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Eckersberg in der Kunsthalle : Malerkönig des Goldenen Zeitalters

  • -Aktualisiert am

Gutsituierte Bürgerlichkeit strömt aus jedem Bilderrahmen. Trotzdem sind die Darstellungen nicht vom Wohlstand gesättigt: Der Däne Christoffer Wilhelm Eckersberg in der Kunsthalle Hamburg

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          Wie poliert sehen die Frauenfiguren auf den Porträts des dänischen Malers Christoffer Wilhelm Eckersberg aus, so glatt ist die Oberfläche, auf der kein Pinselstrichlein auszumachen ist. Und doch haben diese zarten Figuren mit den runden Armen eine höchst lebendige Wirkung, durch Rötungen auf den Wangen oder dem Dekolleté, die entweder Spuren empfindsamer Erregung oder Effekt geschickten Schminkens sind. Manche dieser Frauen posieren mit leichtem Unbehagen, wie es das zeitgenössische Gebot der Scham und Schicklichkeit fordert, manche aber schauen uns mit unbefangener Direktheit an.

          Umso erstaunlicher, dass seit den dreißiger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts die Perspektive das Steckenpferd des Malers war, der 1818 als Professor für die Modellklasse an die Kopenhagener Kunstakademie berufen wurde. Er hat zwei Traktate über perspektivisches Darstellen verfasst und mit zahlreichen ambitionierten Illustrationen versehen.

          Eine besondere Aufmerksamkeit widmete Eckersberg den Schatten, die sich scheinbar von Menschen und Gegenständen ablösen und ein unheimliches Eigenleben führen. Doch hat sich der Maler ohnehin nicht auf ein Genre festgelegt. Begonnen hatte er mit Historienmalerei, berühmt und wohlhabend wurde er zunächst mit Porträts, dann mit Landschaften und Seestücken, gute Einnahmen hatte er schließlich durch kleine, für die diskreten Räume des Hauses vorgesehene Akte.

          Eckersberg hatte das Glück, ein Vertreter des dänischen Goldenen Zeitalters zu sein, wenn nicht sogar dessen Verkörperung. Dieses begann 1816, also in dem Jahr, als der preisgekrönte Absolvent von einer sechsjährigen, durch den Akademiepreis finanzierten Studienreise nach Paris und Rom zurückkehrte nach Kopenhagen. Erst die politischen Unruhen um 1848 beendeten diese Blütezeit der dänischen Malerei, deren Niedergang auch Eckersberg nicht lange überlebte; er starb 1853.

          Die Protestantische Pracht von Kopenhagen

          Gutsituierte Bürgerlichkeit verströmt seine Malerei aus allen Bilderrahmen, und doch sind es keine einfachen, allein von Wohlstand gesättigten Darstellungen. Sie leben von sozialer Phantasie, wie die kleinen, aber sprechenden Gesten zeigen, und einem Sinn für das Materielle, für das Hantieren mit alltäglichen Gegenständen, das wir so gut von Menzel kennen. Ein Bildchen von 1832, das mit Börse, Schloss und der Holmens Kirke stolz die städtisch-protestantische Pracht von Kopenhagen präsentiert, zeigt im Vordergrund eine sich über das Wasser hinweg aufspannende Szene, die uns in unbefriedigter Neugierde zurücklässt. Warum legt der Herr im Zylinder verschwörerisch den Finger auf den Mund? Hat er die junge Mutter, die erklärend die Hand vorstreckt, bei einem heimlichen Treffen mit dem lässig am Zaun lehnenden Mann erwischt?

          Großartig in seiner sozialen Intelligenz ist auch der 1837 entstandene monumentale Akt eines elfjährigen Mädchens, das in doppelter Hinsicht in einem unbestimmten Raum plaziert ist. In leichter Drehung und mit schamhaft gesenktem Kopf steht sie vor ochsenblutroter Farbe, ort- und schutzlos, und kehrt so die unerträgliche Situation dieses Modellstehens hervor. Es handelt sich um die kleine Tochter des Nachtwächters, die dieser dem Maler zur Verfügung stellte - ein lukratives Geschäft für den Vater auf Kosten des Mädchens.

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