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René Daniëls Ausstellung : Die Kunstakademie als Freudenhaus

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Sein Schaffen war kurz, aber heftig – und wirkt bis heute nach: René Daniëls wird im Brüsseler Wiels Zentrum für zeitgenössische Kunst als Vorreiter präsentiert.

          Das Schaffen dieses Malers vollzog sich im Zeitraffer. Es war kurz, aber heftig – und wirkt bis heute nach. Kaum älter als dreißig, hatte René Daniëls wichtige Ausstellungsbeteiligungen, war bei der Kölner „Westkunst“ und dem Berliner „Zeitgeist“ dabei, 1982 auch bei der Documenta 7. Schon früh waren nicht nur Ausstellungsmacher wie Rudi Fuchs und Kasper König auf dieses Temperament aufmerksam geworden, vor allem unter Kollegen waren seine Bilder eine Ansage.

          Dann die Zäsur im Jahr 1987: Ein Schlaganfall setzte dem freigeistigen, reflektierten Werk just zu jenem Zeitpunkt ein harsches Ende, als es zur Hochform aufgelaufen war. Jahrzehntelang malte der Künstler, schwer gehandicapt, gar nichts mehr und fing erst vor einigen Jahren wieder an, sich in sehr kleinen Formaten an das frühe Œuvre heranzutasten. Was er aber in den gerade zehn Jahren geschaffen hat, die ihm seit den späteren Siebzigern im Atelier blieben, offenbart eindrücklich, wie tief eine heute als brandaktuell diskutierte Malerei und ihre theoretische Begleitmusik in den achtziger Jahren wurzelt.

          Dialog mit der Außenwelt

          René Daniëls, 1950 in Eindhoven geboren, war komplett außer Gefecht gesetzt, als Jan Hoet ihn bei der Documenta 9 im Jahr 1992 besonders prominent plazierte. Das letzte Bild vor der schicksalhaften Zäsur hängte Hoet hoch oben im Kasseler Zwehrenturm, in einer Ehrensektion namens „Kollektives Gedächtnis“, gemeinsam mit Werken von Jacques-Louis David, Paul Gauguin und James Ensor, von Joseph Beuys, Barnett Newman und Alberto Giacometti – als sollte der ausgebremste Gipfelstürmer unwiderruflich kanonisiert werden. Was dem seligen belgischen Kuratorenpapst wiederum noch heute als Zeichen schlechten Gewissens nachgesagt wird, weil er ihn nicht in seine sagenumwobene Schau „Chambre d’Amis“ 1986 in Gent aufgenommen hatte. Hoet fand Daniëls damals zu jung und die Malerei insgesamt unfähig, sich etwa durch einen Dialog mit der Außenwelt und dem Ausstellungsraum zu erneuern. Dabei hatte Daniëls ebendies geleistet.

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          Dies offenbart sich jetzt im Brüsseler Wiels, dem nach einer Brauerei benannten Zentrum für zeitgenössische Kunst, in einer fulminanten, von Devrim Bayar eingerichteten Retrospektive. Irgendwo am Rand der Ausstellung ist ein Fernseher aufgesockelt, zu sehen sind Videos, die Daniëls und seine damalige Freundin Marleen Gijsen in den späten Siebzigern im Eindhovener Szenelokal Effenaar von Konzerten in Eindhoven aufgenommen hatten: von Lou Reed, Chary Vanilla, den Talking Heads, den Stranglers, den Sex Pistols.

          Ratten auf Skateboards

          Diese Dokus waren nie Werk, sie entstanden aus purer Leidenschaft, zeigen aber deutlich: Die Bühne für Rock’n’Roll und Punk übte auf den jungen Daniëls eine stärkere Faszination aus als die weiße Zelle des Ausstellungsraums – der von Brian O’Doherty seinerzeit süffisant kritisierte „White Cube“. Bevor Daniëls den klinischen Kunstraum auf seine Weise ins Bild setzte, malte er die Insignien des Zeitgeists: Skateboards, auf denen er Ratten fahren ließ, den Piccadilly Circus in London, aber auch nur den Blick in den Himmel, ein Dutzend Schallplatten, die im ortlosen All schwirren und dabei jede Menge Drive entfalten.

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