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Hockneys Corona-Botschaft : Denkt daran, dass der Frühling nicht gestrichen werden kann

Die Osterglocken: Eine Botschaft von David Hockney - zur Aufheiterung Bild: David Hockney

Wenn sie trinken, sterben sie; wenn sie nicht trinken, sterben sie auch: Aus der Abgeschiedenheit der Normandie hat der Künstler David Hockney die Osterglocken als Hoffnungsträger in die auf den Kopf gestellte Welt gesetzt.

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          Im Frühling gebe es einen Moment, in dem die Natur erotisiert sei, hat David Hockney einmal gesagt. Es sehe dann so aus, als sei Champagner über die Büsche gegossen worden. Hockney hat schon immer seine Freude an der Natur und ihrem unendlichen Reichtum an Motiven im Wechsel der Jahreszeiten in frischen, leuchtenden Farben vermittelt. Je älter er wird, desto üppiger ist seine Palette, was sich wohl auch aus seiner Verwendung der digitalen Technologie erklärt.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Aus der Abgeschiedenheit der Normandie, wo der 82 Jahre alte Brite zurzeit lebt, hat er jetzt diese Vitalität ausströmenden Osterglocken als Hoffnungsträger in die von der Corona-Pandemie auf den Kopf gestellte Welt gesetzt mit der Botschaft: „Denkt daran, dass der Frühling nicht gestrichen werden kann.“ David Hockney hat das Bild am Mittwoch auf seinem iPad mit der Brushes-Anwendung gemalt, die der technophile Künstler schon seit einigen Jahren so gewandt einsetzt wie Pinsel und Zeichenstift.

          Lächelnd, oft mit Zigarette

          Die vor wenigen Wochen in der Londoner National Portrait Gallery eröffnete, jetzt leider nicht zugängliche Ausstellung, die eine Werksbesichtigung durch seine Porträtzeichnungen von den fünfziger Jahren bis in die Gegenwart ist, zeigt eine ganze Serie von Selbstbildnissen, für die er die Leinwand gegen den Bildschirm ausgetauscht hat. Sie sind eine Art Selfie-Tagebuch. So, wie der Künstler die Wandlungen der Natur durch die Jahreszeiten festhält, zeichnet er sich selbst zu verschiedenen Tageszeiten in unterschiedlichen Stimmungen und Bekleidungen, mal grimassierend, mal lächelnd, oft mit einer Zigarette zwischen den Lippen in trotziger Missachtung der Gesundheitsapostel.

          Seinen Wegzug aus Kalifornien nach fünfundfünfzig Jahren dort hatte er mit der „zensorischen Einstellung“ zum Rauchen in Los Angeles begründet. In Frankreich sei es ihm gestattet, gleichzeitig zu essen und zu rauchen. Die Franzosen wüssten das Leben zu genießen. Vor zwei Jahren hat er sich in ein aus dem Jahr 1650 datierendes Haus in der Normandie verliebt, umgeben von Obstbäumen, Hagedornhecken und Holunderbüschen, die seine Kunst nähren.

          David Hockney hält es mit dem Spruch auf einem burgundischen Weingut: „Wenn sie trinken, sterben sie; wenn sie nicht trinken, sterben sie auch.“ Derweil zeichnet er unermüdlich weiter. Mit seinen prallen Osterglocken vor einer Landschaft, die noch nicht aus dem Winterschlaf erwacht ist, ruft David Hockney die uralte Frühlingssymbolik von Auferstehung und Neugeburt in Erinnerung. Ein erhellendes, lebensbejahendes Zeichen in trüben Tagen.

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