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Digitale Kunst im ZKM : Spiel mir das Lied vom Code

Den Weg durch den Ausstellungsparcours voller Disparitäten weisen ein Farbleitsystem und Hashtags wie #GenealogieDesCodes, #MaschinellesLernen, #VirtuelleRealität und #GenetischerCode, die mehr assoziativ sortieren als streng kategorisieren. Es gibt eine App, eine Broschüre und jede Menge Informationen online.

Rund zweihundert Schaustücke, etwas mehr Kunstwerke als naturwissenschaftliche Objekte, bietet „Open Codes“ auf. Viele bewegen sich im Grenzbereich wie Bernd Lintermanns ernste Spiegelspielerei „YOU:R:CODE“, die einen in die Ausstellung führt. Erst wirft ein herkömmlicher Spiegel das Bild des Besuchers zurück, dann wird sein Bild von einem digitalen Spiegel erfasst, von den Buchstabenfolgen des genetischen Codes aufgelöst und, abermals verwandelt, gescannt nach Markern, die sich in Informationen wie Geschlecht, Größe, Alter ableiten lassen, bis sich das Spiegelbild auf einem Schaltbrett in analoge Bildpunkte aufrastert. So sehen uns also die Maschinen, denen wir immer mehr Aufgaben anvertrauen: als Codes, die in immer andere Datenkörper übersetzt werden können. Welche Spuren wir als Datenträger respektive Smartphoneträger hinterlassen, legt eine Installation von Alex Wenger und Max-Gerd Retzlaff offen.

Im digitalen Labyrinth: In der Ausstellung „Open Codes“ sind die Betrachter auch als Akteure gefordert.

Welche Rechte mit Künstlicher Intelligenz ausgestattete Maschinen für sich fordern könnten, stellt eine Installation der Künstlergruppe Rotolab zur Debatte, in der ein stiftbewehrter Roboter aus der Autofertigung an einem Schreibpult ein endloses Manifest verfasst, das er aus einem Fundus ethischer Texte und Gesetze generiert. „Die Würde des Systems ist unantastbar“, schreibt der Roboter und liquidiert das Humane – man kann an Kafkas „In der Strafkolonie“ dabei denken.

Aber „Open Codes“ ist keine dystopische Ausstellung, im Gegenteil. Sie legt Codierung als Kulturtechnik offen, die als Kunst der Kombinatorik bis in die mittelalterliche Theologie zurückreicht und über die philosophische Disziplin der Logik in die Mathematik und Elektronik wanderte. Historische Morsetelegraphen finden sich ebenso in der Ausstellung wie eine Enigma-Codiermaschine und frühe Transistoren. Gleich daneben stellen sich Fragen der Gegenwart: Nach welchen Kriterien entscheiden autonome Fahrzeuge, welches Leben sie im Unglücksfall schonen und welches opfern sollen? Was passiert, wenn zwei Bots miteinander flirten? Wie codiert ein Sprachcomputer Agenturmeldungen um, wenn er die Anweisung erhält, affirmative oder kritische Sprache zu verwenden? Wie schöpfen Bitcoin-Miner Werte? Können Zahlen für illegal erklärt werden, weil sie zur Verschlüsselung verwendet werden? Und wie verändert es unsere Selbstwahrnehmung, wenn wir uns in der virtuellen Realität bewegen?

Man kann in der Ausstellung dem Rauschen des Universums lauschen, betörenden Fraktalbildern bei ihrer Errechnung zusehen, sich über die Luftqualität deutscher Innenstädte informieren oder mit Demokratie und E-Governance befassen. Ob man nur an einem Regler drehen und sich über die Belohnung in Form von elektronischen Klängen freuen will, literweise Kaffee trinken oder lernen möchte, wie DNA-Moleküle als Datenspeicher für Texte und Bilder umgenutzt werden, hat jeder selbst in der Hand. Und so ist „Open Codes“ vor allem eine Ermutigung dazu, sich der Entschlüsselungssoftware mit der größten Decodierungskraft zu bedienen: des eigenen Verstands.

Open Codes. Leben in digitalen Welten, bis zum 6. Januar 2019 im ZKM Karlsruhe.

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