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Coop Himmelb(l)au in Frankfurt : Träumend, feurig und brutal

Architektur muss emotional sein, sagt Wolf D. Prix. Sein Architekturbüro Coop Himmelb(l)au hat den EZB-Turm gebaut. Das Deutsche Architekturmuseum widmet drei Großprojekten des weltbekannten Büros eine Schau.

          Es ist schade, dass man Wolf D. Prix nicht als Museumsführer buchen kann. Der exzentrische Wiener wäre der perfekte Begleiter durch die Ausstellung, die das Deutsche Architekturmuseum seinem Werk gewidmet hat.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Selten verschmelzen Entwurf und Verfasser so zu einer Einheit wie bei dem Gründer des Büros Coop Himmelb(l)au. Zumindest in seinen Zitaten ist Prix zwar schon jetzt ein Teil der Ausstellung. Aber auch in Persönlichkeit und Erscheinungsbild ist er ein derart starkes Original, dass zumindest eine Pappfigur an ihn erinnern sollte.

          Architektur muss zärtlich und emotional sein

          Bei der Eröffnung zum Beispiel ließ es sich Prix nicht nehmen, persönlich den Rundgang durch die Schau im Erdgeschoss des Museums zu leiten. Er tat es mit Nonchalance und spitzbübischer Koketterie. Prix nahm die Interpretation und Erläuterung seiner Entwürfe gleich selbst in die Hand: „Wir sind 1968 angetreten, um die Architektur sofort und radikal zu verändern.“ Mit dem „sofort“ habe es zwar nicht geklappt, mit dem „radikal“ aber schon.

          Aus jenen Anfangsjahren stammt auch das Manifest „Architektur muss brennen“, mit dem Prix und seine Mitstreiter die Baukunst emotionalisieren wollten. „Wir aber haben keine Lust, Biedermeier zu bauen“, heißt es da. Architektur müsse schluchtig, feurig, brutal, zärtlich, geil, träumend und herzschlagend sein. An die frühen Kunstaktionen des Büros erinnern einige Bilder.

          Sie zeigen Räume, die pulsieren wie Ballons, und Skulpturen, die auf Herzschlag und Mimik reagieren. Die berühmteste Aktion ist sicher jene von 1970, als auf einem Feld mehrere Explosionen durch Herzschläge ausgelöst wurden.

          Mit dem Zufall im Bunde

          Aber auch bei den drei aktuellen Großprojekten, die im Mittelpunkt der Ausstellung stehen, ist Prix seinem Vorsatz treu geblieben. Zahlreiche Modelle und großformatige Fotos zeigen den neuen Sitz der Europäischen Zentralbank im Frankfurter Ostend, das Musée des Confluences in Lyon und das Dalian International Conference Center in China.

          Prix sagt über seine Entwurfsmethode, dass der Zufall und das Unbewusste eine zentrale Rolle spielten. Die zahlreichen Modelle des EZB-Turms jedoch, die in der Ausstellung zu sehen sind, sprechen eher dafür, dass Prix den Zufall sehr kalkuliert verwendet. Zig Modelle des EZB-Turms sind zu sehen, und das ist nur ein Drittel.

          Erst durch ständiges Schärfen, Verwerfen und Verfeinern ist das Projekt zur endgültigen Form gelangt. Prix mokiert sich zwar darüber, dass vom Architekturwettbewerb bis zum Bau der EZB sieben Jahre vergangen sind. Aber im Grunde kann er sich freuen, denn erst in der langwierigen Überarbeitungsphase ist der Entwurf zu einem überzeugenden Ergebnis gelangt.

          Für seine Kritiker ist der EZB-Turm ein Ausdruck der Macht. Prix hält nicht viel von dieser eindimensionalen Betrachtung, er spricht von einer „offenen Architektur“. Eine Besichtigung des Turms bleibt normalsterblichen Besuchern freilich verwehrt. Das machen die Innenaufnahmen nur zum Teil wett, die an den Wänden des Architekturmuseums hängen.

          Markenzeichen ist aufregende Geometrie

          Die Fotos wurden auf Tuch gedruckt, das sich leicht im Luftzug bewegt. Dieser Effekt verleiht den Entwürfen eine zusätzliche Leichtigkeit. Das passt gut, immerhin war Prix 1968 mit dem Anspruch angetreten, Architektur leicht und veränderbar wie Wolken zu machen.

          Das Markenzeichen von Coop Himmelb(l)au ist die aufregende Geometrie, die die Gebäude unverwechselbar macht. Zum unverkennbaren Stil des Büros gehören auch die Verwendung von Aluminium, die geschuppte Fassade und die fließenden, phantasievollen Formen. Sie sind nicht immer leicht zu bauen. Aber mit der Unterstützung von klugen Ingenieuren gelingen auch komplexe Tragwerke und freie Formen für Gebäude, die zu schweben scheinen. Für Prix hat das Methode: „Hätte Dädalus statt Wachs Silikon verwendet, würde Ikarus heute noch fliegen.“

          Informationen

          Die Ausstellung ist bis zum 23. August im Deutschen Architekturmuseum, Schaumainkai 43 in Frankfurt, zu sehen.

          Führungen samstags und sonntags um 15 Uhr.
          Weitere Infos finden Sie hier.

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