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Spektakulärer Kunstfund : Bislang unbekannte Meisterwerke von Dix und Chagall entdeckt

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Muss die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts neu geschrieben werden? Nach dem sensationellen Fund einer Gemäldesammlung in München sind neue Forschungen zu führenden Künstlern möglich. Die Ermittler haben sich jetzt erstmals öffentlich zu dem Fall geäußert.

          Der spektakuläre Kunstfund in München umfasste nicht nur Werke der klassischen Moderne, sondern auch deutlich ältere Bilder. Das älteste Werk stamme aus dem 16. Jahrhundert, sagte die Berliner Kunsthistorikerin Meike Hoffmann bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Augsburg. Auch Bilder des 19. Jahrhunderts seien dabei gewesen. Es gehe nicht nur um NS-Raubkunst.

          Unter den gefundenen Bildern befinden sich auch bislang unbekannte Meisterwerke. Es sei ein Selbstporträt von Otto Dix gefunden worden, das bisher völlig unbekannt sei. Auch ein bisher unbekanntes Werk von Marc Chagall war entdeckt worden. Kunsthistorikerin Hoffmann sagte, das Chagall-Bild sei von einem „ganz besonders hohen kunsthistorischen Wert“. Es handle sich um eine allegorische Szene, deren Herkunft noch nicht eindeutig bestimmt sei. Das Bild datiere wohl auf Mitte der 1920er Jahre.

          Fund im Februar 2012

          Anders als ursprünglich vom „Focus“ berichtet fand die Durchsuchung in der Wohnung des 79-jährigen Cornelius Gurlitt allerdings nicht im Frühjahr 2011, sondern vom 28. Februar bis 2. März 2012 statt. Die Ermittler gehen auch deshalb davon aus, dass Gurlitt über keine weiteren Lager von Bildern verfügt. Dies war spekuliert worden, weil er im Herbst 2011 noch ein Bild, den „Löwenbändiger“ von Max Beckmann, verkauft hatte. Das Bild stammte nach Angaben des Zolls aber wohl aus der Schwabinger Wohnung.

          Die Ermittler waren bei ihrer Durchsuchung im Jahr 2012 in einem Raum auf die Bilder gestoßen. „Die Gemälde waren in diesem Raum fachgerecht gelagert und in einem sehr guten Zustand“, sagte Klöble. Hoffmann ergänzte, die Bilder seien zum Teil verschmutzt gewesen, aber nicht beschädigt. Nach Angaben des Augsburger Oberstaatsanwalts Reinhard Nemetz beschlagnahmten die Behörden 1285 ungerahmte und 121 gerahmte Bilder. Darunter Werke von Picasso, Chagall, Marc, Nolde, Spitzweg, Renoir, Macke, Courbet, Beckmann, Matisse, Liebermann, Dix, Kokoschka, Schmidt-Rottluff, Toulouse-Lautrec und Kirchner.

          Kein zweites Lager

          Anders als spekuliert worden war, gehen die Ermittler nicht davon aus, dass Gurlitt noch ein zweites Lager hatte. Das Gemälde „Löwenbändiger“ von Max Beckmann sei vor der Durchsuchung versteigert worden. Die Gemälde seien derzeit nicht in einem Depot in Garching bei München gelagert, sondern anderswo untergebracht. Der Ort wird geheim gehalten.

          Auf die Spur der Bilder kamen die Ermittler nach einer Personenkontrolle am 22. September 2010 in einem Schnellzug von Zürich nach München. Dabei ergab sich der Anfangsverdacht einer Steuerstraftat. Ermittelt wird auch wegen möglicher Unterschlagung.

          Die Werke seien „von ganz außerordentlicher Qualität“, sagte Hoffmann. Die Bilder entdeckt zu haben, sei „natürlich ein unheimliches Glücksgefühl“. Die Einzelforschung zu den einzelnen Künstlern werde davon sehr profitieren.

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