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Digitale Kunst im ZKM : Spiel mir das Lied vom Code

Der Mensch ist mehr als die Summe aller Pixel: aus der Ausstellung „Open Codes“ im ZKM. Bild: ZKM

Im Karlsruher ZKM zeigt eine Schau, was das Leben in digitalen Welten ausmacht. Selten wurde die Beziehung zwischen Mensch und Maschine so klug dechiffriert wie hier.

          Freier Eintritt, freies W-Lan, frisches Obst und Kaffee kostenlos für jedermann: Wer sich bildet, soll belohnt werden, wenn er schon nicht für seine Bemühungen bezahlt werden kann – was der Künstler und Kurator Peter Weibel, Leiter des Zentrums für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe, freilich noch viel besser fände. Doch auch er kann die Kunst- und Kulturvermittlung nicht gänzlich umstülpen, dafür aber das Innere jener gleichermaßen geheimnisvollen wie allgegenwärtigen Apparate nach außen wenden, die unser digitalisiertes Leben codieren. In den Black Boxes der elektronischen Maschinen stecken die Befehle, von denen wir beim Wischen, Tippen und Klicken auf den spiegelnd glänzenden Benutzeroberflächen nichts sehen, von denen wir aber, findet Weibel, eine Vorstellung haben sollten, wollen wir mündige Bürger des 21. Jahrhunderts sein. Und so will diese Ausstellung dem Besucher eine Art Schlüsselbund zu einer verschlossenen Welt an die Hand geben und Herrschaftswissen demokratisieren helfen.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          „Open Codes“ heißt die Schau, die sich seit ihrer Eröffnung im Herbst stetig verändert und wegen des großen Publikumszuspruchs bis zum Anfang des kommenden Jahres verlängert wurde. Der Titel ist Aufforderung zum Codeknacken und Zustandsbeschreibung der Offenlegung in einem; schon das Plakat ist nicht gestaltet, sondern codiert. Die Buchstaben für den Schriftzug stammen nicht aus dem Zeichenschatz unseres Alphabets, sondern sind das Ergebnis einer von Adam Slowik, Christian Lölkes und Peter Weibel eigens für die Ausstellung entwickelten, dreidimensionalen Notation. Jeder kann sie in Karlsruhe ausprobieren: Ein vierfach gewinkeltes Metallrohr mit eingebautem Lagemesser wie im Smartphone zeigt als Projektion, je nach Position im Raum, den Schattenriss eines Buchstabens.

          Schreiben wird mit dem „Alphabet Space“ zur raumgreifenden Geste, die – digital in Echtzeit weltweit übertragbar – zugleich die Grenzen des Raums sprengt. Wie Leibniz, der Vater des binären Codes, gezeigt hat, dass es nur Nullen und Einsen braucht, um alle Zahlen darzustellen, soll der Besucher sich spielerisch als Zeichenreduzierer betätigen und mit einem auf einen einzigen Gegenstand reduzierten ABC hantieren. Mögliche Anwendungsgebiete? Vielleicht in VR-Computerspielen, sagt Weibel.

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          Spiel ist das Stichwort. Digitalisierung, Codierung, Informatik: das klingt doch nur nach Arbeit, und zwar für Nerds. Und welche visuellen Reize können schon Blockchain und Überwachungssoftware setzen? Für den klassischen „White Cube“ der Ausstellungsarchitektur ist „Open Codes“ denkbar ungeeignet. Also präsentiert sich die Schau wie ein Google-Campus im Westentaschenformat oder das Sharing-Economy-Büro eines Start-ups, das zum Aktivwerden auffordert. Nach Werkstatt aussehende Metallregale fungieren in den Lichthöfen des ZKM als Raumteiler zwischen Arbeitsinseln, Lounge-Bereich, Leseecken, Schaukästen, frei stehende Exponate, Mitmachstationen und eine Tischtennisplatte zwischen Grünpflanzen. Darüber strahlt die Cloud symbolisch als wolkenförmige Lampe (Weibel) und morst ein Muranoleuchter Texte über Astrophysik(Cerith Wyn Evans). Jeder kann sich darum bewerben, einen Vortrag über ein Digitalthema seiner Wahl zu halten, ein Hackathon mit Studenten und ein vielfältiges, ständig aktualisiertes Begleitprogramm machen das Museum zum offenen Forum, zum „bildungspolitischen Experiment“. Weibel ist stolz darauf, dass schon vor Bekanntwerden des Facebook-Skandals im ZKM ein Vortrag über Cambridge Analytica zu hören war.

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