https://www.faz.net/-gqz-9c4wf

Haus der Kunst in Finanznot : Vielleicht mal eine Budgetierung einführen

  • -Aktualisiert am

Vom ehemaligen kaufmännischen Leiter, Marco Graf von Matuschka, trennte man sich im Dezember 2017. Drei Kündigungen erhielt er insgesamt, eine fristlose, eine verhaltensbedingte und endlich die betriebsbedingte. Das Urteil des Arbeitsgerichts, vor dem Matuschka klagt, wird Mitte dieses Monats erwartet. Entschieden wird auch über eine Abfindung, die der Manager verlangt, weil sein Renommee in der Branche durch die Tatsache, dass man ihm die drohenden Forderungen anlastet, stark beschädigt sei. Okwui Enwezor will von den zunehmenden personellen und wirtschaftlichen Missständen nichts mitbekommen haben. Ein Grund dafür mag in seiner schweren Erkrankung liegen. Ein anderer darin, dass der international gefragte Kurator und Leiter von Großausstellungen, wie der Documenta 11 oder der Venedig-Biennale im Jahr 2015, vor München nie ein Haus geleitet hatte.

Obgleich Münchens Haus der Kunst einen lockenden Ruf in der Kunstwelt hat, dürfte es nicht ganz einfach sein, eine neue künstlerische Leitung vom Kaliber solcher Vorgänger wie Christoph Vitali, Chris Dercon und Okwui Enwezor zu finden. Die neue, seit März amtierende bayerische Kunstministerin Marion Kiechle – sie ist auch Vorsitzende des Aufsichtsrats des Hauses – entschied gegen eine Findungskommission und erklärte diese Personalie zur Chefsache; viele Experten, auch aus Münchner Kunstkreisen, will sie dazu hören. Anzunehmen ist aber auch, dass spezialisierte Headhunter unterwegs sind.

Spätestens zu Beginn des kommenden Jahres will Kiechle die Stelle wiederbesetzt haben. Wen immer sie ernennt, der wird die Arbeit in einer Doppelspitze mit gleichgestelltem kaufmännischem Direktor akzeptieren müssen. Das birgt Konfliktstoff. Dürfte es doch den häufigen Einsatz des Rotstifts bedeuten, aber auch Forderungen nach einem „Produkt-Portfolio, das viele anspricht“, so Spies, will heißen Ausstellungen für den breiten Geschmack, die Kuratoren selten behagen. Und es warten große Aufgaben auf die neue Leitung, insbesondere die Generalsanierung des 1937 errichteten Gebäudes durch den englischen Stararchitekten David Chipperfield, an die in der Ära Enwezor mit Billigung des damaligen Kunstministers Ludwig Spaenle das ehrgeizige Vorhaben geknüpft wurde, das Programm des Hauses über Ausstellungen hinaus für Performatives aller Sparten zu öffnen. Eine Machbarkeitsstudie, welche die dafür veranschlagten Mehrausgaben und Mehreinnahmen hochrechnet, wird unter Verschluss gehalten. Chipperfield erhielt jüngst den Auftrag für die Planungsphase zwei, die Planungskonzept und Kostenschätzung umfasst.

Um die „Wucht des Hauses der Kunst“ nicht zu schwächen, befürwortet Ministerin Kiechle statt einer vierjährigen Schließung ein Vorgehen in zwei Bauabschnitten bei laufendem Betrieb. Bernhard Spies, der bauerfahren ist, teilt diesen Wunsch. Er schätzt, dass die Mehrkosten dafür „in überschaubarem Rahmen“ bleiben werden, zumal „langjährige Schließung Kündigungen von Mitarbeitern bedeutet“. Dann anfallende Ausgaben für Sozialpläne und Anlaufkosten muss der Haushaltsausschuss des Landtags mitberücksichtigen, wenn er zur Bewilligung der veranschlagten 150 Millionen Euro tagt.

Spies meint, die schlimmste Durststrecke noch in diesem Jahr beenden zu können, und hofft auf bessere Zeiten von 2019 an. Immerhin hat der Freistaat als Hauptfinanzier des Hauses gerade seinen Zuschuss zum Jahresetat um 1,2 Millionen Euro aufgestockt. Und ein Hinweis ist ihm wichtig: Die neue Leitung sollte gut Deutsch können oder es schnell lernen. Im Haus der Kunst wurde in den vergangenen Jahren auf Englisch als Amtssprache bestanden, was teure Übersetzungen erforderte und der Kommunikation sehr abträglich war.

Weitere Themen

Frecher als vermutet

Alexa Hennig von Lange : Frecher als vermutet

Eine Neuordnung des Verhältnisses zwischen Mann und Frau: In ihrem Roman „Die Wahnsinnige“ zeichnet Alexa Hennig von Lange ein genaues und verstörendes Bild von Johanna I. von Kastilien.

Älteste Höhlenmalerei der Welt entdeckt

Steinzeitschwein : Älteste Höhlenmalerei der Welt entdeckt

Hier hat die Kunst aber Schwein gehabt: In einer Höhle auf der indonesischen Insel Sulawesi wurde die bisher älteste Malerei der Menschheit entdeckt - sie ist auf Anhieb perfekt und formvollendet.

Topmeldungen

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Generalsekretär Paul Ziemiak beim digitalen Parteitag der CDU am Freitagabend.

CDU-Parteitag : Die Kanzlerin spart sich das Lob

Zu Beginn des CDU-Parteitags gibt es viel Schulterklopfen für die scheidende Vorsitzende Kramp-Karrenbauer – nur Angela Merkel spricht lieber über ihre eigenen Leistungen. Und Markus Söder vom spannenden Aufstieg.
Trauer allerorten: In Brasielien nehmen die Totenzahlen zu.

Chaos in Manaus : Brasilien von tödlicher Corona-Welle getroffen

Den Krankenhäusern in Brasiliens Amazonas-Metropole Manaus geht der Sauerstoff aus. Schwerkranke Patienten werden nun per Charter-Maschine ausgeflogen. Und auch landesweit schnellen die Todeszahlen in die Höhe.
Freundinnen: Luisa und Sophie wohnen zusammen in Frankfurt. Beide verdienen Geld mit Pornovideos, die sie selbst aufnehmen.

Studentin in Geldnot : Pornos drehen für den Master

Luisa besucht eine Hochschule im Rhein-Main-Gebiet und verkauft Sexvideos, um ihr Studium zu finanzieren. Sie sagt, das fühle sich dreckig an. Doch der Geldmangel habe sie dazu getrieben, und andere Nebenjobs sind ihr zu zeitaufwendig.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.