https://www.faz.net/-gsa-7jmt3
 

Münchner Kunstfund : Klagen müssen nicht erfolglos sein

  • -Aktualisiert am

Die juristische Debatte um die Gurlitt-Werke hält weiter an. Die Rückgabe von NS-Raubkunst scheint nicht aussichtslos. Dafür muss die Erwerbsgeschichte jedes Kunstwerks erforscht werden.

          1 Min.

          Die Debatte um den Fall Gurlitt hält an. Mehrere auf Kunst- und Restitutionsrecht spezialisierte Juristen bezweifeln, dass die Rückgabe möglicher NS-Raubkunstbilder aus dem Münchner Kunstfund an Nachkommen früherer Besitzer aussichtslos sei. So erklärte die Berliner Rechtsanwältin Katharina Garbers-von Boehm, die juristische Einschätzung hänge von der Erwerbsgeschichte ab. Es müsse im Einzelfall geprüft werden, ob ein Bild Eigentum des Museums war, dem es entzogen wurde, und auf welcher Rechtsgrundlage es beschlagnahmt worden ist. Wenn das Werk auf der Grundlage des Einziehungsgesetzes von 1938 beschlagnahmt wurde, bestehe kaum Hoffnung, das Werk zurückzuerlangen.

          Bei der „entarteten Kunst“ habe der NS-Staat letztlich sein eigenes Eigentum beschlagnahmt und entwertet. Anders sei es jedoch, wenn ein Kunstwerk als Leihgabe in einem Museum war und dann beschlagnahmt wurde. „Aus der Sicht möglicher Anspruchsteller ist es nun umso dringlicher, dass die Erwerbsgeschichte Werk für Werk erforscht werden kann. Die Äußerungen Gurlitts im ,Spiegel‘ zeigen, dass der Fall sich zuspitzen und es tatsächlich zu rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen möglichen Anspruchstellern und Gurlitt kommen könnte. Solche Auseinandersetzungen können extrem kleinteilig und langwierig sein. Und am Ende ist der Ausgang ungewiss, da das Risiko der Verjährung mitschwingt“, erklärte Garbers-von Boehm gegenüber dieser Zeitung.

          Was hat Gurlitt gewusst?

          Die Kunstrechtsexpertin Friedrike Gräfin von Brühl weist ebenfalls im Gespräch mit dieser Zeitung darauf hin, dass „die heutige Eigentumslage dieser Werke vor allem davon abhängt, ob Hildebrand Gurlitt in den dreißiger und vierziger Jahren Eigentümer geworden ist. Bei den Werken, die damals als ‚entartet‘ konfisziert wurden, gelten die Beschlagnahmeverfügungen der Nazizeit als rechtswirksam. Bei Raubkunst dagegen, die damals rassisch Verfolgten abgepresst oder bei ihnen beschlagnahmt wurde, ist häufig kein wirksamer Eigentumserwerb erfolgt.“

          Das Hauptrisiko für Nachfahren der Eigentümer liege darin, dass in all den Jahren entweder eine Verjährung der Ansprüche oder eine gutgläubige Ersitzung stattgefunden haben könnte. Eine Ersitzung greife aber nur dann, wenn jemand langjährig gutgläubig davon ausgegangen sei, Eigentümer zu sein. Ob das bei Gurlitt der Fall gewesen sei, so Brühl, sei aber noch offen.

          Weitere Themen

          Auf Leben und Tod

          „Ruhe! Hier stirbt Lothar“ : Auf Leben und Tod

          Filme wie „Ruhe! Hier stirbt Lothar“ sieht man sonst nicht im Fernsehen. Die tragikomische Geschichte des todkranken Fliesenhändlers dürfte auch Theaterfreunde erfreuen.

          Topmeldungen

          EU-Kommissarin Stella Kyriakides am Mittwoch in Brüssel

          Produktionsprobleme : Impfstreit zwischen der EU und Astra-Zeneca eskaliert

          Hat das britische Unternehmen der EU feste Lieferzusagen gemacht? Der Chef streitet dies ab. Am Mittwochabend soll es nun ein Krisengespräch geben. Zuvor appelliert Kommissarin Kyriakides an das Unternehmen: „Wir verlieren jeden Tag Menschen.“
          Corona-Impfung: Viele Deutsche haben Zweifel, dass die Krise dadurch schnell überwunden wird.

          Allensbach-Umfrage : Viele Deutsche zweifeln an der Impfstrategie

          Die Impfbereitschaft in der Bevölkerung ist gewachsen, aber das Vertrauen in die schnelle Verteilung des Impfstoffs ist gering. Und der Rückhalt für den politischen Kurs in der Pandemie schwindet.
          Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, sieht am Mittwoch im Bundestag zu, wie Rabbiner Shaul Nekrich die historische Sulzbacher Torarolle von 1792 fertigstellt, die 2013 wiederentdeckt und gerade restauriert wurde.

          Holocaust-Gedenktag : Die fehlenden Worte

          In einer Gedenkstunde schildert Charlotte Knobloch das Leid im Nationalsozialismus. Der AfD macht sie eine klare Ansage. Nicht alle aus der Partei applaudieren nach ihrer Rede.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.