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Verlegersohn : Kunstsammler Frieder Burda gestorben

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Frieder Burda, geboren am 29. April 1936 in Gengenbach, gestorben am 15. Juli 2019 in Baden-Baden, im Dezember 2016 vor Gerhard Richters Gemälde „Kerze“ im Museum Frieder Burda in Baden-Baden Bild: dpa

Als Sohn des Verlegerehepaares Franz und Aenne Burda schien sein Werdegang lange vorgezeichnet. Seine Lebensaufgabe fand er jedoch in einem anderen Bereich: der Kunst. Am Sonntag ist Frieder Burda gestorben.

          Der Kunstsammler und Mäzen Frieder Burda ist tot. Der Gründer des Museums Frieder Burda in Baden-Baden starb am Sonntag im Alter von 83 Jahren.

          Frieder Burda wurde am 29. April 1936 im badischen Gengenbach als zweiter Sohn des Verlegerehepaares Franz und Aenne Burda geboren. Gemeinsam mit dem älteren Bruder Franz und dem jüngeren Bruder Hubert wuchs er in Offenburg auf. Seine Kindheit und seine Beziehung zu seinen Eltern beschrieb er als eher schwierig.

          Nach der Schulzeit absolvierte Burde eine Drucker- und Verlagslehre und wurde im Konzern seines Vaters kaufmännisch ausgebildet. Nach mehreren Jahren in Frankreich, England und Amerika übernahm Frieder Burda eine Druckerei in Darmstadt, die er zu einer der führenden Akzidenzdruckereien in Europa entwickelte. 1973 wechselte er dann in die Offenburger Zentrale des Burda-Zeitschriftenverlags. Dort war er in den darauf folgenden Jahren in verschiedenen Bereichen des Druck- und Verlagsimperiums tätig und vor allem für Finanzen, Verwaltung und Beteiligungen verantwortlich.

          Eine höchst verlustreiche Idee

          Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1986 erbte Frieder Burda gemeinsam mit seinem Bruder Franz ein umfangreiches Beteiligungsportefeuille, während sein Bruder Hubert den gesamten Druck- und Verlagsbereich übernahm. Zu den Beteiligungen gehörten auch 26 Prozent Anteile an der Axel-Springer-Verlag AG, die die zwei Brüder zwei Jahre später gegen den Widerstand ihres jüngeren Bruders für rund 500 Millionen DM an die Springer-Erben zurückgaben. Diese Transaktion und ein daraus resultierender Rechtsstreit unter den Brüdern sorgte bundesweit für Schlagzeilen.

          Trotz der guten finanziellen Ausgangslage und seiner Kenntnisse in Finanz- und Organisationsfragen war den unternehmerischen Tätigkeiten von Frieder Burda und seinem Bruder Franz nicht immer Erfolg beschieden. So war die Investition in die Fluglinie German Wings 1988 ein Flop, da das Unternehmen bereits nach kurzer Zeit Konkurs anmelden musste. Die nach dem Tod des Vaters übernommenen Beteiligungen an dem Papierproduzenten MD Papier GmbH in Dachau und dem Zellstoffhersteller Technocell entwickelten sich unterschiedlich: MD Papier wurde durch eine Reihe von Investitionen ein erfolgreiches Unternehmen, das während der Fusionswelle im Papiersektor 1995 nach Finnland verkauft wurde. Technocell ging 1993 in Konkurs. Die Idee der Burda-Brüder, in zukunftsträchtige, teils umweltfreundlichere neue Technologien zu investieren, erwies sich als höchst verlustreich.

          In Abgrenzung zur Sammlung des Vaters

          Weit mehr Erfolg hatten die Brüder Burda mit ihren Pressegroßvertrieben und Speditionen. Beispielsweise verkauften sie 2004 zu einem nicht genannten Preis den österreichischen Pressegroßvertrieb in Salzburg an den Konsumgüterhandelskonzern Valora.

          Seine Lebensaufgabe fand Burda in einem anderen Bereich: der Kunst. Mit Anfang 30 kaufte er 1968 ein Bild des zeitgenössischen Malers Lucio Fontana – eine rote Leinwand mit drei Schlitzen – für etwa 3.500 DM und legte damit den Grundstein für eine hochkarätige Kunstsammlung. Auf diese Weise setzte er einerseits eine Tradition seines Vaters fort, der Werke von bedeutenden expressionistischen Malern gesammelt hatte, andererseits versuchte Frieder Burda sich durch die Hinwendung zur zeitgenössischen Malerei von seinem Vater abzugrenzen. Seit Mitte der achtziger Jahre sammelte er dann intensiv und systematisch die Werke von Gerhard Richter und Sigmar Polke.

          Die Faszination der Farbe

          Gerade im Blick auf diese Künstler gilt die Sammlung Frieder Burda international als eine der bedeutendsten und qualitätsvollsten Privatsammlungen, die im Jahr 2015 rund tausend Werke moderner und zeitgenössischer Kunst (Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier) umfasste. Zu Beginn seiner Sammlerleidenschaft in den siebziger Jahren entschied sich Burda oft spontan und impulsiv für ein Werk, später wuchs die Sammlung systematisch und organisch. Zu der Sammlung gehören umfangreiche Werkkomplexe von bedeutenden deutschen Expressionisten, wie etwa Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Wilhelm Lehmbruck und August Macke, ebenso wie acht Stücke aus dem Spätwerk Picassos, das lange Zeit umstritten war, seit einigen Jahren aber als letzter Höhepunkt im Werk Picassos weltweit hoch geschätzt wird.

          Einen weiteren Schwerpunkt der Sammlung bildet der amerikanische abstrakte Expressionismus mit Werken von Jackson Pollock, Willem De Kooning und Mark Rothko. Intensiv gesammelt hat Burda auch die Kunst der zweiten Nachkriegsgeneration. So sind etwa Burdas Altersgenossen Georg Baselitz und Arnulf Rainer ebenfalls stark vertreten. Zu vielen Künstlern, die er sammelt, unterhält Burda teilweise enge Freundschaften. Bestimmendes Merkmal der Sammlung Burdas, darin sind sich die Kritiker einig, ist die Faszination der Farbe sowie die nahezu ausschließliche Konzentration auf Malerei.

          Ein Museum für zwanzig Millionen Euro

          Um diese Sammlung zu erhalten – Burda hat keine eigenen Nachkommen – und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, errichtete der Multimillionär in Baden-Baden auf eigene Kosten ein Museum, das zwar mit der Staatlichen Kunsthalle des Landes Baden-Württemberg über eine gläserne Brücke verbunden ist, aber vollständig von seiner 1998 gegründeten Frieder-Burda-Stiftung betrieben und auch im laufenden Unterhalt finanziert wird – ein in Deutschland bis dahin einmaliges Finanzierungsmodell. Das Land Baden-Württemberg hatte Burda das Grundstück in Erbpacht zur Verfügung gestellt. Mit dem Bau beauftragte Burda den New Yorker Stararchitekt Richard Meier, der das 20-Millionen-Euro-Projekt umsetzte. Das im Oktober 2004 eröffnete Museum mit etwa tausend Quadratmetern Ausstellungsfläche zog bereits in den ersten zweieinhalb Jahren über eine halbe Million Besucher an, seine Architektur mit einer weißen Fassade aus pulverbeschichteten Aluminiumplatten wurde mehrfach ausgezeichnet.

          Am Sonntag ist Frieder Burda im Kreise seiner Familie in Baden-Baden gestorben, wie eine Sprecherin des Museums mitteilte.

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