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Schwabinger Kunstfund : Gurlitts Anwälte gründen eigene Website

  • Aktualisiert am

Die Anwälte von Cornelius Gurlitt reagieren mit einer eigenen Website auf den orkanartigen Ansturm an Anfragen. Sie wirbt um Vertrauen und eine Versachlichung der Debatte um den Schwabinger Kunstfund.

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          Es war der nächste folgerichtige Schritt: Für Cornelius Gurlitt wurde eine Website eingerichtet (www.gurlitt.info). Verantwortlich für den Inhalt ist die Münchner Kommunikationsberatung Holzinger Associates GmbH. Diese hatte Ende Januar die Vertretung von Gurlitts öffentlich-medialen Interessen übernommen, in Abstimmung mit seinem gerichtlich bestellten Betreuer und seinem Anwaltsteam. Es war die Reaktion auf den orkanartigen Ansturm, der Gurlitts Anwälte überrollte, nachdem diese im Dezember mit dessen Vertretung beauftragt worden waren. Der Wind hat seitdem kaum aufgehört zu blasen, die Hoffnung scheint nun, eine Website könne Abhilfe schaffen.

          Was erfährt man dort? Wer auf die Seite geht, blickt in die haselnussbraunen Augen eines älteren freundlichen Herren mit Schlips und Anzug. Der Herr ist allerdings weder einer der Anwälte noch Cornelius Gurlitt selbst. Offenkundig handelt es sich um einen Platzhalter, der aus einer der Bilddatenbanken gezogen worden sein könnte, mit deren Beständen sonst Anzeigen für Banken oder Versicherungen bespielt werden. Der graumelierte Herr wirbt auch im Fall Gurlitt um ein hohes Gut: Vertrauen.

          Eine große Vertrauenskrise

          Ein Brief in Schreibmaschinenschrift darunter ist mit dem Namen von Cornelius Gurlitt gezeichnet. Dort heißt es: „Manches von dem, was über meine Sammlung und mich berichtet wurde, stimmt nicht oder stimmt so nicht. Deshalb wollen meine Anwälte, mein Betreuer und ich hier einige Informationen bereitstellen um die Diskussion um meine Sammlung und um meine Person zu versachlichen.“

          Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Verdacht, in Gurlitts Sammlung befänden sich große Bestände von Raubkunst. Diesem möchte man offensichtlich entgegentreten: „Sehr, sehr wenige Verdachtsfälle“ lautet die Auskunft, sechs private Anspruchssteller hätten sich „bis dato mit Ansprüchen gemeldet“. Genannt werden „das Werk von Matisse (Femme assise), Liebermann (Zwei Reiter am Strand) und die Sammlung Dr. Glaser aus Dresden“. Man führe, heißt es weiter, erste Sondierungsgespräche.

          Was der nächste juristische Schritt sein wird, ist weiterhin offen. Ob und wann es ein Gerichtsverfahren gebe, darüber könne und wolle man nicht spekulieren. „Seien Sie versichert, dass das Anwaltsteam intensiv daran arbeitet, dass es nicht zu einem Gerichtsverfahren kommt, gleich ob Zivil- oder Strafrecht.“

          Die Website ist zweisprachig. Der Fall Gurlitt wird international mit viel Aufmerksamkeit verfolgt. Über den graumelierten Herren, der wie eine lustige moderne Allegorie des Vertrauens über der Seite schwebt, kann man natürlich lachen. Er verkörpert allerdings ein Anliegen, das alle Parteien angeht. In einer Vertrauenskrise stecken nämlich seit November vergangenen Jahres die Justiz, die Staatsanwaltschaft, der Kunstmarkt, die Museen und die Erben der im Nationalsozialismus aktiven Generation. Wie gebannt wartet die Weltöffentlichkeit daher auf eine Person oder Institution, die dieses Vertrauen wiederherstellt.

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