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NS-Raubkunst : Cornelius Gurlitt will erstes Bild zurückgeben

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Vor mehr als zwei Jahren wurde in der Wohnung von Cornelius Gurlitt ein riesiger Kunstschatz entdeckt. Nun hat sich der 81-Jährige offenbar entschieden, Werke aus jüdischem Besitz zurückzugeben - als erstes ein Bild von Henri Matisse. Seine Sammlung ist noch größer als bislang bekannt.

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          Nach langem Zögern plant der Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt die Rückgabe eines ersten Bildes aus jüdischem Besitz. Nach Informationen der F.A.Z. hat Gurlitt die in Salzburg gelagerten Bilder aus seiner Sammlung an einen unbekannten Ort bringen lassen, um sie von einer unabhängigen Provenienzforscherin überprüfen zu lassen - auch darauf hin, ob Werke der NS-Raubkunst darunter sind.

          In mindestens einem Fall ist diese Untersuchung dem Vernehmen nach bereits abgeschlossen: Ein Frauenbildnis von Henri Matisse - offenbar das Porträt „Sitzende Frau“ - soll in Kürze an die Erben des jüdischen Kunsthändlers Paul Rosenberg restituiert werden. Aus dessen Banktresor war es während der deutschen Besetzung Frankreichs gestohlen worden.

          Nach Angaben von Gurlitts gerichtlich bestelltem Betreuer Christoph Edel sollen weitere Bilder folgen. „Herr Gurlitt hat uns freie Hand gegeben, Bilder, die aus jüdischem Besitz entzogen wurden, den Besitzern, beziehungsweise deren Nachfahren, zurückzugeben“, sagte der Anwalt dem Norddeutschen Rundfunk. Sollte es entsprechende Belege geben, sei für Gurlitt „klar, dass er das Bild nicht mehr behalten möchte“.

          Wie inzwischen bekannt wurde, ist die Sammlung des in München lebenden Gurlitt noch einmal größer als bislang bekannt. In seinem Haus im Salzburger Stadtteil Aigen wurden weitere Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Plastiken gefunden - darunter Arbeiten von Paul Cézanne, Edvard Munch, Pablo Picasso und Auguste Rodin. Bereits Anfang Februar waren in Salzburg rund sechzig bis dahin unbekannte Gemälde gefunden worden, darunter Werke von Pierre-Auguste Renoir, Édouard Manet, Paul Gauguin und Claude Monet. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, handelt es sich in Salzburg nun um insgesamt 238 Kunstgegenstände. Die zusätzlichen Kunstwerke seien in einem zuvor nicht zugänglichen Teil des Gebäudes entdeckt worden.

          Cornelius Gurlitt und seine Anwälte betrachteten alle Salzburger Bilder zunächst als Privateigentum des Einundachtzigjährigen. Bislang wurden sie deshalb nicht der sogenannten „Taskforce“ zugänglich gemacht, die im Auftrag der Staatsanwaltschaft Augsburg auf umstrittener Rechtsgrundlage jene rund 1400 Kunstwerke untersucht, die in Gurlitts Münchner Wohnung beschlagnahmt worden waren. Gegen die Beschlagnahme und die Veröffentlichung seines Besitzes im Internet hat Cornelius Gurlitt Beschwerde eingelegt, über die noch nicht entschieden ist.

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