne, vor allem aber die allerorten mächtigen Allianzen der Mittelmäßigen, die nach 1945 unsere Städte so unsäglich hässlich und bieder wieder aufbauten. Mit dieser Erkenntnis verlässt man die Ruf-Ausstellung, die einen Mann präsentiert, der, jenseits von Fanatismus und Mittelmaß, wahrhaft modern und bestechend schön baute, weil er die Tradition nicht, wie so viele seiner Kollegen, verachtete oder nur im Mund führte, sondern respektierte.

          Rufs Max-Burg beispielsweise wird zwar dominiert von den unverkennbar funktionalistischen Großbauten des Justizministeriums und des Erzbischöflichen Ordinariats – Rasterfassaden, feingliedrige Fensterreihen, überschlanke, rhythmisch geordnete Träger, verkleidet mit Muschelkalk. Doch ordnet sich alles dem Maß und den Proportionen der Renaissance unter, die der freistehend vor den Neubauten restaurierte alte Turm vorgibt. Auch im Inneren, mit einer swingenden Wendeltreppen-Ellipse und einem Lichthof, den grazile Galerien umschließen, ein Konzentrat der Nierentisch-Ära, klingt dennoch das einstige München an. Denn man wird an die Arkadenhöfe der Altstadt erinnert.

          Prinzip der Transparenz

          Diese Neigung, Tradition in der Moderne zu bergen, besaß schon der Debütant. 1931 gestaltete Sep Ruf die Bogenhausener Villa des Schriftstellers Karl Schwend als lupenreinen weißen Bauhauskubus, fügte ihr aber ein rundbogiges Portal ein, wie es jeden bayerischen Barockbau hätte zieren können. Das hat nichts Heimattümelndes, sondern bereichert die Moderne des Bauhauswürfels und unterstreicht seine pathetische Nüchternheit. Vielleicht war es diese Vorliebe für Traditionalismen, die Architektur-Ideologen des Dritten Reichs darüber hinwegsehen ließ, dass Sep Ruf nach 1933 am Prinzip der Transparenz festhielt. Vordergründig der Heimatschutzvariante des NS-Stils verpflichtet, zeigen seine Wohnhäuser jener Jahre statt wuchtiger Mauern und tiefsitzender Kreuzstockfenster durchlaufende Fensterbänder und Wände, die Fensterbahnen zu Gerüststrukturen wandeln. Durchlässigkeit wurde zum zweiten Wesensmerkmal der Bauten Sep Rufs.

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