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Datenbank „Entartete Kunst“ : Dem Bildersturm auf der Spur

Die Berliner Forschungsstelle „Entartete Kunst“ hat heute eine Datenbank zur „Verfallskunst“ freigeschaltet. Eine undankbare Aufgabe, da siebzehntausend der von den Nazis beschlagnahmten Werke bisher nicht gelistet sind.

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          Es begann schon im Jahr 1933, für viele Museumsdirektoren noch nicht ernst zu nehmen: die Herausnahme bestimmter Bilder und Skulpturen aus den Sammlungen. „Reinigung von undeutscher Kunst“ hieß das und klang noch harmlos im Vergleich zum Furor des nationalsozialistischen Bildersturms von 1937, der die Sammlungen ihrer Kunstwerke der Moderne beraubte. Im Juni 1937 wurden Tausende Bilder, Grafiken, Zeichnungen und Skulpturen für die Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ beschlagnahmt, wenige Wochen später säuberte man die Museen systematisch von Werken sogenannter „Verfallskunst“. Heute geht man davon aus, dass die Nationalsozialisten mehr als zwanzigtausend Werke aus den Museen entfernten. Lücken, die vor allem im Osten nicht wieder geschlossen werden konnten, weil die Museen durch den Eisernen Vorhang vom internationalen Kunstmarkt abgeschnitten waren.

          Regina Mönch

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Seit acht Jahren arbeitet eine Gruppe von Wissenschaftlern um den Kunsthistoriker Andreas Hüneke an der Freien Universität Berlin an einer Dokumentation dieser Vorgänge. Am heutigen Mittwoch wird eine Datenbank mit dem bisher rekonstruierten Verzeichnis der 1937/38 beschlagnahmten und später vor allem auf dem internationalen Kunstmarkt verkauften Werke „entarteter Kunst“ freigeschaltet. Die Forschungsstelle „Entartete Kunst“ wird sie laufend ergänzen. Die Datenbank enthält neben dem noch vorhandenen Beschlagnahme-Inventar ein Bildarchiv mit historischen Aufnahmen aus den Depots und von den Stationen der berüchtigten Wanderausstellung sowie biographische Daten zu den Künstlern.

          Verschollene Kunst beim Namen nennen

          Hüneke, der seit dreißig Jahren, lange im eigenen Auftrag, das Schicksal dieser Kunstwerke erforscht, hat die Grundlage für diese schwierige Arbeit geschaffen. Das von den Nationalsozialisten angelegte Verzeichnis ist jedoch nur für Museen von Aachen bis Greifswald erhalten, enthielt zudem unvollständige und zuweilen fehlerhafte Angaben. Soweit es möglich war, sind die Listen berichtigt und ergänzt worden mit Informationen zum Verbleib der Bilder nach dem Krieg. Der zweite Band des Verzeichnisses mit den Einträgen von Hagen bis Zwickau ist verschollen. 1997 tauchte im Victoria & Albert Museum in London die sogenannte Fischer-Liste auf, sie gehörte zum Nachlass des Kunsthändlers Harry Fischer und ist eine glaubwürdige Abschrift beider Bände.

          Für ihre Verluste sind die Museen nie entschädigt worden, das NS-Gesetz dazu aus dem Jahr 1938 wurde nie aufgehoben. Für die Wissenschaft ist dies insofern von Vorteil, als niemand, der heute im Besitz eines dieser Werke ist, mit Restitutionsansprüchen rechnen muss. Man hofft darum auf weitere Hinweise, denn längst sind nicht alle Werke identifiziert; die Fischer-Liste etwa enthält nur die Nachnamen der Künstler, Maße und Datierungen fehlen, die Werktitel sind oft willkürlich formuliert.

          Hoffnung auf neue Informationen

          Bis jetzt ist es der Forschungsstelle gelungen, Herkunft und Nachbesitzer von dreitausend Werken zu identifizieren. Die Wissenschaftler haben zudem herausgefunden, dass 1939 nur etwa fünftausend „unverwertbare“ Kunstwerke verbrannt wurden, viel weniger als bisher angenommen. Die als „verwertbar“ von den Nazis eingestuften Bilder wurden zumeist ins Ausland verkauft, aber auch heimlich an deutsche Sammler. Mit der Datenbank hofft man auf neue Informationen zu immer noch verschollener Kunst, zum Schicksal der Künstler und zur Rolle des Kunsthandels bei dieser bis 1941 andauernden schändlichen Verkaufsaktion.

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