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Münchener Bilderfund : Der Star ist die Kunsthistorikerin

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Wie man als Kunsthistorikerin mit einem Mal mitten in der Öffentlichkeit steht: Der Fall Gurlitt macht Meike Hoffmann schlagartig bekannt.

           In knapp zwei Tagen ist sie zur berühmtesten Kunsthistorikerin der Republik aufgestiegen: Als Meike Hoffmann am Dienstagmorgen bei der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im überfüllten Sitzungssaal des Augsburger Strafjustizzentrums das Wort ergriff, richteten sich mehr als zwanzig Kameras auf sie. „Licht an!“, protestierten sofort die Kamerateams, als der Raum verdunkelt wurde, um mit einem Beamer Kunstwerke zu projizieren, die aus dem Münchner Kunstfund stammen.

          Die knallhell ausgeleuchteten Bilder, die daraufhin auf der Wand erschienen, glichen dann auch eher Geistern als kunsthistorischen Reproduktionen. Ein Universitätsvortrag sieht anders aus. Anders lauten auch üblicherweise die Fragen, die in kunsthistorischen Seminaren gestellt werden. In Augsburg ging es um das, was in der universitären Kunstgeschichte selten vorkommt: Wie viel kosten die Gemälde? Ist eine Milliarde Euro ein realistischer Marktwert für den Münchner Fund? Wann werden die Gemälde restituiert?

          Gut verwahrte Bilder

          Mehr als eineinhalb Stunden wurde Meike Hoffmann mit Fragen bestürmt. Als Sachverständige steht sie im Zentrum eines möglichen Kriminalfalls und damit im Scheinwerferlicht der Medien. Sie schlug sich mit Bravour. Der entscheidende Satz fiel gleich zu Beginn: „Die Werke“, versicherte Hoffmann, „wurden sachgerecht gelagert.“ Kein Matisse zwischen Müllbergen also, eine Feststellung, die aus dem fast ins Monströse aufgeblähten Fall einige Luft abließ.

          Zu dem allgemeinen Zustand der Wohnung, die nach Berichten des „Focus“ „zugestellt mit Bergen längst verrotteter Lebensmittel in Konserven und Kartonagen“ war, wollten weder Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz noch Zollfahndungsleiter Siegfried Klöble Stellung nehmen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft jedoch trafen die Ermittler bei der Räumung, was die Kunstwerke anbetrifft, nicht das Verlies eines verwahrlosten Messis an.

          Bilder in Zahlen

          Zahlen wurden auch genannt: 121 gerahmte und 1285 ungerahmte Bilder wurden sichergestellt, Arbeiten in Öl, Tusche, Bleistift, Aquarell, außerdem Lithographien und weitere Drucke. Zu den Künstlern, deren Nahmen bekanntgegeben wurden, zählen Max Liebermann, Max Beckmann, Otto Dix, Oskar Kokoschka, Henri de Toulouse-Lautrec, August Macke, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Pablo Picasso, Carl Spitzweg, Albrecht Dürer, Marc Chagall, Pierre-Auguste Renoir, Karl Schmidt-Rottluff, Christian Rohlfs und Karl Hofer.

          Was ist nun also Dichtung, was ist Wahrheit? Bestätigt hat sich nun, dass es sich tatsächlich um einen der größten Kunstfunde in der Geschichte der Bundesrepublik handelt. Hoffmann sprach von dem „Glücksgefühl“, das sich bei ihr einstellte, als sie plötzlich Werke vor sich sah, die als vermisst, verschollen oder zerstört galten. Bestätigt wurde also auch, dass sich in dem Münchner Konvolut Bilder befinden, die zu den mehr als 21000 Werken gehören, die 1937 im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ aus deutschem Museumsbesitz von den Nationalsozialisten beschlagnahmt worden waren. Zu den Entdeckungen zählt Franz Marcs Gouache „Landschaft mit Pferden“, die aus dem städtischen Museum für Kunst und Gewerbe in Halle stammt. Das ist der erfreuliche Teil: Verschollene Werke sind wieder aufgetaucht; wie hoch ihr Anteil an den etwa 1400 Bildern liegt, ist bisher allerdings unbekannt.

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