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Dänische Malerei in Hamburg : Alles eine Frage der Temperatur und des kühlen Kopfes

  • -Aktualisiert am

In der Hamburger Kunsthalle machen dänische Maler die Moderne auch ohne uns bewohnbar. In den Bildern etwa von Vilhelm Hammershøi wird um 1900 sogar das Licht in leeren Innenräumen wie später bei Edward Hopper zum alleinigen Thema.

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          An der Oberfläche des Sees Sortedam in Kopenhagen lässt sich ein zarter Luftzug erahnen. Der Himmel strahlt in gedämpften Rosatönen. Die Zeit auf der menschenleeren Ölstudie von 1837 scheint festgefroren. Fast meint man das Geräusch des Pinsels zu hören, den Christen Købke, ein Vertreter des dänischen „Goldenen Zeitalters“, versteckt im Weidengebüsch auf die Leinwand setzte, bevor es ihn ein Jahr später nach Capri verschlug.

          Hier richtete er den Blick auf das Meer, die schäumenden Wellenkronen und felsigen Ufer. Das strahlende Licht des Südens sucht man in den wilden Szenerien indes vergeblich. Wieder droht der Himmel jeden Moment von Rosa in ein bedrohlich blasses Braun umzuschlagen. Zurück im Norden, starb dieser melancholische Italien-Reisende an den Folgen einer Lungenentzündung. Neben den Capri-Impressionen hinterließ er auch unzählige Wolkenstudien, die in den Besitz des Malers P.C. Skovgaard übergingen.

          Wegen Umbaus auf Reisen

          Vielleicht interessierte sich dieser für das Werk des Kollegen, weil sie mit dem Wasserschloss Frederiksborg ein Lieblingsmotiv teilten? In dem Renaissance-Schmuckstück wurden seit dem siebzehnten Jahrhundert die dänischen Könige gesalbt. Hundert Jahre später verlor das Land seine Vormachtstellung in Skandinavien und zog sich hinter die Kerngrenzen zurück. Eine Kränkung, die sich fortan in der manischen Suche nach heimischen Motiven spiegelte.

          Christen Købkes „Partie von der Dossierung in Kopenhagen mit zwei Jungen auf einem Steg“, eine um das Jahr 1837 gemalte Studie Bilderstrecke

          Offenbar war dies auch für Skovgaard ein willkommener Ausgangspunkt, seinen nationalromantischen Gefühlen in einem Großformat Ausdruck zu verleihen, nicht ohne dabei Zweifel an der eigenen Courage zu bekommen. Unentschieden fokussiert er erst den Blick auf das Bauwerk, um dann nach links zur Landschaft weiterzuwandern und dem apathisch dahindösenden Himmel schließlich die Hälfte der Leinwand zu überlassen.

          Beide Positionen finden sich in der Sammlung des Versicherungsdirektors Wilhelm Hansen und seiner Frau Henny. Seit den 1890er Jahren frönte das Paar auf seinem Landsitz Ordrupgaard der Leidenschaft für die dänische Malerei des neunzehnten Jahrhunderts. 1953, nach der Schenkung an den Staat, mündete diese in die Eröffnung eines Museums. Inzwischen werkelt man an einem unterirdischen Anbau, weswegen eine 48 Bilder umfassende Auswahl der insgesamt 140 Werke gerade unter dem Titel „Im Licht des Nordens“ in der Hamburger Kunsthalle Station macht.

          „Tanz der Staubkörnchen in den Sonnenstrahlen“

          In den fünf Kabinetten trifft man neben den Freilichtmalern von der Insel Fünen, die das sommerliche Landleben ganz nach dem Geschmack ihrer Zeit idealisierten, auch auf Theodor Philipsen. Der Impressionist ließ sich, wenn auch ohne sichtbare Spuren, von Paul Gauguin beeinflussen, den er 1884 in Kopenhagen kennenlernte. Während der Franzose das bretonische Dorf Pont-Aven in irreal leuchtende Farben eintauchte, begnügte sich Philipsen damit, die allgegenwärtigen Kühe der Insel Saltholm mit den braun-gelben Schattierungen der Landschaft zu verschmelzen – eine etwas matte Paarung, der zur Abwechslung jegliche Begeisterung für den ländlichen Alltag abgeht.

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