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Museum Barberini in Potsdam : Das Schönstmögliche im historischen Kleid

Rekonstruierter Barock am Havelufer: Das Museum Barberini soll nicht durch die Sammlung Plattner, sondern durch Wechselausstellungen Profil gewinnen. Bild: Andreas Müller

In Potsdam eröffnet das vom SAP-Gründer Hasso Plattner gestiftete Museum Barberini mit Ausstellungen zum Impressionismus und der frühen Moderne. Zu sehen sind unter anderem Werke Munchs und Monets.

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          Das Museum Barberini in Potsdam, das jüngste und edelste aller deutschen Privatmuseen, hat zwei Väter: den Software-Milliardär Hasso Plattner und den Alten Fritz. Als Friedrich der Große nach seinem dritten und letzten Krieg um Schlesien beschloss, die Wohngegend rings um seine Potsdamer Residenz aufzuhübschen, lobte er nicht, wie heute üblich, einen Gestaltungswettbewerb aus. Stattdessen blätterte er in seinen Musterbüchern, fand einen Palast in Rom, der ihm gefiel, und gab seinem Architekten Carl von Gontard den Auftrag, diesen Palazzo Barberini auf einem Grundstück an der Nordostecke des Stadtschlosses nachzubauen. Das Problem war nur, dass hinter der barocken Fassade an der Brauerstraße, heute Humboldtstraße, keine Adligen hausten, sondern der Gastwirt Berkholz und der Zimmermeister Naumann.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Deshalb schob Gontard zwischen die drei Stockwerke des Gebäudes zwei Zwischengeschosse ein, sogenannte Mezzanine, damit der Wirt und der Zimmermann ihre Heizkosten bezahlen konnten. Richtig wohnlich wurde das Palais Barberini, wie es jetzt hieß, dennoch nie. Bis 1912 wechselte es, obwohl zur Apartmentanlage umgebaut und durch Seitenflügel ergänzt, viele Male den Besitzer. Dann kaufte die Stadt Potsdam das Palais und nutzte es als Bürohaus und Jugendherberge. Beim alliierten Bombenangriff am 14. April 1945 fiel der Bau in Trümmer. Im März 1948 ließ ihn die sowjetisch kontrollierte Bezirksregierung sprengen.

          Der Mäzen im leichten Pullover

          Jetzt, fast genau zweihundertfünfzig Jahre nach seiner Errichtung, steht das Palais Barberini wieder da, nicht als Prestigeprojekt der Bundeskulturpolitik, sondern als Geschenk des SAP-Gründers Plattner. Hasso Plattner hat der Stadt Potsdam, in der sein deutscher Zweitwohnsitz liegt, schon ein Institut für Software-Systemtechnik und die historische Fassade des Brandenburger Landtags im rekonstruierten Preußenschloss gestiftet. Er besitzt aber, neben der Yacht „Morning Glory“, mit der seine Tochter Kristina die Rolex-Mittelmeerregatta gewann, auch eine hochwertige Gemäldesammlung, die um einen Kern aus Impressionisten und DDR-Malern herum gewachsen ist. 2012 wollte er der Stadt eine Kunsthalle auf dem Gelände des betonbrutalistischen Mercure-Hotels am Havelufer schenken, das zu diesem Zweck abgerissen werden sollte. Nach politischen Querelen und Bürgerprotesten zog er den Plan zurück. Rasch jedoch fand sich eine Alternativlösung. Schon 2013 kam der Spatenstich für das Museum Barberini.

          Am einem Winterabend vor der offiziellen Eröffnung führt Plattner eine Gruppe von Journalisten durch das fertig eingerichtete Museum. Es ist warm, der Mäzen kommt im leichten Pullover, an seiner Seite Ortrud Westheider, die im vergangenen Jahr als Direktorin vom Bucerius Kunst Forum in Hamburg ans Barberini wechselte. Eine Kennerin der Materie wie des Mäzenatischen. Und doch führt Plattner fast allein das Wort. Er erzählt noch einmal, wie er zu der Idee kam, das Palais wieder aufzubauen, er lobt den Architekten Thomas Albrecht und den Mitinvestor Abris Lelbach, und dann sagt er das Wort, das ihm sein Mäzenatentum fast verleidet hat, er spuckt es wie eine faule Kirsche auf den Parkettboden: „Kulturgutschutzgesetz.“

          Die Glanzstücke gehören nicht zum Grundbestand des Barberini

          Auch hier nämlich, im rekonstruierten preußischen Barock, nistet die Furcht des Sammlers – die Angst, die Kunst, die er auf dem internationalen Markt erworben hat, könnte nach dem neuen Gesetz als nationales Kulturgut in Deutschland festgehalten und nicht nach Amerika zurückgeschickt werden, wo Plattners Gemälde residieren. Deshalb gehören die Glanzstücke seiner Sammlung, die Impressionisten und die frühe Moderne, auch nicht zum Grundbestand des Barberini und der Stiftung, die es trägt. Dafür bilden sie, aus Übersee eingeflogen, das Rückgrat der beiden Ausstellungen, mit denen das Museum am heutigen Freitag eröffnet wird.

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