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Debatte über Restitution : Wohin mit der Raubkunst?

  • -Aktualisiert am

Objekt der Begierde: Der Schiffschnabel der Bele Bele aus dem Kamerun, heute im Museum Fünf Kontinente in München Bild: Museum Fünf Kontinente/Nicolai Kästner

Bloß weg damit: In der Debatte um Kunst aus Afrika, die in europäischen Museen steht, gilt die Rückgabe vielen Aktivisten als Wert an sich. Doch wer kann sich im Einzelfall als legitimer Erbe ausweisen? Ein Gastbeitrag.

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          Die Stimmen, welche die Rückführung afrikanischer und anderer nichteuropäischer Kulturgüter aus Museen in ihre Herkunftsländer verlangen, dominieren den öffentlichen Diskurs. Entkolonisierungsaktivisten schwingen eine moralische Keule und fegen jeden vom Parkett, der Bedenken gegen den Aufruf zu solchen Reinigungsaktionen äußert. Wohin genau nach Afrika aber sollen die Kulturgüter gehen? Darüber schweigen sich die meisten Aktivisten in Europa aus, und es klingt oft so, als sei das Wichtigste, dass diese Dinge aus europäischen Museen verschwinden und auf den afrikanischen Kontinent zurückgebracht werden.

          Fast alle afrikanischen Staaten sind Vielvölkerstaaten. Die Staatsgrenzen und die politische Organisation dieser Länder als Nationalstaaten sind das Resultat europäischer Kolonisierung. Nationbuilding – also der politische Wille und das Bemühen auch der Bürger, eine übergeordnete nationale politische Gemeinschaft über Eigennutz, traditionelle Hierarchien (wie etwa Häuptlings- beziehungsweise Königstümer), ethnische und religiöse Zugehörigkeiten und Verwandtschaft zu stellen – ist ein Projekt, das in vielen Ländern noch lange nicht vollendet ist.

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