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Neues Depot des Louvre : Mona Lisa kommt nie hierher

  • -Aktualisiert am

Das neue Louvre-Depot Bild: Architecte Rogers Stirk Harbour

Der Großteil von Museumsbeständen befindet sich nicht in der Ausstellung, sondern in Depots. Der Louvre sichert nun 250.000 Objekte in einem neuen Lager – eine logistische Herausforderung.

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          Wer in einem Museum die dort ausgestellten Sammlungen betrachtet, sieht nur die Spitze des musealen Eisbergs. Gemeinhin lagert ein Großteil der Bestände – manchmal bis zu neunzig Prozent – im Depot, wie unter dem Wasserspiegel verborgen und dem öffentlichen Blick entzogen. Im Fall des Pariser Louvres lässt sich die Metapher wörtlich nehmen: Etwa ein Viertel der kostbaren Reserven des größten Museums der Welt liegen in hochwassergefährdeten Souterrainräumen unter der Cour Napoléon, dem Hauptplatz um die Pyramide. Nach der Jahrhundertüberschwemmung von 1910, bei der das Zentrum von Paris unter Wasser stand, gab es fünf weitere Hochwasser-Episoden, zuletzt 2016, als es für den Louvre beinahe zu einer konservatorischen Katastrophe gekommen wäre. Das Museum wurde geschlossen, um die in den Depots bedrohten Kunstwerke in höhere Etagen evakuieren zu können. Zum Glück gelang es rechtzeitig, und das Wasser stieg nicht allzu hoch, so dass keine nennenswerten Schäden entstanden. Bei einem Jahrhunderthochwasser könnte es jedoch schlechter ausgehen.

          Pläne für ein neues Depot lagen seit vielen Jahren vor. Ein 2008 in der fünfzig Kilometer entfernten Stadt Cergy-Pontoise für mehrere Museen geplantes Megaprojekt scheiterte an seiner Komplexität und zu hohen Kosten. Dann wurde die erste Louvre-Dependance in der nordfranzösischen Minenstadt Lens geplant und Ende 2012 eröffnet. Das im vergangenen Oktober fertiggestellte Museumsdepot im benachbarten Liévin ist nun das Ergebnis – nach dem Serendipitätsprinzip – einer Reihe von kulturpolitischen Expansionsentscheidungen. Ohne den Louvre-Lens wäre es dort, zweihundert Kilometer und eine gute Stunde mit dem TGV von Paris entfernt, nicht entstanden. Und ohne die 2017 eröffnete zweite Dependance in Abu Dhabi wäre die Finanzierung wohl kaum gesichert gewesen.

          Eine kulturelle Dezentralisierung

          Von insgesamt sechzig Millionen Euro konnten immerhin 34,5 Millionen aus den Gebühren bestritten werden, die die Vereinigten Arabischen Emirate für ihre Louvre-Niederlassung und die Namensnutzung an das französische Mutterhaus bezahlen. Ebenso die zukünftigen Funktionskosten: Sie werden von den Zinsen eines Dotations-Fonds bezahlt, der von Geldern aus Abu Dhabi finanziert wurde.

          Für die nordfranzösische Region, die unter den beiden Weltkriegen besonders gelitten hat und erst durch den Minenbetrieb, dann durch dessen Einstellung gebeutelt wurde, bedeutet die nun doppelte Louvre-Ansiedlung eine wichtige Aufwertung. Sie trägt zum Stolz der Bevölkerung bei und zieht weitere Investitionen an. Brice Mathieu, der Direktor des Depots in Liévin, hebt außerdem hervor, dass er die Niederlassung gerade in dieser Gegend als Danksagung des Staats an eine Bevölkerung verstehe, die viel gegeben hat. Sie gehört auch zu einer kulturellen Dezentralisierung, die in Frankreich in den letzten dreißig Jahren vorangetrieben wurde.

          Die Konzeption des Louvre-Depots wurde an das britische Architekturbüro Rogers Stirk Harbour + Partners vergeben. Der Pritzker-Preisträger Richard Rogers hatte schon das Pariser Centre Pompidou gemeinsam mit Renzo Piano entworfen. Zu den Aufträgen der jüngsten Zeit gehört ein neuer Flügel für das British Museum, wo unter anderem ein fünftausend Quadratmeter großes Depot eingerichtet wurde. Das Gelände in Liévin grenzt an den Museumspark des Louvre-Gebäudes in Lens. Beide Einrichtungen berühren einander.

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