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Zum Tod von Peter Lindbergh : Lass die Frauen mal machen

Aufgewachsen in Düsseldorf, Karriere gemacht in Paris: Der Fotograf Peter Lindbergh erfand mit seinen charakterstarken schwarz-weiß-Aufnahmen die „Supermodels“ der neunziger Jahre.

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          Die Kunstgeschichte ist voller Frauendarstellungen, all die halbnackten Odalisken, und schön sind sie alle, wie sie dasitzen und sich dem männlichen Blick anvertrauen, der sorgfältig jedes Faltenwurfdetail ausmalt. Die Modefotografie besteht überhaupt aus nichts anderem als perfekten Körpern in eleganten Roben, und muss sich dafür oft genug belächeln lassen, die reine Oberfläche abzubilden. So sah das bis Mitte der achtziger Jahre schließlich auch aus: Gesichter im Studio, viel Kajal und viel Haarspray, im Mittelpunkt die Kleider, garniert mit schwerem Schmuck.

          Aber dann begann Ende der achtziger Jahre doch etwas Neues in Sachen textilwirtschaftlicher Frauenabbildung, und im Januar 1990 bekam das Phänomen auch seinen Namen. Auf dem Cover der britischen „Vogue“ waren fünf Frauen zu sehen, junge und schöne, aber durchaus individuelle Gesichter in schwarz-weiß. Ihre Kleidung ist schlicht, sie tragen Baumwolloberteile zu Jeans, das Make-up ist einfach, Tatjana Patitz steht gar eine ungeordnete Haarsträhne zu Berge. Diese fünf waren zu diesem Zeitpunkt die teuersten Models der Welt, und nach diesem legendären, teuren, modisch nachlässigem Vogue-Cover nannte man Naomi, Christy, Cindy, Linda und Tatjana nur noch die „Supermodels“. Für weniger als zehntausend Dollar, so ist von Linda Evangelista überliefert, steht keine von ihnen überhaupt nur auf.

          Natürlich geht es um die fünf schönen Frauen, aber einen mindestens so großen Anteil an der Furore, die die Supermodels in den neunziger Jahren machen sollten, hatte ihr Fotograf Peter Lindbergh. 1944 im deutsch besetzten Polen als Peter Brodbeck geboren, wuchs er im Nachkriegs-Duisburg auf, damals noch eine von Kohlebergbau und Industrie geprägte Stadt. Ursprünglich hatte er Malerei studiert, Van Gogh und die Neue Sachlichkeit waren seine Vorbilder, später interessierte ihn eher die Konzeptkunst. Der frühe deutsche Film beeindruckte ihn, „Metropolis“, „Der Blaue Engel“, später die italienischen Neorealisten.

          Retuschierte Schönheit interessierte ihn nicht

          Anfang der siebziger Jahre zog er nach Düsseldorf und begann als Fotograf zu arbeiten. Der Gestalter Willy Fleckhaus wurde auf ihn aufmerksam, es folgten erste Arbeiten für den „Stern“. Nun war er seit einigen Jahren gut im Geschäft, vor allem, seit er im Jahr 1978 nach Paris gezogen war und für „Vogue“ und den „Rolling Stone“ fotografierte. Dabei orientierte er sich an frühen Reportagefotografen wie Henri Cartier-Bresson, Dorothea Lange oder Walker Evans. Das Unperfekte interessierte ihn mehr als retuschierte Schönheit.

          „Ich will Sommersprossen sehen!“ soll Meghan Markle als Gastchefredakteurin zu Peter Lindbergh gesagt haben.

          In den achtziger Jahren entwickelte er den Stil, mit dem er bis heute assoziiert wird: Schwarz-weiß, gerne etwas körnig und alles in allem sehr lässig. Viel zu nachlässig, wurde ihm zunächst beschieden, und Kleider könne man so auch nicht verkaufen. Die amerikanische „Vogue“, noch ganz dem farbintensiven Glamour verschrieben, lehnte seine Fotos zuerst ab. Im Jahr 1988 hatte er in ihrem Auftrag mehrere Models, darunter auch die späteren Supermodels Linda Evangelista, Christy Turlington und Tatjana Patitz, in weiße Hemden gesteckt und ließ sie am Strand von Santa Monica herumalbern. Die Redaktion war ratlos und legte das Ergebnis dieses Shootings zunächst in einer Schublade.

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