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Design : Wenn schon, dann Tchibo

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So konsequent wie Rashid hat noch keiner das landläufige Klischee vom Designer bedient. Beim Zampano des schönen Scheins gerät alles zum Designer-Design - doch inszeniert er nur das gestalterische Nirwana.

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          Eines muß man dem Mann lassen: So konsequent wie er hat noch keiner das landläufige Klischee vom Designer bedient. Von der Biographie - geboren in Kairo, aufgewachsen in Kanada, Studio in New York - über das Outfit - Hornbrille, weißer Anzug, Turnschuhe - bis hin zu seinen Kreationen erfüllt Rashid exakt die populären Vorstellungen vom Designer als leicht abgedrehtem „Maître de plaisir“, als ein sein Publikum mit schicken und schrägen Formen verwöhnender Zampano des schönen Scheins.

          Ob Brillen, ob Möbel oder Mülleimer: selbst die profansten Elemente des Alltags verwandelt der Mann aus New York in Designer-Brillen, Designer-Möbel, Designer-Mülleimer, kurzum: in gefälliges Designer-Design. Und das ist durchaus nicht ironisch gemeint. Denn Rashid schert sich keinen Deut um konstruktive, materiale, konfigurative oder gar funktionale Qualitäten; ihn interessiert ausschließlich das Spektakel der Kurven und Volumen, der Farben und Muster, der Gags und Effekte, sprich: die exponierte Äußerlichkeit.

          Die Größen nicht verstanden

          Vorbild sind ihm dabei, wie er am Ende seiner 2001 erschienenen Selbstdarstellung „I want to change the world“ offenherzig bekennt, die Heroen aus Vergangenheit und Gegenwart, namentlich „Ettore Sottsass, Gaetano Pesce, Jean Baudrillard, Rodolfo Bonetto, Ron Arad, Philippe Starck, Luigi Colani, Joe Colombo, Charles Eames, and so many others ...“ Der Bezug auf diese Größen wäre durchaus ehrenwert, hätte Rashid die von ihm so glühend Verehrten auch nur ansatzweise verstanden. Aber genau das hat er nicht.

          Klar, auch einen Sottsass, Arad oder Starck wird man ebensowenig wie Colombo oder Eames als Verfechter des rechten Winkels bezeichnen können, aber deren expressives Vokabular war Ausdruck eines technologischen (Colombo, Eames, Pesce), eines konventionellen (Arad, Starck) oder theoretischen (Sottsass) Konzepts - und kein selbstreferentielles, allein auf die mediale Wirkung ausgerichtetes Formenspiel.

          Nur eine Plastikhülle

          Wie zum Beispiel das sichtbar von Gaetano Pesces „UP5, Donna“ inspirierte Sitzobjekt „blob“. Während Pesce mit seinem Sessel eine bis dato unbekannte Verarbeitung von Polyurethanschaum einführte - die vakuumverpackte Donna bläht sich erst beim Auspacken, das heißt unter Luftzufuhr, auf ihre zehnfache Größe auf -, entbehrt Rashids gestauchte, in Polypropylen ausgeführte Adaption jeglicher technologischen Raffinesse: eine Plastikhülle, mehr nicht. Nicht minder einfallslos verfährt er mit der Silhouette von Eames' bis heute produzierter „Chaise“ von 1948. Der meint er offenbar mehr „Drive“ geben zu müssen - und beamt sie so mittels Autocad schwungvoll in die Niederungen des Discounter-Designs.

          Unternimmt er tatsächlich einmal den Versuch, eine „nur“ dekorativ gedachte Vorlage funktional aufzuwerten, dann geht das mit Sicherheit zu Lasten eben genau dieser ästhetischen Qualitäten. Mendinis feinen zwei- beziehungsweise dreilagigen Glasbeistelltisch Papilio von 1985 nimmt er kurzerhand auseinander und macht daraus ein stapelbares Beistelltisch-Programm. Platter geht's nimmer.

          Keine Impulse

          Nahezu jedes seiner Objekte - viele seiner Mobilien bezeichnet er euphemistisch als „Projekt“ - läßt sich so auf eine bestimmte Vorlage zurückverfolgen, ohne daß auch nur eine einzige dieser Arbeiten das Vorbild erreichen oder gar übertreffen würde. Mehr noch, mit nahezu jedem Entwurf gelingt es Rashid, die aus diesen Quellen der Inspiration üppig sprudelnden Nährwerte an sich vorbeifließen zu lassen. Nein, von Karim Rashid gehen absolut keine Impulse aus. Weder stilistisch noch in bezug auf die Auseinandersetzung mit unseren sich wandelnden Verhaltensmustern, weder konstruktiv noch in der Verarbeitung „neuer“ Materialien.

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