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Das Leipziger Grassimuseum : Glattes Glashaus im rauhen Porphyr

Wie überhaupt trotz der durch moderne Bauvorschriften beschränkten Möglichkeiten großartige Lösungen auf den insgesamt 1200 zusätzlichen Quadratmetern gefunden wurden. Im ersten Stock, wo Jugendstil, Art déco und Funktionalismus (durch die nahe bei Leipzig gelegenen Werkstätten des Bauhauses und der Burg Giebichenstein sehr gut vertreten) die Zeitspanne bis zum Zweiten Weltkrieg umfassen, herrschen kleinteilige Raumeinteilungen vor.

Immer wieder gibt es anschaulich nachempfundene Innenräume aus Wohnungen, für die man auf so wichtige Ensembles zurückgreifen kann wie ein komplettes Art-déco-Speisezimmer der Leipziger Familie Treusch oder dann gleich um die Ecke eine funktionalistisch-karge Kücheneinrichtung, die Erich Diekmann 1927 entworfen hatte und die den bedeutenden, in Leipzig geborenen Kunsthistoriker Nikolaus Pevsner bis ins Londoner Exil begleitete. Hinter jeder Trennwand warten solche Überraschungen.

Ostdesign, Westdesign

Im Erdgeschoss dagegen, wo die Objekte der Nachkriegszeit ihren Platz gefunden haben, fällt die Präsentation ganz anders aus. Der lange Trakt ist komplett einsehbar - wie eine Kunsthalle. Der weitgehende Verzicht auf feste Installationen soll es ermöglichen, die hier auf gerade einmal sechshundert Stück begrenzte Auswahl aus dem gewaltigen Gegenwartsbestand des Museums häufiger zu wechseln. Dass das Design der DDR dabei einen Schwerpunkt bietet, ist klar. Aber wie reizvoll es ist, zum Beispiel die westdeutschen Geräte der Firma Braun neben den etwas späteren, aber durchaus ähnlichen des ostdeutschen Herstellers Heliradio zu sehen, das hätte man kaum gedacht.

Natürlich gibt es ankaufsbedingt (die DDR gab wenig Devisen dafür frei) Lücken in Leipzig. Amerikanisches, englisches, französisches Design ist nur rudimentär vertreten. Doch das Museum müht sich um Abhilfe. So ist im Erdgeschoss etwa das englische Wohn- und Arbeitsensemble zu sehen, das Ron Arad in den achtziger Jahren aus Stahlelementen erstellt hat. Im loftartigen Raum der Gegenwartsabteilung kommt dieser Ankauf von 1996 in einer Kabinettnische besonders gut zur Geltung. Und pünktlich zur Eröffnungsfeier am Sonntag wird eine weitere Lücke geschlossen, denn das Grassimuseum erhält zu diesem Anlass eine Schenkung zeitgenössischer Studiokeramik.

Bauhausartiger Blickfang

Sechs Bildschirmkabinette und ganz am Ende des Rundgangs eine von dem Farb- und Lichtforscher Axel Buether mit seinen Studenten entworfene multimediale Rauminstallation sind technische Einrichtungen auf dem neuesten Stand. Dennoch entstand das schönste Element als Notlösung: eine kleine Treppe, die von der Vor- in die Nachkriegszeit führt. Der Denkmalschutz gestattete keinen Umbau, also ließen die Ausstellungsmacher die Wände des steilen Treppenhauses in verschiedenen Farben streichen, hängten einige von Wagenfeld entworfene Kandem-Leuchten an die Decke und schufen durch Milchverglasung einer geometrisch gerasterten Außentür einen subtilen bauhausartigen Blickfang an den Fuß der frisch restaurierten Porphyrstufen.

Das Haus selbst ist eben das größte Kunstwerk im Bestand des Grassimuseums, und es wird fortan mit größtem Geschick inszeniert.

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