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Zeichnungen Rodins in Paris : Zwischen Hölle und irdischem Paradies

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Das Gebet erhebt sich aus der Seele des Gläubigen, entstanden zwischen 1883 und 1889 Bild: Musée Rodin/Jean de Calan

Ein Bildhauer, der die Papierarbeiten für den Schlüssel zu seinem Werk hält: Eine Ausstellung mit Rodins Zeichnungen in Paris zeigt vor allem das Bewusstsein für das Gewicht alles Irdischen.

          Auguste Rodin (1840 bis 1917), tief im neunzehnten Jahrhundert verwurzelt, reicht gleichzeitig weit über dieses hinaus. Von dieser Spannung ist sein Werk geprägt. Der Künstler ist den meisten als Bildhauer bekannt, als ein Gigant der Skulptur zwischen Impressionismus und Klassischer Moderne. Der Impressionismus hatte in der Malerei bereits in den 1870er Jahren neue ästhetische Maßstäbe gesetzt. Seit seiner ersten öffentlich ausgestellten, lebensgroßen Figur „Das eherne Zeitalter“ von 1875/76 gilt Rodin als Begründer der modernen Plastik. Er rückt hier den Menschen in seiner natürlichen Nacktheit und deren Ausdrucksmöglichkeiten in den Mittelpunkt, befreit vom Ballast des Allegorischen. Zugleich suchte dieser Künstler stets nach etwas anderem als einer nur realistischen Wiedergabe. Auch der nackte Körper diente ihm als dramatischer und expressiver Ausdruck der „conditio humana“, als ein Spiegelbild der Doppelnatur des Menschen zwischen Physis und Psyche, wie es seine wohl berühmteste Skulptur, der Denker (um 1880/82), vor Augen führt.

          In dieser Haltung ist er geistesverwandt mit einem der großen französischen Maler des neunzehnten Jahrhunderts, mit Eugène Delacroix, dessen Werk er bewunderte und von dem er eine Zeichnung besaß. Und es ist wohl kein Zufall, dass beide Künstler mit einem durch die Literatur – nämlich Dantes „Göttlicher Komödie“ – inspirierten Frühwerk Aufsehen erregt haben – Delacroix mit der „Dantebarke“ von 1822 und Rodin mit der zwischen 1880 und etwa 1890 entstandenen „Höllenpforte“, in deren Kontext auch der „Denker“ entstand. Während der langjährigen Konzeption der „Höllenpforte“, die zu seinen Lebzeiten lediglich in Gips realisiert und erst postum in Bronze gegossen wurde, entstanden zahlreiche Zeichnungen. Sie bilden den Auftakt einer großartigen Ausstellung im Musée Rodin.

          Diese ist zum einen so bemerkenswert, weil sie sich auf die noch immer zu wenig beachteten Zeichnungen des Künstlers konzentriert. Zugleich wird hier erstmals eine hochinteressante und für die Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts wegweisende Arbeitsmethode Rodins vorgestellt, nämlich jene Gruppe von Zeichnungen, die er mit der Schere ausgeschnitten und neu collagiert hat. Mit dieser Arbeitsweise kann er in Maßen als ein Vorläufer von Künstlern wie Matisse, Braque und Picasso gelten, die in vergleichbarer Weise mit Schere und Messer gearbeitet haben.

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          „Meine Zeichnungen sind der Schlüssel zu meinem Werk“, hat Rodin gesagt. Und tatsächlich stellte der Künstler diese seit 1898 regelmäßig und in großer Anzahl gemeinsam mit Skulpturen aus. Auf seiner Ausstellung, die Rodin parallel zur Weltausstellung 1900 in Paris organisierte, waren viele Blätter in dichter Blockhängung zu sehen. Und auch auf den ausländischen Ausstellungen Rodins, dessen internationale Reputation nach 1900 mehr und mehr wuchs und die von ihm strategisch gepflegt wurde, spielten sie eine wichtige Rolle. So wurden auf der Rodin-Ausstellung 1902 in Prag 75 Zeichnungen gezeigt, 1908 in Leipzig sogar 133. Das Musée Rodin verwahrt rund 7500 Zeichnungen, es dürfte kaum einen Bildhauer geben, der in dem gleichen Maß vom Zeichnen besessen gewesen ist.

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