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Digitalkunst treibt Blüten : Der Osterhase bringt ein Krypto-Ei

  • -Aktualisiert am

Verschmitzt: Damian Hirst hat sich in Sachen Kryptokunst was ausgedacht. Bild: dpa

Was es mit Digitalkunst als „NFT“ auf sich hat, wissen Sammler nicht wirklich. Oder gar nicht. Trotzdem werden irre Summen geboten. Der Künstler Damian Hirst macht sich darauf nun einen Reim.

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          Der Erlöser der Welt, die eine Hand segnend erhoben, mit der anderen ein Bündel Dollarnoten umklammernd? Diese Version des „Salvator Mundi“ nach dem Leonardo zugeschriebenen Gemälde, das als teuerstes je versteigertes auch an Ostern am Golf den Blicken der Öffentlichkeit entzogen bleiben dürfte, hat der Kunsthistoriker Ben Lewis mit dem Computer erschaffen – als NFT. Am Wochenende soll das Token auf der Plattform Opensea versteigert werden.

          So nimmt Lewis die messianisch-kapitalistische Hoffnung aufs Korn, die sich seit dem Rekordverkauf von Beeples „Everydays“-Collage bei Christie’s an kopiergeschützter Digitalkunst in Form von „non-fungible tokens“ entzündet. Das Online-Magazin „Hyperallergic“ berichtet zwar, von tausend befragten Sammlern hätten bisher nur 53 Prozent eine vage Vorstellung von dem, was zu Wahnsinnssummen gegen Kryptowährung in Blockchains verschoben wird, 37 Prozent „nicht die geringste Ahnung“, und zehn Prozent hielten NFTs für eine „Art Luxusyacht“.

          Auf einer solchen, nämlich der des saudischen Kronprinzen Muhammad bin Salman, könnte das Gemälde „Salvator Mundi“ physisch präsent sein, doch körperlose NFTs sind die zurzeit heißeste und umstrittenste Ware auf dem Kunstmarkt, gerade weil viele trashig daherkommen.

          Der Run der „nouveaux crypto-riches“ auf die Tokens, rufen Mahner in der Wüste den elektrisierten Blockchain-Jüngern zu, zeige Parallelen zum Anschwellen der Bitcoin-Blase 2017. Es könne jederzeit knallen. Von Weltuntergangsstimmung aber keine Spur, obgleich NFTs apokalyptische Sorgen nähren: als Klimakiller.

          Allein der genannte Beeple-Verkauf soll so viel CO2 in die Atmosphäre entlassen haben wie dreizehn Haushalte in einem Jahr. Das kann nur Posthumanisten kaltlassen, die vom ewigen irdischen Leben als klimakatastrophenbeständige Cyborgs träumen oder auf dem Mars Auferstehung feiern wollen.

          Damien Hirst, der seit einiger Zeit in frühlingshaften Kirschblütenmotiven schwelgt und diese mit Kryptogeld kaufen lässt, statt sich dem Memento mori wie früher mit seiner sündhaft teuren, von Diamanten bedeckten Schädelskulptur „For the Love of God“ hinzugeben, gehört nicht dazu, will aber mittun beim NFT-Hype – umweltfreundlich.

          In einem neuen digitalen „Ökosystem“ namens Palm, das angeblich 99 Prozent energieeffizienter ist als die Blockchain Ethereum, auf der es basiert, hat er zehntausend NFT-Doppel von Ölbildern auf Papier plaziert, welche real wie Stapel von Banknoten in einem Lager ruhen. So sieht Hirsts neuestes Spiel mit dem Konzept Besitz und der Zuschreibung von Wert aus. Wahre Kirschbäume, analog und gemeinfrei, blühen derweil draußen in der Natur. Das bei einem Spaziergang zu genießen ist unbezahlbar.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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