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Centre Pompidou in Schanghai : Ein Ausstellungshaus für irgendetwas

  • -Aktualisiert am

Die neue Zweigstelle des Centre Pompidou in Schanghai Bild: dpa

Das Centre Pompidou wird zur globalen Marke: Eine neue Ausstellung im Louvre Abu Dhabi zeigt Werke aus der Sammlung, jetzt hat eine Filiale in China eröffnet. Was bleibt von der Kunst?

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          Seit einigen Jahren wird das Pariser Centre Pompidou zu einer Marke ausgebaut. Im ostfranzösischen Metz wurde eine spektakuläre Filiale eingerichtet, und nach Málaga und Brüssel hat jetzt auch China sein Centre Pompidou. Während die neue Ausstellung im Louvre Abu Dhabi ebenfalls Werke aus der Sammlung des Centre Pompidou zeigt, sind einige Herzstücke der Pariser Institution nach Schanghai verschickt worden, unter ihnen Duchamps „Roue de bicyclette“, Brâncuşis „Kuss“, ein Miró, ein Chagall, ein kleiner Pollock. Aber auch Gerhard Richter und Isa Genzken hat man in einem Raum vereint, um in elf Kapiteln eine westliche Geschichte von der Moderne bis zur Gegenwart zu erzählen.

          Während man auf den Präsidenten der Französischen Republik wartet, der staatsmännisch mit einer halben Stunde Verspätung eintrifft, um das „Centre Pompidou x West Bund Museum Project“ einzuweihen, wird die Luft im lichtdurchfluteten Atrium langsam stickig. Doch die chinesischen Medienvertreter sind geduldig. Das neue Gebäude ist Teil eines umfangreichen Bebauungsplans, der einen neuen kulturellen Ballungsraum am Huangpu-Fluss vorsieht – und zwar bis nächstes Jahr. Die Umsetzung von Plänen folgt einer anderen Dynamik als in Europa.

          Multifunktional oder praktisch

          David Chipperfield, der Architekt des Neubaus, sagt: „Jede Stadt hat einen Bahnhof. Also baut man einen Bahnhof, auch, wenn man die Züge noch nicht hat.“ Ganz ähnlich sei es hier gewesen – als man ihn vor sechs Jahren bat, am Schanghaier West Bund zu bauen, konnte man noch nicht spezifizieren, was für eine Art von Gebäude man haben wollte.

          Die West Bund Development Group wünschte sich auf dem ehemaligen Industrieareal, an dem bereits das Long Museum und weitere kulturelle Institutionen beheimatet waren, ein weiteres Ausstellungshaus für irgendetwas. Was genau man zeigen wollte – Autos, Konzerte oder eben Kunst –, war noch nicht klar. Man setzte darauf, dass mit der Form der Inhalt schon kommen würde. Das tat er dann auch, in Form des Centre Pompidou. Man kann das Gebäude im besten Fall multifunktional, im schlechtesten praktisch nennen. Man kann es, wenn man freundlich ist, als gebautes Plädoyer dafür lesen, Kunst nicht so, wie man es im europäischen Kontext gewöhnt ist – auratisch, majestätisch –, zu präsentieren, wegzukommen vom heiligen Museion, hin zu Lösungen, die sich verschiedenen Bedürfnissen anpassen. Wichtiger ist doch im Zweifel, was drin ist.

          Frage nach Zensur

          Das Gebäude besteht aus drei nebeneinanderliegenden Boxen, die sich in der Mitte zu einem Atrium hin öffnen. Der Raum zwischen den Boxen und das Atrium sind frei zugänglich. So sollen, hofft man, öffentlich genutzte Räume entstehen, die das Publikum ganz natürlich in das Museum spülen. An manchen Orten im Haus, wo deckenhohe Fenster und kühle Betonpfeiler dominieren, fühlt man sich an umgenutzte Berliner Industriebauten erinnert. Das Gebäude ist groß genug, um auch einmal eine Autoshow zu beherbergen, was vielleicht klug ist, denn die Partnerschaft zwischen dem West Bund und dem Centre Pompidou ist auf fünf Jahre begrenzt.

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