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Das Appartement der Königin in der Residenz Bild: Bayerische Schlösserverwaltung

Sanierte Münchner Residenz : Porzellan ist ein idealer Datenträger

Das Auge isst mit: Nach zehnjähriger Sanierung glänzt der Königsbau der Münchner Residenz mit einer neuen Dauerausstellung, die in der Tafelkultur der Wittelsbacher die politische Geschichte Bayerns erkennt.

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          Wer so ein Haus baut, darf nicht kleckern. Schon als Kronprinz hatte der spätere bayerische König Ludwig I. mit seinem Privatarchitekten Leo von Klenze einen standesgemäßen baulichen Auftritt geplant. Dazu gehörte auch, das emanzipierte Bürgertum – wie man heute sagen würde – abzuholen, weil der Wittelsbacher als konstitutioneller Monarch seine Untertanen davon überzeugen musste, dass sie bei ihm in besten Händen seien. Das hieß eben auch Repräsentation durch Monumentalbauten, Loyalitätserzeugung durch Kunstpatronage. 1826 begann, 1835 vollendete Klenze den sogenannten Königsbau an der Südseite der Münchner Residenz, deren Nordseite er mit dem Festsaalbau abriegelte.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Mit den Nibelungensälen, die Julius Schnorr von Carolsfeld 1831 auszumalen begann, im unteren und den Königsgemächern im ersten Stock entstanden Repräsentationsräume von imposantem Ausmaß. Sie waren, anders als heute, der Öffentlichkeit kostenlos zugänglich. Die nun vollendete Sanierung hatte auch mit den Fassaden zu tun, die im Innenhof aus grünem Sandstein bestehen, einem Material aus der Gegend von Donaustauf, das heute nicht mehr abgebaut wird. Im Inneren der Säle sind alle Oberflächen wie neu, ohne übertrieben glänzend zu wirken. Dazu bedurfte es Handwerker, die sich unter anderem auf das Anrühren und Schleifen von Marmorteigen verstehen, eine aussterbende Kunst.

          Gegessen wird, was aufs Porzellan kommt: Das Geschirr ist Teil der Dauerausstellung.

          Vorne hui, hinten fui (bairisch: viel): Das architektonisch eng an den Florentiner Palazzo Pitti angelehnte, dreiunddreißig Meter hohe Gebäude ist im Inneren der Länge nach geteilt. Die Schauseite belegen zwei imperiale Etagen, dahinter, zum Innenhof hin sind es dagegen vier, in denen alles untergebracht war, was zum Betrieb eines Königspalastes notwendig war: Die wirklich privaten Räume der Wittelsbacher, Küchen, Bäder, Werkstätten, Garderoben, Lager. Dort ist nun wie in einer Parallelaktion die neue Dauerausstellung eingerichtet, die durch eine neue Treppe im Inneren das ganze Gebäude mit einer selbstverständlichen Geste erschließt.

          Die Schau zeigt Höhepunkte der reichen Porzellan-, Silber- und Miniaturensammlung des Residenzmuseums in zeitgemäßer Aufmachung. Sie erinnert an den Kunstsammler Ludwig I., dem München so viel verdankt, und an seine heute erstaunlich anmutende Idee, das Erbe der Antike auf Porzellan zu bannen – um es zu retten. Der König glaubte fest daran, dass der Datenträger Porzellan auch dann noch funktionieren würde, „wenn endlich der Zahn der Zeit die Originale zerstört haben wird“. Als Förderer der Nymphenburger Porzellanmanufaktur spielt das Haus Wittelsbach deswegen eine bedeutende Rolle im Konkurrenzkampf der Manufakturen in Meißen, Berlin und Frankenthal bei Mannheim, die der kurpfälzischen Linie der Wittelsbacher gehörte.

          Für Ludwigs zweiten Sohn Otto, der König von Griechenland wurde, entstand ein Service mit onyxfarbenem Grund, auf dem die Glanzstücke der Antikensammlung verewigt wurden. Und tatsächlich sind in den Anfangsjahren der Nymphenburger Manufaktur noch manche Teller und Platten verzogen und gar nicht symmetrisch, Farben verrutschen, die wahre Expertise für den Brennvorgang musste sich erst herausbilden.

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