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Ausstellung für die Ewigkeit : Der Bacchus von Baalbek

  • -Aktualisiert am

Die Tempel von Baalbek Bild: AP

Babylon ist jetzt Weltkulturerbe. Eine Schau in Beirut bringt auch die andere große Antikmetropole der Kultur und des Lasters in gebührende Stellung: Baalbek.

          Unter den Sehenswürdigkeiten der Levante zählen die Tempel von Baalbek zu den wichtigsten. Gut zwei Autostunden von Beirut entfernt, liegen sie auf einem Hügel in der Nähe mehrerer Quellen, die die Hochebene von Bekaa seit jeher zu einer der fruchtbarsten Landstriche der Gegend machen. Lange bevor die Römer ihre Tempel auf genau diesem Hügel errichteten, hatten andere die Vorzüge der Lage erkannt. Älteste Funde menschlicher Besiedlungen lassen sich auf das siebte Jahrtausend vor Christus datieren. Und es ist kein Zufall, dass mit der Scherbe eines Kalkgefäßes aus dieser Zeit die Sommerausstellung eröffnet, die sich im Sursock Museum von Beirut dem Mythos von Baalbek widmet.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Gemeinsam mit dem Ende der Schau, an dem einige Bewohner aus der heutigen Stadt Baalbek in Videointerviews das letzte Wort bekommen, bildet der Hinweis auf die frühen Siedlungen so etwas wie eine menschliche Klammer, die daran erinnern soll, dass Baalbek über seine Tempel hinaus einen tiefen Blick in die Geschichte städtischer Zivilisation erlaubt. Baalbek gehört zu den wenigen Orten der Welt, die seit rund zehntausend Jahren ununterbrochen besiedelt sind. „Archives of an Eternity“ hat der in London lebende Kurator Vali Mahlouji die Schau deswegen genannt. Einzelne Aspekte dieser Ewigkeit greift er heraus – die im neunzehnten Jahrhundert kulminierende Begeisterung europäischer Orientreisender etwa, die dazu führte, dass Wilhelm II. im November 1898 Baalbek besuchte und sich anschließend vom Sultan genehmigen ließ, deutsche Forscher zu Ausgrabungen zu schicken. Im Grunde aber versucht die Schau die Jahrtausende alte Geschichte möglichst vielseitig abzubilden, was sie kleinteilig werden lässt.

          Durch Europa geprägt?

          Der Ausstellungsdesigner Jacques Aboukhaled hat die Säle mit farbigen Wänden zwar optisch und räumlich klug unterteilt. Den Eindruck, dass die Auswahl aus der Fülle des Materials nicht einfach war, vermag er aber nicht zu zerstreuen. Man bleibt an tausend Dingen hängen. Am Grundriss des Jupitertempels, der mit dem benachbarten, nur wenig kleineren Bacchus-Tempel das größte Bauwerk der römischen Kaiserzeit bildete. Begonnen um 15 vor Christus, kurz nach Gründung der römischen Kolonie am östlichen Rand des Reiches, beeindruckt seine Dimension noch heute, da nicht mehr viel von ihm erhalten ist. Am bekanntesten, weil längst zum Symbol geworden, sind die sechs Säulen, die noch immer Teile des korinthischen, mit Löwen- und Stierkopffries verzierten Gebälkes tragen. Sie begegnen einem überall – vor allem im zwanzigsten Jahrhundert auf Briefmarken und Banknoten, Werbepostern der „Middle East Airways“ und Filmplakaten von Spionagefilmen, von denen im Libanon der sechziger Jahre so viele gedreht wurden.

          Auch auf Gemälden der frühen europäischen Orientreisenden ragen sie heraus. Die Schau versammelt mehr als vierzig Bilder, die zwischen 1784 und 1918 entstanden sind, wobei sie den Blick der Besucher in dieser als „european-organized spectacle“ überschriebenen Galerie auf die Neigung der Europäer lenkt, in den Ruinen von Baalbek mehr das Erbe ihrer eigenen Zivilisation und weniger die Einflüsse der einheimischen Bevölkerung zu erkennen. Das zeige sich etwa, so führt Kurator Mahlouji aus, schon bei Louis-François Cassas, der 1785 von Ludwig XVI. nach Baalbek geschickt wurde und mit Bildern (sowie Stichen) zurückkehrte, welche die Monumentalität der Architektur entweder dokumentierten oder die Ruinen in idyllischer Landschaft romantisierten.

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