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Schwabinger Kunstfund : Ein Dementi, weitere Meldungen, nüchterne Schätzungen

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Cornelius Gurlitt soll in der nächsten Woche 311 Werke zurückbekommen? Die Augsburger Staatsanwaltschaft dementiert - und meldet weitere Arbeiten bei der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste. Unterdessen diskutieren Kunsthändler den wahren Wert der Sammlung.

          Die jüngste Information, dass im Fall des Münchner Kunstfunds in der nächsten Woche an Cornelius Gurlitt 311 Werke zurückgegeben werden sollen, wird von der Augsburger Staatsanwaltschaft dementiert. Wie ihr Pressesprecher Matthias Nickolai auf Anfrage der F.A.Z. mitteilt, gebe es „Werke, die zweifelsfrei im Eigentum von Gurlitt“ stehen, darunter naturgemäß die nach 1945 entstandenen. Die Anzahl kann er nicht bestätigen, lediglich die Absicht der Rückgabe zu einem noch nicht bekannten Zeitpunkt.

          Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Augsburg am Donnerstagabend weitere Werke aus der Sammlung wegen eines möglichen Nazi-Raubkunst-Hintergrunds bei der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg gemeldet. Hierbei handelt es sich, wie die Taskforce mitteilt, „zunächst um zahlreiche Graphiken der Künstler Edvard Munch, Max Liebermann und Henri de Toulouse-Lautrec“. Hinweise auf Arbeiten dieser Künstler fänden sich in den Unterlagen des Kunsthändlers Hildebrandt Gurlitt, die unter anderem Geschäftsbücher aus den Jahren 1937 bis 1945 umfassen. Ob die dort erwähnten mit den nun aufgefundenen Werken übereinstimmen und ob es sich um NS-verfolgungsbedingt entzogene Kunst handelt, werde nun im Rahmen der Provenienzrecherche zu klären sein. Abbildungen der von der Meldung umfassten Werke werden mit dazugehöriger Dokumentation in der Internetdatenbank lostart.de veröffentlicht. Bislang waren dort 590 Bilder der Sammlung gemeldet.

          Eine Null zu viel

          Auch auf der Cologne Fine Art, die bis zum Sonntag in Köln stattfindet, ist der Fall Gurlitt ein großes Thema. Mehrere Kunsthändler halten die Schlagzeile des „Focus“, die Sammlung habe einen Wert von einer Milliarde Euro, für maßlos übertrieben. „Nach dem, was bisher bruchstückhaft zu sehen war, muss man vielleicht eine Null wegnehmen“, sagte der Düsseldorfer Händler Hans Paffrath der F.A.Z., „das trifft es wahrscheinlich eher.“ Sein Zürcher Kollege Laszlo von Vertes geht, „bei aller Vorsicht“, von „allenfalls fünfzig Millionen Euro“ aus. Das Gemälde von Matisse sieht er als Spitzenwert, das Selbstporträt von Dix taxiert er auf „500.000 bis 750.000 Euro“, den Liebermann auf „150.000 Euro“, aber sonst sei „kaum ein Bild dabei, das in eine Part-One-Auktion aufgenommen würde“.

          Markus Eisenbeis vom Kölner Auktionshaus Van Ham macht folgende Rechnung auf: „Wenn ich eine Milliarde durch 1406 teile, komme ich auf etwas mehr als 700.000 Euro. Demnach müssten das alles kapitale Gemälde sein. Ich schätze den Gesamtwert auf nicht mehr als fünfzig Millionen Euro, denn Inkunabeln der Künstler scheinen keine dabei zu sein.“

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