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Debatte um Mona Lisa : Die Analyse eines Lächelns

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Der Streit um den wahren Namen der Mona Lisa tobt: Wer aber auf die Urlandschaft im Hintergrund des Porträts und auf die Exaktheit ihres Lächelns blickt, wird erkennen, dass Mona Lisa ihren Namen zu Recht trägt.

          Die Debatte um Mona Lisa, die Frank Zöllner (Zwei Sachbücher nehmen da Vincis „Mona Lisa“ unter die Lupe) und Roberto Zapperi begannen, ist ein Streit um den Namen der Dargestellten. Fraglich aber ist, ob man das Geheimnis des Werks gelöst hat, wenn man weiß, wen es darstellt. Das Rätsel liegt vielmehr in der Konzeption des Bildes. Sigmund Freud, um nur ein Beispiel zu nennen, war davon so fasziniert, dass er darin eine verdeckte Selbstdarstellung des Meisters sah.

          Doch der Abschied von diesem Namen ist schon deswegen nicht möglich, weil er keine Person mehr bezeichnet, sondern einen Fetisch und einen Mythos: Die Mona Lisa ist unersetzbar ebenso wie „La Joconde“. Nun hat Roberto Zapperi einen Vorschlag gemacht, von dem er sagt, „die Kunsthistoriker“ hätten dazu nichts gefunden, weil sie einer unglaubwürdigen Quelle aufgesessen seien und der Vita des Vasari blinden Glauben schenkten (Zur Debatte um den Namen von Leonardos „Mona Lisa“ ).

          Zapperis Argument gegen Vasari aber ist in Wahrheit schon lange von der Kunstgeschichte diskutiert worden: André Chastel, der beste Leonardo-Kenner seiner Generation, hat 1988 bereits die Quelle benannt, die Zapperi benutzt. In seinem Buch „L'illustre incomprise“ (Die berühmte Verkannte), das Zapperi nicht zitiert, analysiert Chastel ausführlich den Besuch des Kardinals von Aragón bei dem greisen Leonardo, in dessen Verlauf das Bild mit Giuliano de Medici und nicht mit Francesco del Giocondo und seiner Frau Lisa Gherardini in Verbindung gebracht wurde. Chastel erkennt denn auch im Porträt bereits „die Favoritin Giuliano de Medicis“ und erklärt den Bericht Vasaris zur Legende. Für ihn handelt es sich bei der „Pseudo Mona Lisa“ schlicht um „die Dame auf dem Balkon“. Auch Zöllner erwähnt Chastels Buch in seiner Veröffentlichung von 1994 nicht.

          Misslungene Umdeutung

          Aber Chastel waren 1988 zwei Quellen unbekannt, die seither aufgetaucht sind und unwiderlegbare Beweise für Mona Lisa bieten. Zapperi scheut keine Anstrengungen, diese Beweise zu entkräften, aber das konnte nicht gelingen. Die erste Quelle bezeugt den Verkauf des Bildes aus dem Nachlass von Salai, dem Liebling in Leonardos Atelier. Er hatte in Mailand vor dem Verkauf eine Kopie des Bildes gemacht. Sie wird in seinem Inventar erwähnt als „ein Bild, das die Gioconda genannt wird“. Zapperi aber weigert sich, darin den bewussten Familiennamen zu erkennen, und sagt, dass „giocondo“ im Sinne von „wer Freude gibt, belebt, tröstet“ zu deuten sei. Doch wird diese Ausflucht durch eine zweite Quelle verhindert, die in einem Heidelberger Wiegendruck mit Werken Ciceros aufgetaucht ist. Darin notiert ein gewisser Agostino Vespucci im Oktober 1503 in Florenz, Leonardo sitze an einem Porträt der Lisa del Giocondo, das er wohl ebenso wenig vollenden werde wie andere seiner Werke.

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