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Kolonialismus-Ausstellung : Grimmige Arier am Kilimandscharo

Holzstatuette eines Offiziers aus Kamerun, um 1900. Bild: Deutsches Historisches Museum

Das Deutsche Historische Museum erzählt die Geschichte der deutschen Kolonien. Die zeitliche Einordnung des Geschehens und seine Verdichtung in historischen Porträts sucht man aber vergebens.

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          In der hinteren rechten Ecke der Ausstellung „Deutscher Kolonialismus - Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin liegt ein Denkmal. Es liegt dort, weil es nicht mehr stehen kann, seit es 1968 von Studenten in einer öffentlichen Aktion demontiert wurde. Zuvor hatte es knapp fünfzig Jahre lang auf einem Platz vor der Hamburger Universität gestanden und davor für kurze Zeit im Imperial War Museum in London.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          An seinem ursprünglich vorgesehenen Aufstellungsort, dem Wissmannplatz in Daressalam, der Hauptstadt der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika, war das durch Spenden finanzierte Denkmal für den Reichskommissar und Kolonialgouverneur Hermann von Wissmann nur zehn Jahre lang, von 1909 bis 1919, zu sehen gewesen. Wissmann war der erste Europäer, der Zentralafrika von West nach Ost durchquerte. Später schlug er einen Aufstand der Küstenbevölkerung gegen die deutsche Verwaltung mit Waffengewalt nieder. In Berlin-Neukölln trägt eine Straße den Namen Wissmanns, deren Umbenennung in jüngster Zeit mehrmals gefordert wurde. Zunächst sollte die Straße nach Julius Nyerere heißen, dem ersten Präsidenten der aus dem deutschen Tanganjika hervorgegangenen Republik Tansania. Inzwischen wird eine Neuköllner Ärztin und Sexualwissenschaftlerin als Namenspatronin bevorzugt.

          Fehlende Einführung

          Der deutsche Kolonialismus ist ein historisches Phänomen von begrenzter Dauer. Er hat eine Vorgeschichte, einen Anfang, eine kurze, etwa dreißigjährige Blütezeit, ein abruptes Ende im Ersten Weltkrieg und einen fast hundertjährigen Epilog als Gegenstand der Erinnerung, Bewältigung und Wiedergutmachung. Dies alles, sollte man meinen, lässt sich in einer Überblicksausstellung im Deutschen Historischen Museum ohne größere Schwierigkeiten zeigen. Am Anfang könnten, beispielsweise, eine Zeittafel und eine kurze Vorstellung der wichtigsten handelnden Personen stehen: auf deutscher Seite etwa die Kolonisatoren Wissmann und Carl Peters sowie der Kriegsheld Paul von Lettow-Vorbeck, auf afrikanischer Samuel Maharero, der Anführer der Herero bei ihrer Rebellion von 1904, Kinjikitile Ngwale, der geistige Vater des Maji-Maji-Aufstands, und Martin Dibobe, ein stadtbekannter Berliner U-Bahn-Zugführer kamerunischer Herkunft und das Symbol einer zeitweise geglückten Integration.

          Damals hing der deutsche Stolz an einem Speer: Reichsflagge aus Deutsch-Ostafrika, um 1888. Bilderstrecke

          In der Präsentation des DHM sucht man beides, die zeitliche Einordnung des Geschehens und seine Verdichtung in historischen Porträts, leider vergebens. Statt dessen muss man bis ans Ende der Ausstellung laufen, um ihr sprechendstes Objekt zu entdecken: Die drei Bronzefragmente des Wissmann-Denkmals zeigen den Geehrten selbst, einen erlegten Löwen und einen Askari, einen Angehörigen der deutschen Schutztruppe, die im Ersten Weltkrieg unter Lettow-Vorbeck gegen die Briten kämpfte. Der Löwe ist das Symbol Afrikas, der Askari das Werkzeug der deutschen Kolonialherrschaft. In der Weimarer Republik, die die Skulpturen aus London zurückforderte, war das Denkmal ein Instrument der Traditionsbildung. In der NS-Zeit wurde es zum Inbild erneuerten Weltmachtstrebens. Die Hansestadt Hamburg barg es aus den Bombentrümmern, reparierte es und überließ es schließlich den Studenten. Auf dem Objekttext im DHM wird diese Geschichte nicht erzählt.

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