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Das „MoMA“ ist zurück : Im Zeichen des zerbrochenen Obelisken

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An diesem Samstag wird in New York das neue Museum of Modern Art eröffnet. Das Museum der Museen hat mit dem Neubau eine beispiellose Verbindung von einzigartiger Sammlung und Präsentation erreicht.

          Das MoMA ist zurück in Manhattan, zurück in der Welt, für die Welt - vergrößert, herausfordernd, unersetzbar. Das Museum der Museen hat mit dem Neubau das zustande gebracht, was kein Nebenbuhler erreichen kann: eine beispiellose Verbindung von einzigartiger Sammlung und Präsentation.

          Mag dieser Kraftakt, den die Trustees in einer schwierigen Zeit zu Ende führen mußten, auch durch die expansionistische Politik des Kontrahenten Guggenheim provoziert worden sein, was erreicht wurde, übersteigt auf glückliche Weise den merkantilen Zirkus, den die heute übliche Legierung aus Sponsoring, Kunst- und Kuhhandel anbietet. Denn bei aller Sorgfalt, die dem umworbenen Besucher gilt, im Mittelpunkt steht nicht die Unterhaltung, sondern die Versuchung zur Anstrengung, zum Begriff. Hier findet der Kampf um Wertungen statt, die auch außerhalb dieser Mauern zu gelten haben.

          Fabelhafte Kultstätte

          Das war schon immer die Politik dieses Hauses. Von Anfang an, seit fünfundsiebzig Jahren, legte man dort Werke und Namen auf den Prüfstand. Man tat dies mit kühlem Kopf, in Distanz und hatte auch nie Bedenken, einst Gängiges wieder abzuhängen oder zu verkaufen. Wie in einer Tropfsteinhöhle setzte sich das Sediment der Geschichte ab. Es schließt sich heute zur fabelhaften Kultstätte, für die man den richtigen Architekten gefunden hat. Denn Yoshio Taniguchi hatte mit dem Bau für den Horyuji-Schrein im Ueno-Park in Tokio angekündigt, was er für die Kunstreligion unserer Zeit zu schaffen vermöge. Und setzen wir dem gleich etwas Wichtiges hinzu: es geht bei dieser ambitiösesten Erweiterung in der Geschichte des Museums nicht allein um den amerikanischen Blick.

          Die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, die im vierten Stock ausgebreitet wird, erzählt vom Triumph der europäischen Ismen, die Fortsetzung, im Stock darunter, nimmt die Amerikaner ins polyphone Orchester auf. Von dem spannenden Zusammenspiel profitieren Amerikaner und Europäer gleichermaßen. Leider hatte die Präsentation in Berlin diesen entscheidenden Dialog völlig ausgeblendet. Die Konfrontation Giacomettis, Bacons, Dubuffets, des „Leichenhauses“ Picassos mit Pollock, Newman oder de Kooning läßt an das Psychodrama denken, mit dem sich die New Yorker Schule ihre Eigenständigkeit zu erkämpfen suchte. Sie wollte sich von einer der Geschichte verfallenen, die eigene Fatalität reflektierenden europäischen Kunst lösen. Die Leugnung des europäischen Modells gehörte damals zum amerikanischen Reinigungsritus, den die Action Painting vehement, wie einen Sturmwind einsetzte.

          Kein Land dominiert

          Die Diskussion wird im ersten Stock, in weiten, hohen Galerien, die der zeitgenössischen Kunst gewidmet sind, weitergeführt. Kein Land dominiert, keine Schule. Damit erkauft sich das MoMA seinen universalen Anspruch. Polke, Gober, On Kawara, Weiner, Blinky Palermo, Baselitz, Matta-Clark, Kippenberger, Mathew Barney, Tuymans, Peyton, Gursky, Kentridge, Jeff Wall, Whiteread setzen das fort, was die Künstler, die im letzten Saal der Abteilung „Painting and Sculpture II“ auftauchen, in Gang gebracht haben. Bruce Nauman, Eva Hesse, Joseph Beuys bilden die Schleuse zu dem, was man zum Zeitgenössischen rechnet.

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