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Kunst im Büroturm : Guten Morgen, Bankfurt!

  • -Aktualisiert am

Überraschung zwischen den Hochhäusern: Das Frankfurter Museum für Moderne Kunst gibt es jetzt auch im Taunusturm - aus seiner Platznot hat es eine Tugend gemacht. Die Premiere gehört den Künstlerinnen.

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          Gestern war also der erste normale Betriebstag, der Beginn des Alltags im Leben des MMK2, der neuen dritten Schaufläche des Frankfurter Museums für Moderne Kunst. Zugleich eine Deutschlandpremiere: Wer hierzulande an Museen denkt, hat frei stehende Bauten vor Augen, Solitäre, die sich über mehrere Stockwerke und Gebäudeflügel ausdehnen. Dieser Vorstellung entspricht das Haupthaus des Museums für Moderne Kunst, das 1991 an der Domstraße eröffnet wurde und wegen seiner Form und Farbe das „Tortenstück“ heißt. Schräg gegenüber befindet sich das MMK3, ein weiterer Ausstellungsraum, ein Trabant des Mutterplaneten.

          Anders das MMK2. Es besitzt zwar einen eigenen Eingang, von der Taunusanlage aus, dem Grüngürtel durch das Bankenviertel. Ansonsten ist das MMK2 jedoch kleiner Gastorganismus eines großen Wirts, eines Bürohochhauses nämlich mit vierzig Stockwerken, genannt „Taunusturm“. Gebaut hat ihn das international operierende Immobilienunternehmen Tishman Speyer. Die zweite Etage bot man dem Museum an, es sagte zu. In Korea oder Japan, so Susanne Gaensheimer, die Museumsdirektorin, im Gespräch mit dieser Zeitung, seien Museen in Bürohochhäusern oder sogar Shopping Malls längst üblich. Nun gibt es das auch in Deutschland.

          In der Biologie spricht man, wenn zwei artfremde Partner eine Lebensgemeinschaft eingehen, die für beide nützlich ist, von Symbiose. Clownfische und Seeanemonen sind ein Beispiel dafür. Das Tentakellabyrinth bietet dem Fisch Schutz, die Anemone verwertet dessen Speisereste. Als eine solche Win-Win-Situation wurde auch das Zusammengehen von Museum und Immobilienentwickler der Öffentlichkeit präsentiert: Tishman Speyer kann seine Kunden mit Kunst ködern, eine Strategie, die die Firma weltweit einsetzt. In Frankfurt hat sie vor dem Messeturm, ebenfalls eine Immobilie des Unternehmens, bereits den „Hammering Man“ von Jonathan Borofsky aufgestellt; im OpernTurm hängt Julian Schnabels „Ahab“.

          So wenig Bankfurt wie möglich

          Jerry Speyer, einer der Gründungspartner, ist Chairman des New Yorker Museum of Modern Art, außerdem Kunstsammler - von was, weiß kein Mensch. „Jerry Speyer“, heißt es auf Anfrage dieser Zeitung, „does not discuss art purchases publically.“ Kein Kommentar zur privaten Ankaufspolitik also. Wo Mäzenatentum aufhört und Investieren anfängt, bleibt daher im Dunkeln, eine Unterscheidung, die in Amerika, wo Kulturförderung vornehmlich in privaten Händen liegt, ohnehin nicht viel mehr als ein Achselzucken auslöst. In Deutschland allerdings, mit seinen öffentlich finanzierten Museen, legt man bisher auf diese Differenz und die damit einhergehende Unabhängigkeit Wert.

          Welchen Vorteil zieht also das Museum aus der Verbindung? Es erhält zweitausend Quadratmeter Ausstellungsfläche zusätzlich, Tishman Speyer und die Commerz Real AG stellen diese fünfzehn Jahre lang miet- und nebenkostenfrei zur Verfügung. Das Museum oder die Stadt bezahlen keinen Cent, und sollte das Experiment scheitern, bleibt niemand auf einer Betonruine sitzen. Kurzum: Im Vorfeld fanden alle Beteiligten, das Museum, die Unternehmen, die Stadt, nur lobende Worte - und trotzdem wurde man den Verdacht nicht los, das Ganze könnte zu einem Albtraum werden, einem neokapitalistischen Vergnügungspark in einer Luxusimmobilie, mit Life-Work-Balance, Wellnesscharakter und wertsteigerndem Kunstambiente für die oberen Zehntausend.

          Stimmt die düstere Vision? An diesem Morgen scheint sich Frankfurt Mühe zu geben, so wenig Bankfurt wie möglich zu sein. Vor dem Taunusturm parkt die Feuerwehr, eine Routinebegehung, um im Notfall die Tücken des Hauses zu kennen. Das Ganze wirkt wie ein Scherz, denn hinter dem Empfangstisch in der Lobby hängt ein Werk des Künstlers Theaster Gates, das Tishman Speyer gehört - und aus zusammengenähten Feuerwehrschläuchen besteht.

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