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Bürgerkriegsgemälde in New York : Der Künstler macht weiter, mit festem Herzen!

Als der Amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, sagten Kunstkritiker eine Blütezeit der Malerei voraus. Auch ein deutscher Künstler wollte dazu betragen. Eine New Yorker Schau zeigt, was daraus wurde.

          Im Mai 1864, zu Anfang des vierten Jahres des Amerikanischen Bürgerkriegs, fand in New York die Metropolitan Fair statt, eine Art kleine Weltausstellung, die einem doppelten Zweck diente, der Spendensammlung für die Verwundeten des Unionsheeres und der Demonstration der kulturellen Überlegenheit der Nordstaaten. Die Auswahl von Werken aus den bildenden Künsten war Sache eines Komitees, aus dem der Gründerkreis des Metropolitan Museum of Art hervorging. An der Stirnseite der Kunstgalerie der patriotischen Messe, hinter einem Wald heroischer Büsten, hing Emanuel Leutzes Gemälde „Washington überquert den Delaware“, das heute die zentrale Position im 2012 renovierten amerikanischen Flügel des Metropolitan Museum einnimmt.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Am letzten Tag der Messe wurde Generalmajor John A. Dix eine von der Firma Tiffany & Co. nach einem Entwurf Leutzes hergestellte Fahne aus Seide überreicht. Sie zeigt die Allegorie der Freiheit, die mit der einen Hand das Sternenbanner emporreckt und mit der anderen Blitze schleudert. Als Finanzminister hatte Dix im Januar 1861 den Steuereinnehmern in New Orleans die Anweisung erteilt, jeder, der versuche, die amerikanische Flagge einzuholen, sei sofort zu erschießen.

          Bei Ausbruch des Bürgerkrieges hatten enthusiastische Kunstkritiker vorausgesagt, der Krieg werde reichlich Gegenstände für Gemälde nach dem Muster von Leutzes winterlichem Gruppenbild aus dem Jahre 1851 bieten. In der Ausstellung über den Bürgerkrieg und die amerikanische Kunst im Metropolitan Museum ist jetzt kein einziges Werk der Historienmalerei zu sehen, weder ein Grant, der den Mississippi überquert, noch ein Lincoln auf dem Schlachtfeld von Gettysburg. Leutze, aus Schwäbisch Gmünd gebürtig und in Philadelphia aufgewachsen, hatte seinen Washington in Düsseldorf gemalt, eigentlich zur Ermutigung der deutschen Republikaner.

          Leutze malte keine Szenen aus dem Bürgerkrieg

          1860, nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten, erhielt er den Auftrag für das Wandgemälde im westlichen Treppenhaus des Kapitols. Es stellt die Westwanderung des amerikanischen Imperiums in Gestalt einer Gruppe von Pionieren dar. Leutze nahm die Arbeit im Juli 1861 auf und vollendete das Bild im November 1862. Unter dem Eindruck der Aufhebung der Sklaverei im Territorium der Hauptstadt, die der Kongress im April 1842 beschlossen hatte, fügte er die Figur eines jungen Schwarzen hinzu.

          Im Sommer 1861 fertigte Leutze einige Zeichnungen von den Soldaten des siebten Regiments der Nationalgarde an, die im Kapitol einquartiert waren. Diese Traditionseinheit aus New York hatte wegen des hohen sozialen Status seiner Offiziere den Spitznamen der Seidenstrümpfe. Gemeinsam mit seinem Kollegen Albert Bierstadt besichtigte Leutze im Oktober 1861 das Lager des siebten Regiments zu beiden Seiten des Potomac nördlich von Washington.

          Der Korrespondent der Kunstzeitschrift „The Crayon“ berichtete nach New York, Leutze lege sich einen Skizzenvorrat an, den er für die Arbeit an „seinen militärischen Gegenständen“ gut werde gebrauchen können. Aber Leutze malte keine Szenen aus dem Bürgerkrieg. Er starb 1868, mit 54 Jahren. Der Auftrag der siegreichen Regierung, das wichtigste Ergebnis des Krieges zu verewigen, die Emanzipation der Sklaven, blieb unausgeführt.

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