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Mogul-Ausstellung in Dresden : Die Abendröte im Osten

Die letzte Glanzzeit des alten Indien: Ansicht des Tadsch Mahal in Agra, Elfenbeinmalerei, um 1850 Bild: Kunstgewerbemuseum Dresden

Die Ausstellung „Der andere Großmogul“ im Dresdner Grünen Gewölbe dokumentiert die Veränderung in den Machtverhältnissen zwischen der britischen Kolonialmacht und den letzten Mogulherrschern von Nordindien.

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          Der Großmogul sitzt in seinem samtbezogenen Thronsessel auf einem Marmorpodest, flankiert von vier Kammerherren mit Stäben und Dienern mit Palmwedeln. Er hält das Mundstück einer vergoldeten Wasserpfeife, die hinter ihm steht, und starrt vor sich hin. In seiner Blickrichtung, durch ein Blumengesteck von dem Herrscher Nordindiens getrennt, stehen vier Musiker; zwei tragen Trommeln an Schnüren um den Körper, ein dritter hält eine Sarangi, ein Streichinstrument, das aus einem Holzblock geschnitzt und mit drei Melodie- und mehr als dreißig Resonanzsaiten bespannt ist.

          Der vierte ist ein Tänzer. Er steht scheinbar regungslos, nur der linke Arm ist wie zum Gruß erhoben. Gleich wird er mit dem Kathak beginnen, einem Tanz, der seit dem sechzehnten Jahrhundert am Mogulhof vorgeführt wird und hinduistisch-religiöse mit weltlichen Themen verbindet. Die Szene ist von großer Feierlichkeit, alle Anwesenden tragen knöchellange, seitlich geschlitzte bunte Gewänder über weiten Paijama-Hosen und flache Turbane oder, wie die Diener, runde Messinghelme. Nur der Padischah trägt einen halbhohen roten Prunkturban. Und er ist – man sieht es an seinem grauen Bart – der älteste in der Runde.

          Ein bis heute rätselhafter Nachlass

          Die Szene ist eine Elfenbein-Miniatur, sechzehn mal zwölf Zentimeter groß, und sie gehört zu den Höhepunkten der Ausstellung „Der andere Großmogul“, mit der das Dresdner Kunstgewerbemuseum seine indischen Preziosen im Neuen Grünen Gewölbe des Residenzschlosses präsentiert. Etliche der etwa hundert Exponate stammen aus der Stiftung von Mary Adelaide Yates, der Tochter eines englischen Generalleutnants, der in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in der Armee der halbstaatlichen East India Company diente.

          Die Umstände der Schenkung, die das Königreich Sachsen im Jahr 1900 aus dem Nachlass der Londoner Lehrerin Yates empfing, sind bis heute rätselhaft. Offensichtlich hegte die Mäzenin einen Widerwillen gegen ihr Heimatland; jedenfalls verpflichtete sie den sächsischen Staat testamentarisch, dafür Sorge zu tragen, dass keines der Objekte je wieder nach England zurückkehre.

          Herrscher mit Pfeife: Der Großmogul Muhammad Akbar II. im Kreis seiner Diener

          Oder rächte sie sich auf diese Weise an ihrem Vater? Richard Hassels Yates (1777 bis 1847) war, wie die Dresdner Kabinettausstellung zeigt, nicht nur ein Liebhaber, sondern ein Kenner des indischen Kunsthandwerks, denn er sammelte von allem nur das Beste: Elfenbeinschnitzereien, gemalte Miniaturen, Alabaster-Arbeiten und Aquarelle. Die meisten beschworen eine bessere Vergangenheit, denn zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts war das Mogulreich von Delhi nur noch ein Schatten seiner selbst. Kriege und innere Unruhen hatten seinen einst vorbildlichen Verwaltungs- und Militärapparat zermürbt, und als die Truppen der East India Company Delhi 1803 besetzten, wurden der Mogulherrscher Alam II. und sein Nachfolger Akbar II. zu Marionettenkaisern unter britischer Führung.

          Der Löwe des Punjab und sein Diamant

          Umso intensiver blühte jetzt die Kunst: Ansichten von Grabmälern und Wehrbauten der Großmogule wurden auf Elfenbeinplättchen gemalt, lebensecht geschnitzte Figuren zu höfischen Ensembles arrangiert. Auch auf die Widersacher des Mogulreichs fiel das verklärende Licht der Nostalgie, wie eine zweite herausragende Figurengruppe der Ausstellung belegt.

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