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In Schwierigkeiten: das Haus der Kunst Bild: Picture-Alliance

Haus der Kunst in Finanznot : Vielleicht mal eine Budgetierung einführen

  • -Aktualisiert am

Es gibt viel zu tun beim Haus der Kunst in München: Stärkere finanzielle Kontrollen, andere Ausstellungskonzepte und ein neuer künstlerischer Leiter müssen her. Denn die Lage ist ernst.

          Die Lage sei angespannt: So beurteilt Bernhard Spies, der kaufmännische Direktor des Hauses der Kunst in München, die Finanzsituation, die er bei Amtsantritt vor hundert Tagen vorfand. Sämtliche Rücklagen, berichtet er im Gespräch mit dieser Zeitung, seien aufgebraucht und mehr Ausgaben für das laufende Jahr geplant, als Geld vorhanden sei. Der Wirtschaftsprüfungsbericht 2016, der dem Aufsichtsrat der „Stiftung Haus der Kunst“ die Augen hätte öffnen können, sei viel zu spät abgeliefert worden. Und weil in manchen Abteilungen Aufträge nicht kontrolliert und gegengezeichnet wurden, sei unklar, was noch an Rechnungseingängen komme. Ein internes Kontrollsystem soll derartige Pannen künftig verhindern, „wir müssen hier, wie andere Häuser auch, mit Budgetierung arbeiten“, so Spies.

          Geholt hat man den damals gerade erst in Pension gegangenen ehemaligen Geschäftsführer der Bundeskunsthalle in Bonn wegen seiner Erfahrung als Krisenmanager und seines Rufs als „Retter“ des Bonner Hauses. Er wurde dem künstlerischen Direktor Okwui Enwezor gleichgestellt, doch die gemeinsame Zeit währte nur sehr kurz. Seit Enwezor vor vier Wochen aus gesundheitlichen Gründen sein Direktorenamt vorzeitig niederlegte (F.A.Z. vom 5. Juni), lenkt Spies das Haus erst einmal allein. Vieles will er von Grund auf ändern, etwa eine Struktur von Einzelkämpfern zum Team umformen, auch die bislang problematische Kommunikation zwischen den Bereichen wie mit der Geschäftsführung verbessern; Coachings sollen helfen. Zudem bedarf die Gehaltsstruktur der Sanierung, sie weist ungerechte Abweichungen vom Tarif auf, nach unten wie nach oben. Dass massiv gespart werden muss, wirkt sich nicht zuletzt auf das Programm des Ausstellungshauses aus. Während man noch versucht, die für November angekündigte Joan-Jonas-Schau zu retten, wird eine Theaster-Gates-Ausstellung verschoben. Gestrichen werden zwei geplante Fortsetzungen von „Postwar – Kunst zwischen Pazifik und Atlantik 1945–1965“, „Postcommunism“ und „Postcapitalism“: nicht nur, weil Folge eins dieses Mammutprojekts gigantische Löcher in die Kasse riss – statt 1,2 Millionen kostete sie 4,5 Millionen Euro –, sondern auch, weil die Weiterführung ohne Enwezor bei dessen ureigenem Thema keinen Sinn ergibt. Wie man die Lücken im Programm des Hauses, das keine eigene Sammlung hat, schließen will, steht in den Sternen.

          Wie berichtet (F.A.Z. vom 5. März) brachten nicht allein Geldprobleme das Haus der Kunst in den vergangenen zwei Jahren ins Schlingern. Erst kam es zum Skandal um den Personalverwalter Arnulf von Dall’Armi, den nach dem Vorwurf der vertragswidrigen Mitgliedschaft bei Scientology auch noch Anschuldigungen von Mitarbeiterinnen wegen sexueller Belästigung trafen; im März 2017 wurde Dall’Armi schließlich entlassen. Weil er, wie auch weiteres Personal, jahrelang scheinselbständig beschäftigt gewesen sein soll, was dem Haus der Kunst unrechtmäßig die Sozialabgaben gespart hätte, drohen Schadenersatzforderungen in bislang unbekannter Höhe.

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