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„Mahnmal“-Kommentar : Moralbeton

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Neben dem Privathaus des AfD-Politikers Höcke: Das Grundstück, auf dem das „Zentrum für politische Schönheit“ sein „Denkmal der Schande“ errichtet hat. Bild: WITTEK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Ein „Denkmal der Schande“ vor dem Haus Höckes soll den AfD-Politiker buchstäblich in die Knie zwingen. Moralisch einwandfrei ist die Aktion nicht. Ihre Initiatoren haben allerdings auch einen anderen Anspruch.

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          „Das thüringische Eichsfeld ist zu meinem Refugium geworden. Es ist mir Inspirations- und Regenerationsraum.“ So verknüpfte Björn Höcke im Rundbrief an die AfD-Genossen im Januar seinen Verzicht auf eine Bundestagskandidatur mit einer Liebeserklärung an seine Wahlheimat, das 300-Seelen-Dorf Bornhagen im Eichsfeld. Diese Inanspruchnahme ist lustig zitiert auf der Website der Künstler- und Aktivistengruppe „Zentrum für politische Schönheit“, die gerade mit Wucht in diesen Regenerationsraum eingebrochen ist: Nachdem Höcke in seiner Dresdner Rede das Berliner Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnet hatte, hat das Zentrum das Mahnmal am Mittwochmorgen auf dem angemieteten Nachbargrundstück nachgebaut: aus einfachen Sperrholzkisten, wie dem Video zur Aktion zu entnehmen ist, ummantelt mit Beton, der mittags, im eigens eingerichteten Live-Stream zu beobachten, noch am Trocknen war.

          Statt nur darüber zu reden, ob man mit Rechten reden soll, zeigt das Zentrum, dass man ihnen auch das, worüber sie reden, vor den Zaun stellen kann. Eine Crowdfunding-Aktion hatte bis zum Mittag 38.963 Euro für Miete, Logistik und Anwaltskosten eingebracht und damit den „Weiterbetrieb“ des „Mahnmals“, das eigentlich ein Mahnmal für ein Mahnmal ist, über die nächsten zwei Jahre hinaus gesichert.

          Betonstelenattrappen darf, soweit das Urheberrecht nicht berührt ist, jeder in seinem Garten aufstellen. Problematisch und für die Stimmigkeit dieses „Werks“ auch gar nicht nötig ist die Einladung an jeden, beim selbsternannten „Zivilgesellschaftlichen Verfassungsschutz Thüringen“ mitzuwirken und Höcke auszuspionieren, was dessen Sprecher als „psychologische Kriegsführung“ beschrieb, in der „Druck auf eine ganze Familie ausgeübt“ werde – wenn auch bislang keine Fotos von Höckes Kindern aufgetaucht sind.

          Auch das Mahnmal-Original wird parodiert

          Die Aktion soll Höcke buchstäblich in die Knie zwingen: Sollte er vor dem Berliner Mahnmal Willy Brandts Warschauer Kniefall nachahmen und um Vergebung bitten, würde sich der „Verfassungsschutz“ auflösen. Wie immer sind Rhetorik und Motivik dieses „aggressiven Humanismus“ (Ruch) grob bis zum äußersten, und die Reduktion eines strukturellen Problems auf eine Einzelperson mündet vorrangig in die Eroberung neuen Raums für Rechtschaffenheitspflege.

          Allerdings hat das Zentrum gar nicht den Anspruch, auf moralisch einwandfreiem Grund zu stehen. Im Zweifel sind sie für Destabilisierung; aus der Grobheit ergibt sich die Ambivalenz, die das künstlerische Spiel mit Moral von bloßer Moral unterscheidet. Alles wird in dieser Aktion, die man sich auch als „Titanic“-Cover vorstellen könnte, zum Material einer Parodie, nicht zuletzt das Mahnmal-Original selbst. Umso mehr überrascht die Einordnung durch Mahnmal-Initiatorin Lea Rosh als „wunderbare Idee“ und, Achtung, „herrliche Bestrafung“ – womit Höcke nun mit Recht von einem Schandmal sprechen kann, wenn auch nur vor seiner eigenen Haustür.

          Aktionskunstwerk : Mahnmal-Kopie neben Höckes Wohnhaus

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