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Neubau für das BMI : Das Bundesinnenraumwunder

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Die Zelte in Bonn sind abgebrochen, alles strebt nach Berlin. Zu Reichstag und Kanzleramt stößt jetzt der neue Sitz des Innenministeriums. Das perfekte Bauwerk für die Beamtenlaufbahn.

          Als der Bundestag 1991 mit einer Mehrheit von nur achtzehn Stimmen den Beschluss fasste, Parlament, Regierung und viele Ministerien von Bonn nach Berlin zu verlegen, stand viel Symbolisches zur Abstimmung. Berlin wieder zum Zentrum der deutschen Politik zu machen: War das die nur logische Folge der Wiedervereinigung, oder wären im Schatten der deutschen Geschichte nicht weiterhin Demut, also Bonner Föderalismus und die bescheidenen Bauten am Rhein, das angemessenere Signal gewesen?

          Nach dem Hauptstadtbeschluss, der ohne Fraktionszwang zustande kam, wurde die Diskussion auf zahlreichen Baustellen weitergeführt. In Berlin zu bauen heißt, historisch vermintes Gelände umzupflügen. Es begannen herrliche Jahre des politischen Architekturfeuilletons. Der Reichstag mit oder ohne Kuppel? Palast der Republik oder Stadtschloss? Darf man „Nazi-Ministerien“ umnutzen? Wird das Kanzleramt ein formaler Verwandter des eher verspielten Bonner Kunstmuseums oder doch ein Bau der neuen „Berliner Steinfraktion“? Also jener Architektursprache, die schnell in den Verdacht geriet, heftig mit den dreißiger Jahren zu flirten. Und was folgt aus alledem?

          Ein Neubau als Nachrichtenthema

          Mit zwanzig Jahren Abstand lässt sich sagen: wenig. Reichstagskuppel, Schloss und der Amtssitz des Finanzministers im ehemaligen Göringschen Reichsluftfahrtministerium haben zu keinem politischen Rechtsruck geführt. Ebenso wenig hat die „Bonner“ Architektur des neuen Kanzleramts den Regierungsstil beeinflusst. Architektur steht lange, die Debatten darüber aber sind von der Tagespolitik gefärbt. So befindet sich – Stichwort Euro- und Griechenland-Krise – die derzeit umkämpfteste Architektur der Republik in Frankfurt am Main, wo im März die Eröffnung der Europäischen Zentralbank von reihenweise brennenden Polizeifahrzeugen begleitet war.

          Auch der Neubau des Bundesnachrichtendienstes schafft es in die Tagesschau, häufig sogar, obwohl er noch gar nicht fertig ist. Architektur und Inhalt scheinen beim BND auf unheilvolle Weise miteinander verwoben zu sein. Es gibt keinen schöneren Beleg für die Undurchdringlichkeit des Überwachungsapparats als ein Bild seiner Zentrale mit ihren Abertausenden gleichen Fenstern auf den schier kilometerlang abgewickelten Fassaden. Welcher Chef kann den Überblick behalten, was dahinter vor sich geht?

          Blickkontakt zum Kanzleramt

          Der Neubau des Bundesinnenministeriums (BMI) hat zwar, verglichen mit dem BND, nur etwa ein Drittel an Mitarbeitern und Fläche unterzubringen, ist aber auch kein kleines Gebäude. 1400 Beamte sind hier eingezogen, gut zwanzig Minuten dauert es, erzählt stolz der Architekt Ivan Reimann, einmal um das Gelände herumzugehen. Es ist bereits das zweite Bundesministerium, das Reimann zusammen mit seinem Büropartner Thomas Müller entworfen hat. 1999 wurde ihr Erweiterungsbau des Auswärtigen Amts am Werderschen Markt übergeben – ein Gebäude, das mit seinem riesigen öffentlichen Glasfoyer vis à vis der Schinkelkirche viele Befürchtungen zerstreuen konnte, die neuen Ministerien würden als Festungen geplant. Seither aber sind die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft worden. Das BMI hat daher keine öffentlichen Bereiche. Dafür ist es von einem Zaun umgeben, der zur Hälfte aus – wirklich – nichts besteht. Ein kleines technisches Meisterwerk, einer der vielen Kniffe, die die Architekten angewandt haben, um die Verwaltungsmaschinerie ein wenig humaner zu gestalten.

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