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Commerzbank bald ohne Giacometti : Der Schatten des dünnen Mannes

Die Commerzbank lässt eine Giacometti-Bronze versteigern, die sie von der Dresdner Bank geerbt hat. Das Institut will so soziale Verantwortung zeigen.

          Diese Nachricht ist wirklich eine: Am 3. Februar lässt die Commerzbank bei Sotheby's in London ein Exemplar von Alberto Giacomettis „L'Homme qui marche I“ versteigern, eine seiner eminentesten Skulpturen. Es handelt sich dabei um jenen Guss der Bronze, den um 1980 die Dresdner Bank für ihre Kunstsammlung ankaufte und der seither als das zentrale Stück dieses Bestands gilt. Der „Schreitende Mann“ hatte seinen Standort traditionell im Vorstandsgebäude der Dresdner Bank an der Frankfurter Gallusanlage; Gastspiele gab er zum Beispiel 1994 in der Höchster Jahrhunderthalle oder 1998 im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Es war wohl bloß eine Frage der Zeit, wann die erste Bank sich von Kunstwerken trennen würde. Nun tut es die Commerzbank, die mit der Übernahme der Dresdner Bank vor einem Jahr auch deren bedeutende Kunstsammlung bekam. Beinah sieht es so aus, als habe sich die, anders als die wichtigen deutschen Banken in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend kunstabstinente Geldanstalt daran verschluckt. Immerhin kamen da rund dreitausend Werke der Sparten Skulptur, Installation, Malerei oder Fotografie auf die Commerzbank, viele davon ausgesprochen aufwendige Arbeiten, die speziell für die Standorte des einverleibten kunstsinnigen Instituts geschaffen wurden.

          Eine Botschaft vom Vorstandsvorsitzenden

          So verzeichnet der Katalog „Kunstsammlung Dresdner Bank“ aus dem Jahr 2007 in gut hundert Positionen die Crème internationaler Nachkriegskunst. Die seit den siebziger Jahren zunächst deutlich konstruktivistisch und konzeptionell orientierte Kollektion griff später auf jüngere Künstler aus, wie Julian Opie, Karin Kneffel oder Michael Wesely - gediegen, verantwortungsbewusst und werthaltig.

          In der Mitteilung der amerikanischen Auktionsfirma hat Martin Blessing, der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, eine Botschaft formuliert: „Wir haben durch die Übernahme der Dresdner Bank eine namhafte Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst geerbt. Nun haben wir das wertvollste Werk aus der Sammlung ausgewählt, um dieses in London zu versteigern. Im Hinblick auf unsere vorrangig soziale und gesellschaftliche Verantwortung werden wir den Erlös aus der Auktion unseren Stiftungen sowie, mit einer Auswahl bedeutender Kunstwerke aus der ehemaligen Dresdner-Bank-Sammlung, ausgewählten Museen in Deutschland zukommen lassen; weitere Details, welche Kunstwerke dies sind, werden zu gegebener Zeit bekanntgegeben.“

          Das wertvollste Werk der Sammlung

          Immerhin, so heißt es, werde der gesamte Erlös des Giacometti in die Stiftungen und Museen fließen. Dafür sollen aber die rund hundert Werke, die Blessing den Museen ankündigt, dort als Dauerleihgaben geparkt werden. Es sei die Frage gestattet, ob sich dieses Modell inzwischen nicht doch schwindender Beliebtheit erfreut? Dass mit dem Giacometti das bei weitem wertvollste Werk der Dresdner-Bank-Sammlung verauktioniert wird, geschieht auch, so heißt es, um nicht die schwierige Entscheidung treffen zu müssen, welchem Museum der Vorzug zu geben sei.

          Wäre es nicht eine schöne Geste gegenüber Frankfurt gewesen, die sinnreiche Plastik einem Museum dieser Stadt zu überlassen? Ganz bestimmt wird der lebensgroße „Schreitende“, einer von sechs Güssen der Skulptur zu Giacomettis Lebzeiten, die er einst für die Chase Manhattan Plaza in New York entwarf, gut Geld verdienen: Die Schätzung liegt bei zwölf bis achtzehn Millionen Pfund. Eine Orientierung: Teuerster versteigerter Giacometti bisher ist die gut 2,7 Meter hohe „Grande femme debout II“, die im Mai 2008 in New York 24,5 Millionen Dollar einspielte.

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