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Chillida-Skulptur in Düsseldorf : Ist das Kunst, oder kann das weg?

Düsseldorfs Kulturverständnis: Statt sie während der Tunnelarbeiten in Sicherheit zu bringen, wird die Eisenskulptur „Monumento“ von Eduardo Chillida vor dem Thyssen-Hochhaus einfach auf der Baustelle stehen gelassen.

          Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Die Düsseldorfer Stadtplanung, die seit Jahren an einer großangelegten Herzoperation laboriert, macht aus dem Sprichwort eine fahrlässige Untertreibung. Denn dieser ambitionierte und dabei überflüssige Stadtumbau, der den Autoverkehr unter die Erde legt und für - so es dabei bleibt - 350 Millionen Euro demonstriert, wozu sich Kommunen verleiten lassen (können), wenn Haushaltsnöte sie nicht disziplinieren, wird von Anfang an ohne Rücksicht auf Verluste durchgezogen.

          Andreas Rossmann

          Redakteur im Feuilleton.

          Erst wird der Hofgarten, die Parkanlage von Maximilian Friedrich Weyhe, angegriffen und, für Fußgänger künftig unüberwindbar, vollends in zwei Teile gehauen, dann der „Tausendfüßler“, die elegante, unter Denkmalschutz stehende Hochstraße über den Jan-Wellem-Platz, abgerissen, und nun ist die Kunst im öffentlichen Raum dran: Die Skulptur „Monumento (Rumor de limites IX)“ von Eduardo Chillida, die vor der Westfassade des Thyssen-Hochhauses ihren Platz hatte, wurde für die Tunnelarbeiten nicht etwa in Sicherheit gebracht, sondern in der Baustelle, wo schweres Gerät, Schutt und Rohre sie bedrängen, stehen gelassen und den Gefährdungen durch den laufenden Betrieb ausgesetzt.

          Auch ein Fall für die Verkehrspolizei

          Behelfsmäßig eingezäunt und der öffentlichen Aufmerksamkeit entzogen, nimmt sich das Werk des Künstlers wie ein Posten Sondermüll aus. Ist das Kunst, oder kann das weg? Mit der existenzgefährdenden Abschiebehaft stellt sich die Kulturmetropole Düsseldorf eine neue Visitenkarte aus, die für ihren Umgang sowohl mit Kunst als auch mit den Sponsoren aufschlussreich ist. Denn Thyssen hatte die komplexe Plastik des baskischen Bildhauers der Stadt im Jahr 1971 aus Anlass des hundertjährigen Unternehmensjubiläums zum Geschenk gemacht. Chillida hätte die Auftragsarbeit, wegen der ihm damals ein kapitalistisches Kunstverständnis vorgeworfen wurde, gerne vor den Eingang, vis-à-vis dem im Jahr zuvor eröffneten Schauspielhaus, plaziert.

          Doch der Wunsch des Künstlers blieb unerfüllt, da statische Gründe die Aufstellung auf dem Vorplatz verhinderten: Unter dem Platz befindet sich eine Tiefgarage. So kam die Skulptur aus Corten-Stahl, der im Hüttenwerk Oberhausen geschmolzen und in der Henrichshütte Hattingen geschmiedet wurde, auf die Westseite, wo sie vor der Rasterfassade dieses Ausrufezeichens des Wirtschaftswunders das Image der Stadt als Schreibtisch des Ruhrgebiets akzentuierte. Damit ist es, seit Thyssen-Krupp im Jahr 2010 das Dreischeibenhaus verließ und sein neues Hauptquartier in Essen bezog, vorbei. Wie das Kunstwerk daraufhin in Düsseldorf zum Schrott erklärt und abgestellt wird, gerät auch zu einem Fall für die Verkehrspolizei: Nur zwölf Tonnen, so besagt das Schild, sind hier erlaubt. „Monumento“ aber bringt es mit 65 Tonnen auf mehr als das fünffache Gewicht.

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