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Zum Tod des Fotografen Robert Lebeck : Alles kann interessant werden

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Robert Lebeck war einer der großen Fotoreporter Deutschlands. Jetzt ist er im Alter von fünfundachtzig Jahren gestorben.

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          In Krisengebieten kannte er sich aus. Und er pflegte Umgang mit den Großen der Politik wie der Kultur. Und doch war Robert Lebeck genau das Gegenteil dessen, was man sich unter einem Fotoreporter vorstellt. Draufgängertum war ihm so fremd wie Hinterlist. Vielmehr glänzte Schalk in seinen Augen, eine einnehmende Freundlichkeit, die ihm sogar eine kurze Karriere als Modell in einer Bierreklame bescherte.

          Vor allem öffnete sie ihm ebenso die Welt der großen Entscheidungen wie die der kleinen Nöte. Alles ist interessant, sagte er einmal. Und so fotografierte er mit gleicher Sympathie eine aufgekratzte Romy Schneider wie Rentnerinnen am Wühltisch. Über Jahrzehnte hat Lebecks Blick das Bild des „Stern“ geprägt. Jetzt ist er im Alter von fünfundachtzig Jahren gestorben.

          Anlässlich des 85. Geburtstages von Robert Lebeck am 21. März schrieb Freddy Langer: „Aus dem Stegreif lassen sich heute Dutzende Motive nennen, mit denen er Fotografiegeschichte geschrieben hat - und zugleich unserer Erinnerung ein solch präzises Bild gegeben hat, als wären wir in diesen Momenten selbst dabei gewesen: Adenauers Empfang für Winston Churchill, 1956; Elvis Presley als Soldat in einer Kaserne in Friedberg, 1958; der Kongolese, der König Baudouin den Degen entreißt, 1960; Jackie Kennedy und ihre Schwester Lee Radziwill am Sarg von Robert Kennedy, 1968; Joseph Beuys mit Axt auf dem Sofa, 1970; Willy Brandt mit seinem Hund am Strand, 1972, und im selben Jahr Helmut Kohl in der Pose Napoleons vor dem Capitol in Washington; Romy Schneider tanzend in einer Bar in Quiberon, 1981.

          Allesamt sind es unaufdringliche Bilder - nie geprägt von Sensationsgier oder dem Willen zu verblüffen. Und nie hat Lebeck sich von großen Namen korrumpieren lassen, obwohl die Liste derer, die er fotografiert hat, einem Who’s who der Zeitgeschichte gleicht. Vielmehr sind die Aufnahmen geprägt von einer Unaufgeregtheit, hinter der sich Welt- und Lebenserfahrung verbergen. „Keine Kinkerlitzchen“, nannte Lebeck einmal das Motto seiner Arbeit. Und damit meinte er wohl auch sein Engagement bei noch dem vermeintlich banalsten Auftrag. Denn natürlich bewegte sich Lebeck nicht nur zwischen Empfängen und Großereignissen hin und her; er widmete sich mit gleichem Interesse dem Alltag überall auf dem Globus, ob er eine Augenklinik in Bangladesch besucht hat, Fischer in Spanien oder eine Musikschule in Odessa - genaugenommen hat er für das deutsche Publikum der Nachkriegszeit die Welt überhaupt erst entdeckt.“

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